Die Maifeier der Kalikumpel am Tag der Arbeit hat sich längst zu einem Besucher- magneten entwickelt. Auch gestern fanden wieder weit über eintausend Menschen den Weg in die Museumsscheune.

Wolmirstedt. Die rote Nelke ist immer noch das Symbol für den ersten Mai. Als Anstecker wurden kleine Nachbildungen der Blumen am Eingang von den Mitgliedern des Bergmannsvereins verteilt und viele Besucher hefteten sie sich ganz klassisch an die Brust. Große politische Absichten verkündete wohl niemand damit, die meisten Besucher kamen zur Museumsscheune, um sich mit Freunden, (ehemaligen) Kollegen und Bekannten zu treffen. Dennoch gehört eine kurze Bilanz des Betriebsratsvorsitzenden Klaus Krüger fest zum Programm. Und der schaute diesmal sehr optimistisch in die Zukunft.

"Im Gegensatz zu den Maifeiern der Jahre 2009 und 2010 steht diese Maifeier unter positiven Vorzeichen", sagte er, "die Weltwirtschaftskrise ist überstanden." Das Zielitzer Kaliwerk profitiert von der positiven Entwicklung auf dem Weltkalimarkt, und es macht sich bezahlt, dass die vergangenen schwierigen Jahre ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne gingen. "So können wir wieder voll produzieren", stellte er fest und verkündete stolz: "Außerdem gelten für die etwa 1600 Mitarbeiter unseres Werkes hohe soziale Standards." In diesem Zusammenhang wies Krüger darauf hin, dass das Zielitzer Kaliwerk generell einen großen Wirtschaftsfaktor und eine Stütze der Region darstellt.

Ganz ohne Sorgen sieht ein Betriebsratsvorsitzender natürlich nicht in die Zukunft, irgendetwas bedrückt immer. In diesem Jahr ist es die am ersten Maitag geöffnete Tür für Arbeitskräfte aus Osteuropa. "Es ist eine riesen Aufgabe für Gewerkschaften und Betriebsräte dafür zu sorgen, dass diese Regelung nicht zu Lohndumping führt", merkte er an.

In der kurzen Ansprache von Klaus Krügers fehlte selbst das Gedenken an die Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe von Japan nicht. Krüger schlug in diesem Zusammenhang den Bogen von der Atomkraft zum Bergbau. "Warum soll man nicht mit den neuen Technologien auch wieder mehr Energie aus Kohle gewinnen?", fragte er, und egal, ob Kalibergbau, Kohleabbau oder Atomkraft, "eine Industrie ohne Risiko gibt es nicht." Er mahnte lediglich Augenmaß an

Es war die 22. Maifeier ohne große Demonstrationen, eine Tradition, die sich nach der Wende kontinuierlich entwickelt hat. "Beim ersten Mal haben wir mit etwa 30 Leuten im Kreiskulturhaus gefeiert", erinnert sich der Betriebsratsvorsitzende, "das gab es damals noch." Später trafen sich die Kumpel und ihre Familien in der Halle der Freundschaft. Inzwischen stellt die Stadt die Museumsscheune zur Verfügung, ein Ort, der drinnen und draußen gut verbindet. Je nach Lust und Wetterlage finden sich die Besucher draußen oder setzen sich drinnen an die Tische. Nur einmal, da stehen alle auf, nämlich dann, wenn das Steigerlied angestimmt wird. So auch diesmal. Als die Blaskapelle unter der Leitung von Günter Müller die ersten Takte anstimmte, wurde es still in der Scheune, mit dem ersten "Glück auf" erhoben sich alle von den Plätzen und sangen mit.

Draußen indes war auch für die Unterhaltung der Kinder gesorgt. Die Kameraden der Freiwillen Feuerwehr Farsleben hatten eine Hüpfburg aufgebaut, die rege von den Kleinen genutzt wurde. Immer wieder beliebt ist das Kinderschminken und auch darum kümmerten sich die Mädels der Jugendfeuerwehr.

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