"Das Thema haben wir ganz bewusst gewählt", erläutert Anja Otto, Erzieherin im Integrativen Kindergarten "Storchennest", "denn, wenn die Mädchen und Jungen flügge sind, die Kindereinrichtung verlassen, dann sollen sie mehr über ihre Heimatstadt wissen." Das heißt, die Mädchen und Jungen der KIGA 2, das ist die große Gruppe, beschäftigen sich seit zwei Wochen sehr intensiv mit dem Projekt "Wolmirstedt" und waren gestern beim Bürgermeister angemeldet.

Wolmirstedt. "Nichts überzeugt die Kinder mehr als der Praxisbeweis", erläutert die Erzieherin Anja Otto von der Integrativen Kita "Storchennest" und verrät, was sie mit den großen Kindern alles noch so vorhat: "In der vergangenen Woche waren wir bereits im Sport- und Freizeitpark, in den nächsten Tagen werden die Kinder das Museum besuchen, sind die Kleinen bereits in der Bibliothek angemeldet."

Gestern Vormittag aber besuchte die KIGA2 das Rathaus. Um 9 Uhr waren die Mädchen und Jungen bei Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander angemeldet. Und wie die beiden Erzieher Marcus Wolf und Anja Otto versicherten, haben sich die Kita-Kinder sehr intensiv auf den "Arbeitsbesuch" vorbereitet.

Das heißt, die eine oder andere kritische Frage hatten sich die Kleinen ausgedacht. So zum Beispiel, wie es in Zukunft mit ihrer Kindereinrichtung weitergehen soll.

Der sonst so wortgewandte Bürgermeister kam an diesem Vormittag gleich das erste, aber auch das einzige Mal in Bedrängnis: "Wir stecken mitten in der Haushaltskonsolidierung, so dass wir als Stadt in den nächsten zwei Jahren nichts in das Storchennest investieren können", bat der Bürgermeister um Verständnis.

Zumindest die beiden Erzieher zeigten Einsehen, signalisierten, dass in den vergangenen Monaten Geld und auch Fördermittel für ihr Storchennest bereit standen. Mit dieser Antwort war zumindest bei den Kindern das Interesse an der Kommunalpolitik für den Moment gesättigt. Sie wollten jetzt einfach nur noch wissen, was sich hinter den zahlreichen Türen im Rathaus verbirgt. Große Ehre wurde Jan Lindner zuteil, der für das Gruppenbild auf dem "Chefsessel" Platz nehmen durfte. Und nachdem der Sechsjährige den Platz des Bürgermeisters geräumt hatte, war ihm absolut klar, später geht er einmal in die Politik.

In diesem Gefühl wurde er noch bestärkt, als er mit seinen Freunden den Ratssaal betrat. Wo Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander daran erinnerte, dass hier von den Stadträten der Beschluss gefasst wurde, die Diesterweg-Grundschule mit einem Investvolumen von 3,6 Millionen Euro zu modernisieren. Die Tatsache, dass die Schule einmal ein eigenes Theater besitzen und der Hort höchsten Ansprüchen gerecht wird, setzte die KIGA2 in Verzückung.

"Was nicht erstaunt", wie Anja Otto erklärt, "denn elf der 23 Kinder der großen Gruppe werden nach den Sommerferien in die Diesterweg-Grundschule gehen."