Wolmirstedt. Wie streitet man über die Frage: "Soll Google Streetview auch unsere Gemeinde erfassen"? Treffende Argumente formulieren, dem Gegner zuhören, bereits Gesagtes aufgreifen und dabei noch eine sichere und überzeugende Rhetorik an den Tag legen ist gar nicht so einfach. Eine gepflegte Streitkultur beziehungsweise das Debattieren muss stets geübt werden. Beim Regionalausscheid von "Jugend debattiert" des Schulverbandes Magdeburg, bei dem fünf Schulen aus Magdeburg, Wolmirstedt und Genthin beteiligt sind, kamen die Schüler am Donnerstag so richtig in Fahrt. Austragungsort des Wettbewerbs war das Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium in Wolmirstedt, wo sich rund 300 Schüler aus den verschiedenen Schulen versammelt hatten, um den Finalisten die Daumen zu drücken. So haben sich ganze "Fanblocks" gebildet, die nach jeder Debatte den Vertretern ihrer Schule mit lauten Rufen und Applaus ihre volle Unterstützung zeigten.

Nach stundenlangem Debattieren standen schließlich die Gewinner fest: Für die Sekundarstufe 1 belegte Antonia Schulze den ersten Platz. Den zweiten Platz konnte Rebecca Lange für sich gewinnen (beide Kurfürst-Gymnasium). Den ersten Platz für die Sekundarstufe 2 belegte Vera Neugebauer vom Norbertusgymnasium Magdeburg. Dicht gefolgt von Melissa Christ, Schülerin des Kurfürst-Gymnasiums.

Für Schulverbundskoordinatorin Gudrun Scheel ist das Debattieren weit mehr als nur ein verbaler Schlagabtausch: "Man lernt einander zuhören, Argumente in Ruhe und Sachlichkeit auszutauschen. Das sind Fähigkeiten, die für das Leben und die Zukunft wichtig sind."

Mitorganisatorin Christina Kirschnik sieht ebenfalls wertvolle Nebeneffekte beim Aus- üben einer Debatte: "Wir sprechen hier nur über aktuelle und brisante politische Themen. Die Schüler fangen an, zu recherchieren, sich mit Pro und Contra auseinanderzusetzen. Der Horizont wird erweitert."

Der bundesweite Wettbewerb geht in diesem Jahr in seine zehnte Runde. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und in Kooperation mit den Kultusministerien der Länder. In Sachsen-Anhalt gibt es vier Regionalverbünde und 17 Schulen beziehungsweise Berufsbildenden Schulen, die an dem Wettbewerb teilnehmen.

Bei einer Debatte gelten für die Teilnehmer klare Regeln. Einfach drauf los argumentieren funktioniert hierbei nicht. Bei einer ordentlichen Debatte gibt es eine Pro- und eine Contragruppe. Zu Beginn einer Debatte bekommt jeder zwei Minuten Redezeit, um die Hauptargumente aufzuzeigen. Abschließend folgen zwölf Minuten freies Reden. Dann wieder für jeden eine weitere Minute Redezeit, um Gesagtes stichhaltig zusammenzufassen und um die wichtigsten Argumente noch einmal zu verdeutlichen. Eine Jury, bestehend aus Lehrern und Schülern, achtet auf Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.

Für die Schüler selbst ist jede einzelne Debatte eine wichtige Erfahrung. "Es ist ein bisschen wie Wohnzimmerpolitik", sagte Gewinnerin Vera Neugebauer nach ihrer Debatte. "Wir machen ja schließlich nichts anderes als die ¿Großen\' in Berlin". Der Schüler Christoph Täge aus Magdeburg fügte hinzu: "Außerdem kann man den Erwachsenen zeigen, dass wir Jugendlichen interessiert sind, dass wir fähig sind, gepflegt zu argumentieren und eben nicht einfach nur draufhauen".

Für die vier Gewinnerinnen Antonia, Rebecca, Vera und Melissa geht der Wettbewerb jetzt erst richtig los. Mit ihrem Sieg haben sie sich für den Landesausscheid im Magdeburger Landtag qualifiziert, der am 2. Mai stattfinden wird. Hier werden die vier Besten Sachsen-Anhalts ermittelt, die zum Bundesfinale nach Berlin fahren dürfen.