Die Wählerschaft fühlte am Donnerstag den Bewerbern für den Bürgermeisterposten auf den Zahn. Fünf drängen auf den Stuhl: die Amtsinhaberin, drei Ratsherren und ein Neueinsteiger in die Kommunalpolitik. Eineinhalb Stunden sollte das Forum in der Dahlenwarsleber Schulaula dauern, zweieinhalb nahm es in Anspruch. Die Liste der angesprochenen Themen war lang. Sie reichte von der Ansiedlungspolitik (Gewerbe und Einwohner) über das Grundwasserproblem bis hin zur drohenden Schließung einer kleinen Kneipe.

Dahlenwarsleben. Fünf Kandidaten wollen auf den Bürgermeisterstuhl der Niederen Börde: Amtsinhaberin Erika Tholotowsky, die Ratsmitglieder Roland Hiller, Stefan Müller und Dr. Rüdiger Pfeiffer und als politischer Neueinsteiger Patrick Strauß. Alle schlugen sich vorgestern Abend achtbar, entwickelten vor dem Auditorium ihr persönliches Wahlprogramm. Die Entscheidung liegt nun beim Bürger, hinter dem entsprechenden Namen ein Kreuz zu machen.

Die Veranstaltung kehrte auf eine Frage immer wieder zurück: Soll sich die Niedere Börde als Wohn- oder als Industriegemeinde definieren? Für Holger Gebauer im Publikum blieb die Frage unbeantwortet. Er vermisste Ideen und Mut zum Risiko. Nur so seien weitere Wirtschaftsunternehmen im Gemeindegebiet anzusiedeln. "Vielleicht kann die Nordverlängerung der A 14 dabei ein Segen sein", meinte er. Kandidat Patrick Strauß bedauerte, dass die bestehende Gemeindeverwaltung erst jetzt ein Unternehmerbüro zur Vernetzung mit Gewerbe und Industrie etabliert hat. Für ihn sei Ansiedlungspolitik stets Chefsache. Er unterstrich, dass die Niedere Börde eigentlich über eine tolle Verkehrsanbindung verfügt, die aber noch nicht hinreichend ausgenutzt ist. Dr. Rüdiger Pfeiffer plädierte dafür, die Hafenanlagen und das Gewerbegebiet in Vahldorf analog Rothensee zu einem Industriegebiet zu entwickeln. Bei Großinvestoren müsse man allerdings Hilfestellung beim Ministerium für Arbeit und Wirtschaft des Landes suchen. Pfeiffer sieht auch im Kulturtourismus eine Wachstumsbranche.

Stefan Müller legte neben dem wirtschaftlichen Aspekt das Augenmerk auf die sogenannten "weichen Standortfaktoren". "Wer sich hier niederlässt, achtet auf Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung, Bildung und Betreuung für seine Kinder." Nach seiner Ansicht würde neben den beiden Grundschulen der Niederen Börde eine weiterführende Schule in freier Trägerschaft gut zu Gesicht stehen. Für Roland Hiller steht im Falle seiner Wahl als Gemeindeoberhaupt die Haushaltskonsolidierung an erster Stelle. Aktuell gebe es bei den Verwaltungsausgaben einen Fehlbetrag von 1,5 Millionen Euro. Die Rücklagen sind bis auf den Pflichtteil aufgebraucht. Er würde der Kommune eine Pause bei den Investitionen gönnen. "Man muss nicht ständig neue Straßen bauen", unterstrich Hiller.

Das Herzblut von Erika Tholotowsky hängt am Grundstück der ehemaligen Schule in Gutenswegen mit der Gemeinschaftsküche im Keller. Ihr Bestreben von Anfang sei es, hier ein Modellprojekt ähnlich dem Kinder- und Familienhaus Färberhof in Stendal zu schaffen. Der Färberhof gehört zu den wenigen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt, die eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für Kinder anbieten.

Nicht jede Frage konnte zufriedenstellend beantwortet werden. Auf jeden Fall ließ die Beteiligung am Forum (75 disziplinierte Fragesteller und Zuhörer hatten in der Dahlenwarsleber Schulaula Platz genommen) für die Wahlbeteiligung hoffen. Vor sieben Jahren lag die unter 50 Prozent, bei der Stichwahl sogar unter 25 Prozent. Regina Malsch, freie Journalistin aus Wolmirstedt, beendete deshalb die Moderation des Forums mit dem eindringlichen Appell zur Wahl zu gehen.

 

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