Wolmirstedt. Michiel Regelink, 16 Jahre alt, ist in Arnheim in den Niederlanden zu Hause. Doch wenn es die Zeit erlaubt und es seine Eltern ermöglichen können, dann ist er gerne mit ihnen in Deutschland unterwegs: "Es gibt nämlich kaum ein Land, wo alte Windmühlen so eine Wertschätzung erhalten wie in der Bundesrepublik", weiß der Gymnasiast, "und ich mag Mühlen, denn sind sie meine ganz große Leidenschaft." Da war es nur eine Frage der Zeit, wann es den jungen Holländer auch einmal nach Wolmirstedt verschlagen würde.

In der vergangenen Woche weilte er mit seinen Eltern in der Ohrestadt und bezog nicht zufällig im Landhaus "Auerbachs Mühle" Quartier. "Für mich war es ein ganz besonderes Erlebnis. Denn, wann hat man mal die Chance, unmittelbar neben einer alten Bockwindmühle unterzukommen? Die Wirtsleute selbst haben mir gleich am ersten Tag eine Führung ermöglicht."

Wie Michiel Regelink aber betonte, war "Auerbachs Mühle" in den Folgetagen stets Ausgangspunkt seiner großen Mühlentour, die ihn und seine Familie an vier Tagen durch vier Kreise zu insgesamt 28 Mühlen führte. Auf der windigen Strecke lagen da zum Beispiel Burg, Jerichow, Gardelegen, Klötze und Flechtingen. Und der junge Holländer wusste genau, was er sich anschaute, kannte jedes Detail der Mühlen. Und ob nun Köcherwind-, Flutte-, Turmwind-, Holländer- oder Paltrockwindmühle, alle die, wenn nicht immer im (aller)besten Zustand, auf der Strecke lagen, wurden von dem 16-Jährigen akribisch aufgelistet und mit dem Fotoapparat abgelichtet. Nach seiner Heimreise werden sie in sein großes Archiv eingearbeitet.

Auch wenn die Schar der Mühlenfans von Mühlentag zu Mühlentag stetig steigt, ist die Frage erlaubt: "Was findet ein 16-Jähriger an Windmühlen?" Seine wachsende Begeisterung kann Michiel Regelink nicht wirklich erklären: "Tatsache aber ist, dass ein Ururgroßvater von mir, als die Mühlen noch im täglichen Gebrauch waren, unbedingt Müller werden wollte. Letztlich wurde er Bauer, hat sich aber stets die Liebe für den Müllerberuf und die Windmühlen bewahrt. Und mir geht es nicht anders." Anders als sein Ururgroßvater wird der 16-Jährige Schüler den Beruf eines Müllers erlernen. "Aber lediglich nebenberuflich, allein in der Freizeit. Auch wenn ich die Ausbildung, die am Wochenende stattfindet, mit einem Diplom abschließe, werde ich nie später in diesem Beruf arbeiten. Mir geht es einzig und allein darum, diesen altehrwürdigen Beruf mit der unglaublichen Technik, mit dem man in der herkömmlichen Form kein Geld mehr verdienen kann, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen."

Bevor Michiel Regelink am Freitag in das Auto seiner Eltern stieg und mit ihnen die Heimreise antrat, verriet, er, dass er unter Garantie über kurz oder lang nach Wolmirstedt zurückkehren wird, um die alte Bockwindmühle von 1842 erneut zu entdecken. Aber auch, um wiederum von Wolmirstedt aus auf Mühlentour zu gehen, "denn es gibt noch viele zu besichtigen."