Vahldorf (mb). Heute ist die Landwirtschaft für die Ortschaft Vahldorf nicht mehr so bedeutend wie in den vergangenen Jahrhunderten. Ansiedlungen von Unternehmen im Gewerbegebiet bieten mehr Arbeitsplätze als Ackerbau und Viehzucht. Dennoch gehört die Landwirtschaft auch heute noch zum Ortsbild.

200 Jahre ist es her, dass die Domäne Groß Ammensleben die Espe "unter der Westphälischen Fremdherrschaft an den Bankier und Gutsbesitzer, Herrn Nathusius zu Althaldensleben, käuflich überlassen" hatte. So ist es in der "Neuhaldenslebischen Kreis-Chronik" von Peter Wilhelm Behrends nachzulesen, die 1824 veröffentlicht wurde. Die Espe war ein "kleiner ungefähr elf Hufen haltender Eichenwald, etwa einen Büchsenschuss ostwärts von Vahldorf gelegen", den Nathusius, nachdem er ihn 1811 erworben hatte, in den beiden folgenden Jahren abholzen ließ und 1818 an elf einzelne Nachbarn in der Gemeinde Vahldorf für die Summe von etwa 9000 Talern verkauft hat. Die neuen Eigentümer mussten sich einen Zugangsweg von der Domäne kaufen, denn der Anger der Domäne umschloss die Espe. Die Vahldorfer hätten das Land als Ackerland für alle gewöhnlichen Feldfrüchte und besonders für Roggen vorteilhaft genutzt, schrieb Behrends.

Heute bewirtschaftet die Agrar-Handels-Produktions-Genossenschaft (AHP) Vahldorf-Neuenhofe den größten Teil dieses Areals. Auf der Espe wachsen jetzt Ackergras, Zuckerhirse und Winterrogen.

Vahldorf, ein ehemaliges klösterliches Dorf, "besitzt eine zum Teil mit Lehm und Ton, größtenteils aber mit Sand gemischte Feldmark von 40 Hufen und Wiesewachs von 67 1/2 Morgen Größe", das aber nur durch Düngungskultur zweimal im Jahr gemäht werden könne, sowie etwas Garten und Angerland, hatte der Chronist eingangs erläutert.

Nicht von der Espe, sondern einem anderen Ackerstück berichtete das Wochenblatt von Neuhaldensleben und Umgebung vor 100 Jahren. Dabei ging es allerdings nicht um die Feldfrüchte, sondern um Funde unter dem Ackerboden. Am 2. Januar 1911 schrieb das Wochenblatt, nachzulesen im Kreis- und Stadtarchiv Haldensleben: "In dem auf der Wolfshöhe gelegenen Acker des Gutsbesitzers Herrn Wilhelm Schröder wurden zwei mächtige erratische Blöcke freigelegt, zerschossen und dann die einzelnen Teile durch Pferdekraft an die Oberfläche befördert. Im verflossenen Jahre hat man auch in dem Acker der Herren Laß, Fehse und Krantz solche Findlinge, nachdem man beim Pflügen auf sie gestoßen, ans Licht gebracht."

Die Zeitung berichtet weiter: "Auf verschiedenen anderen Ackerstücken sieht man zerstreut eine Menge erratisches Gestein, welches ebenfalls beim Pflügen gehoben ist und bei günstigem Wetter abgefahren werden soll. Der eine der beiden auf dem Acker des Herrn Schröder gefundenen Blöcke bestand aus Granit, der andere daneben liegende aus reicherem Gestein."

Vor 100 Jahren hatten sich die Bauern bereits zu Vereinigungen zusammengeschlossen, um ihre Erzeugnisse besser vermarkten zu können. So war am 26. Januar 1911 im Wochenblatt über die Versammlung der hiesigen Molkereigenossenschaft im Lokal des Gastwirts Woost zu lesen: "..bei den ...Wahlen wurde an Stelle des verstorbenen Gutsbesitzers Westphal Herr Gutsbesitzer F. Kühne als stellvertretender Vorsitzender neu gewählt und als Vorsitzender des Aufsichtsrats Herr Gutsbesitzer Wilhelm Schröder wiedergewählt. Der Genossenschaft trat als neues Mitglied Herr Gutsbesitzer Otto Berg bei." Über die Ergebnisse der Arbeit berichtet das Blatt allerdings nicht.

Solche Molkereigenossenschaften sind längst Geschichte. Und Geschichte sind auch Aktionen, die mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegen und auf die Michael Knöfel aus Hohenreinkendorf aufmerksam machte. Er hat im Internet in der Bilddatenbank des Bundesarchivs ein Foto gefunden, das an das damals übliche Kartoffelkäfersammeln erinnert und es an die Volksstimme geschickt.

Im Bildtext heißt es: "Die jungen Pioniere der Pionierfreundschaft ,Walter Ulbicht\' in Vahldorf Kreis Haldensleben haben sich die Aufgabe gestellt, den Kartoffelkäfer, der unsere Ernte bedroht, mit allen Mitteln zu bekämpfen." Allein Bodo Adamek habe schon rund 2000 Kartoffelkäfer abgeliefert.

Die Gemeindesekretärin Martha Bettermann verrechne für jeden Käfer einen Pfennig Prämie, bis Ende Mai wurden sogar 3 Pfennig Prämie gezahlt, bis 10. Juni 2 Pfennig. Das Bild ist mit dem 10. Juni 1952 datiert und stammt vom Fotografen Biskan von ADN Zentralbild.