Die Nordverlängerung der A 14 im Abschnitt Dahlenwarsleben-Colbitz war Thema der Informationsveranstaltung am Dienstag in der Schulaula in Samwegen. Fast 200 Bürger waren gekommen, um sich zu informieren und gemeinsam zu überlegen, wie man sich gegen die Pläne wehren kann. Da für Einwände, Bedenken und Vorschläge nur noch bis 15. April Zeit ist, erarbeitet die Bürgerinitiative "A14 - so nicht" für alle Betroffenen ein Musterpapier.

Samswegen. "Ich freue mich, dass so viele Bürger gekommen sind und damit die Bürgerinitiative ,A14 - so nicht\' wiederbelebt wurde. Wir hatten seinerzeit über 800 Unterschriften gegen die Pläne gesammelt. Die haben damals nichts bewirkt. Jetzt müssen wir im Zuge des Planfeststellungsverfahrens versuchen, mit soviel Widersprüchen wie nur möglich erneut gegen das Vorhaben vorzugehen", sagte Ralf Eder, Vorsitzender der BI. Der hatte die Veranstaltung in der bis auf den letzten Platz besetzten Schulaula geleitet und dazu Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des BUND, CDU-Landtagsabgeordneten Holger Stahlknecht, Erika Tholotowsky, Bürgermeisterin der Gemeinde Niedere Börde sowie Gemeinderat Rüdiger Pfeiffer als Gäste begrüßt. "Es geht heute darum, dass wir uns eine Meinung bilden und überlegen, was wir gemeinsam und jeder einzelne tun kann, um die Interessen der Samsweger durchzusetzen", formulierte er eingangs das Ziel der Zusammenkunft.

Mittels Beamer bekamen die Besuche eine detaillierte Übersicht über den Verlauf der Trasse, kommentiert von Rüdiger Pfeifer. Der Streckenabschnitt schließt sich an die seit 2003 fertig gestellte A14 bei Dahlenwarsleben an. Für die elf Kilometer neue Straße bis Colbitz werden etwa 188 Hektar Fläche benötigt. Insgesamt sind in dem Bereich 16 Brückenbauwerken über Bahnanlage, Straßen, Wege, Bäche und Flüsse, sowie Abfahrten zur Anbindung der Städte Haldensleben und Wolmirstedt und zwischen Samswegen und Mose ein Autobahnrastplatz geplant. Obwohl bei der ersten Vorstellung des Vorhabens vor sechs Jahren durch den Kreistag sowie die betroffenen Gemeinden Beschlüsse gegen den Bau einer Brücke über den Mittellandkanal gefasst wurden, liegen die Pläne nun in der ehemaligen Fassung - es gibt nur eine leichte Trassenverschiebung zugunsten einer schützenswerte Libelle - aus. Über den Mittellandkanal soll die Brücke in einer Höhe von bis zu 23 Metern gebaut werden, die Trasse dann größtenteils auf Betonpfeilern oder Erdaufschüttungen bis zur Anbindung Colbitz führen.

Bis auf 175 Meter heran

Pfeiffer zeigte mit einem Bild der A2, die bei Hohenwarthe als sogenanntes Ständerwerk gebaut wurde, wie sich die Trasse östlich von Meitzendorf und Samswegen sowie westlich von Mose wie ein "gigantischer Lindwurm" durchs Land ziehen könnte. An dieser Stelle kam in der überfüllten Schulaula das erste Mal Unruhe auf. Die nahm zu, als Pfeiffer die Situation vor Samswegen näher beleuchtete. "Die Hochstraße wird sich dem Ort bis 175 Meter nähern", sagte er wörtlich. Mit lauten Protestrufen "Das kann doch nicht wahr sein!" oder "Hier kann man nur noch wegziehen" machten sich die Samsweger Luft. Anschließend schilderte das Gemeinderatsmitglied in einem etwas langatmigen Vortrag die zu erwartenden Beeinträchtigungen durch Verkehrslärm, Er sprach von einem "Horrorszenario", da auch die in dem Bereich geplanten Lärmschutzwände keine Sicherheit bieten würden und gesundheitliche Schädigungen vorprogrammiert seien. Oliver Wendenkampf stellte die Notwendigkeit der Nordverlängerung grundsätzlich infrage. "Es gibt aktuelle Untersuchungen des Verkehrsaufkommens in Brandenburg, dass dies nur noch ein Drittel so hoch ist. Man kann davon ausgehen, dass die Zahlen auch für Sachsen-Anhalt rückläufig sind. Das ist ein weiteres Argument für unseren Vorschlag, statt A14-Nordverlängerung die B189 auszubauen." Mit der A2 und der vierspurigen B189 von Magdeburg bis Wolmirstedt habe man bereits eine gute Vorlage. Leider würden die Verantwortlichen im Land aber an der A14 festhalten, trotz "zweifelhaftem Nutzen". Wendenkampf ist trotzdem optimistisch. Er geht davon aus, dass das Vorhaben nicht zu finanzieren ist. Zwar wird das 1,3 Milliarden teure Projekt vom Bund finanziert, die Anbindungen müssen aber aus dem Landeshaushalt bezahlt werden. "Nach der Wahl und den Plänen von CDU und SPD beispielsweise zum Ausbau zu Gemeinschaftsschulen wird sicher am Ausbau von Straßen gespart", meinte der BUND-Landesgeschäftsführer. Außerdem behauptete er, dass es bei der Nordverlängerung nicht mehr hauptsächlich um die Stärkung der Wirtschaft in der Altmark gehe, sondern um eine transeuropäische Verbindung. Großer Beifall brandete auf, als Wendenkampf abschließend sagte, dass es eine Frage der Vernunft sei, die Nordverlängerung zu verhindern. Hilfreich seien deshalb viele Stellungnahmen betroffener Bürger. Und er machte darauf aufmerksam, dass nur wer bis 15. April Einspruch erhebt, auch zum Erörterungstermin eingeladen wird. Auf die Frage, ob ein externes Gutachten zur möglichen Betroffenheit nützlich sein kann, gab Wendenkampf ein klaren Ja. Und er versprach auch rechtliche Unterstützung durch den Anwalt des BUND.

Maximaler Lärmschutz

Ralf Eger reagierte pragmatischer als seine Vorredner. Er bot allen Betroffenen ein Musterpapier an, dass für die persönlichen Stellungnahmen genutzt werden kann. Erika Tholotowsky informierte an dieser Stelle, dass schon eine ganze Anzahl Einsprüche vorliegen. Derzeit würde die Gemeinde in einer Art Dreistufen-Programm ihren Standpunkt erarbeiten. 1. Politische Wille ist der Ausbau der B189 statt A14-Nordverlängerung, falls an den Plänen festgehalten wird. 2. Bau eines Tunnels unter dem Mittellandkanal statt Brücke und wenn doch Brücke dann 3. mit maximalem Lärmschutz. Dazu soll bis 10. April ein Gutachten vorliegen, das gemeinsam mit Barleben und Wolmirstedt in Auftrag gegeben wurde. Am 12. April wird der Gemeinderat über die Stellungnahme befinden. Holger Stahlknecht sagte, dass er auch weiter für den Bau der A 14 eintrete, aber gegen die Brücke und für eine Untertunnelung ist. Er machte den Betroffenen Mut, sich für ihre Interessen einzusetzen und versprach Hilfe bei der Durchsetzung von ausreichendem Lärmschutz. Joachim Stilke, der mit anderen Anwohnern im Schlehenweg, die Veranstaltung organisiert hatte, appellierte zum Schluss an seine Mitbewohner, den Termin nicht verstreichen und lassen. Er selbst würde Hilfe von einem Rechtsanwalt in Anspruch nehmen. "Ich will nichts unversucht lassen. Schließlich geht es um unsere Lebensqualität."

Kontakt:

joachim.stilke@web.de oder Telefon (039202) 59314.

 

Bilder