Derzeit wird in den Feuerwehren heftig über das Für und Wider einer "Feuerwehr-Rente" diskutiert. Die Glindenberger Ortswehr begrüßt die Initiative der Öffentlichen Versicherung Sachsen-Anhalts (ÖSA), alle anderen Ortswehren Wolmirstedts sind von dem Angebot wenig begeistert.

Wolmirstedt. Dabei ist alles so gut gemeint. Die ehrenamtliche Arbeit in der Feuerwehr soll honoriert werden: Mit einer Feuerwehr-Rente. Die wenigsten Kameraden der Wolmirstedter Wehr sind begeitert. Woher diese Aversion kommt und ob die Skepsis berechtigt ist, war Thema im Kultur- und Rechtsausschuss. "Meiner Meinung nach sind die Kameraden unzureichend informiert", sagt Mirko Ohrstedt, Ausschussmitglied und stellvertretender Wehrleiter von Glindenberg. "Es wäre schön, wenn sich der Gesprächskreis nicht nur auf die Ortswehrleiter beschränken würde." Dieser Vorschlag wurde aufgenommen, und es wird weitere Informationsveranstaltungen geben.

Fest steht, die Renten-Beiträge werden von der Kommune bezahlt. Dieses "Bonbon" soll Unentschlossene motivieren, in die freiwillige Feuerwehr einzutreten, es soll Mitgliedern das Dabeibleiben versüßen. "Wir wissen, dass diese private Zusatzrente nur ein Baustein sein kann", heißt es bei der ÖSA.

Der Stadtrat von Wolmirstedt hat sich eindeutig zu diesem Angebot positioniert. Bei den gewählten Vertretern genießt der Einsatz der Kameraden ein hohes Ansehen, und so wurde die Einstellung der Summe in den Stadthaushalt kein Zankapfel. Bereits im vergangenen Jahr standen 15 600 Euro zur Verfügung, in diesem Jahr ebenfalls. Damit kann die Stadt Wolmirstedt für jeden Kameraden monatlich zehn Euro in den Topf der Feuerwehr-Rente einzahlen. Damit bekäme eine Frau, die mit 20 Jahren in diese Versicherung eintritt, nach 47 Beitragsjahren monatlich 62,04 Euro Rente ausgezahlt.

Das überzeugt bisher wenig. Noch wurde kein Cent des Geldes angetastet. Zu groß ist die Skepsis der Feuerwehrleute. "Wer hat überhaupt ein Recht auf diese Rente? Nach wie vielen Jahren Beitragszahlung lohnt es sich?", formuliert Stadtwehrleiter Dirk Bischoff nur zwei der vielen offenen Fragen.

In der Tat sind Lebenswege immer weniger planbar. Kameraden wissen im Alter von 20 Jahren kaum, ob es ihr Familien- und Berufsleben überhaupt zulässt, jemals 47 Jahre lang bei der Feuerwehr mitzuwirken. Was passiert dann mit den Beiträgen? Swen Pazina, ehemaliger Ortswehrleiter von Wolmirstedt, empfahl auf der Jahreshauptversammlung: "Kauft euch von dem Geld lieber eine neue Ausrüstung. "

Die Kameraden sind nun gefragt, andere Anreize für die Feuerwehrarbeit zu nennen. Ermäßigten Eintritt fürs Schwimmbad hat Bischoff schon vor Jahren erkämpft. Das wird gerne genutzt. "Aber eigentlich", stellt der Stadtwehrleiter klar, "sind wir sowieso nicht wegen irgendwelcher Vergünstigungen in der Feuerwehr, sondern weil wir Menschen helfen wollen."