Über den Andrang zur ersten plattdeutschen Plauderstunde waren Museumsleiterin Anette Pilz und Mitinitiator Werner Schierhorn gestern Nachmittag selbst freudig überrascht. 15 Männer und Frauen waren gekommen, um "ihre" Sprache zu pflegen. Zwei Herren hatten sogar eine Anreise aus Thale auf sich genommen, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Wolmirstedt. "Wir sind mit einer Hexe hergekommen. Die wartet draußen", scherzte Erich Helmholz aus Thale. Als er gestern beim Frühstück im Radio von dem Angebot der plattdeutschen Plauderstunde im Wolmirstedter Museum hörte, zögerte er nicht lange. "Da dachte ich mir: dat kuckste dik an", erklärte er seine Motivation.

Mitgebracht hatte er nicht nur ein Buch mit Geschichten in dieser Mundart, das er zusammen mit Bruder und Schwägerin 2002 herausgegeben hat, sondern auch seinen besten Freund Werner Stock. Beide stammen ursprünglich aus Klein Wanzleben und sind mit der plattdeutschen Sprache groß geworden. "Der Lehrer hatte damals Mühe, uns Hochdeutsch beizubringen", erinnern sich die rüstigen Harzer Senioren.

So ging es in ihrer Jugend vielen der gestern Anwesenden. Wie sie zum Platt gefunden hatten, "vertellten" sie in einer kurzen Vorstellungsrunde. Manchmal waren es die Eltern, die es ihren Kindern beibrachten. Manchmal wollten die Eltern allerdings viel lieber, dass ihr Nachwuchs Hochdeutsch spricht. Dann lernte dieser die Worte eben auf dem Pausenhof. Einer der Plauderstunden-Gäste hat früher als Friseur in Olvenstedt gearbeitet. Platt kannte er nicht von der Familie, sondern bekam es durch seine Kundschaft mit, die fast ausschließlich so sprach.

Eines einte gestern alle Anwesenden: Sie fühlten sich sichtlich wohl dabei, ihrer Mundart zu frönen. "Das ist als wenn wir tu huse sind", schwärmte eine der Damen.

Das Sprechen und Verstehen der plattdeutschen Worte fiel niemandem schwer, auch wenn es örtlich kleine Unterschiede gibt. "Die gesamte Sprache nennt man Niederdeutsch. In unserer Region spricht man vom ostfälischen Platt, das sich in den Dörfern durch kleine Nuancen unterscheidet", erklärte Stadtchronist Werner Schierhorn, der das Treffen zusammen mit Museumsleiterin Anette Pilz ins Leben gerufen hatte.

Dem gestrigen "Bekanntmachtreffen" sollen nun monatliche Zusammenkünfte folgen. Man will die niederdeutsche Sprache pflegen. Dass diese im Aussterben begriffen ist, hören viele der Plattspreker nicht gern. Aber der Altersdurchschnitt der gestern Anwesenden bewies auch, dass es an Sprach- Nachwuchs mangelt.

"Zweisprachigkeit:Manche sprechen Deutsch und Englisch, wir Hochdeutsch und Platt"

"Fernziel ist natürlich, dass wir auch die jüngere Generation an die plattdeutsche Sprache heranführen, beispielsweise an die Schulen gehen", nannte Schierhorn einen Wunsch für die Zukunft. Gestern blieben die Mundart-Freunde aber erstmal unter sich. Hermann Orlamünde aus Colbitz hatte einen kleinen Vortrag über Herkunft und Verwendung des ostfälischen Niederdeutsches vorbereitet.

Ansonsten wurde aber das Motto der Veranstaltung wörtlich genommen und jede Menge geplaudert. Die Frauen und Männer sind nämlich stolz auf ihre Zweisprachigkeit. "Manche sprechen Deutsch und Englisch, wir sprechen Hochdeutsch und Platt", erklärte eine der Teilnehmerinnen in die schmunzelnde Runde an der Kaffeetafel.

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