Seit dem 11. April und noch bis zum 10. Mai läuft das Planfeststellungsverfahren für die Errichtung und den Betrieb einer Deponie (Klasse I) im Sandtagebau Farsleben. Antragsteller ist die Firma Günter Papenburg AG. Die Unterlagen, zwei schwere Ordner, können seit nunmehr drei Wochen im Zimmer 107 des Rathauses eingesehen werden.

Wolmirstedt. Doch wiedererwartend hält sich der Besuchersturm in Grenzen, obwohl das Thema "Deponie" nicht nur die Menschen in Farsleben seit Monaten bewegt. "Drei Bürger, darunter auch Mitglieder der Bürgerinitiative ,Contra Deponie\' in Farsleben, haben bis heute um Einsicht der Unterlagen gebeten", wie Doris Bunk, Sachgebietsleiterin Planung in der Stadtverwaltung, auf Nachfrage der Volksstimme versicherte.

Dabei enthalten die Papiere, zumindest nach Aussagen der Stadt, brisantes Material. So machte Doris Bunk Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander noch im April darauf aufmerksam, dass in den Planungsunterlagen falsche Aussagen getroffen würden. Gegenüber der Volksstimme verwies die Sachgebietsleiterin darauf, dass der Flächennutzungsplan von Farsleben lediglich einen großen Teil der Fläche, "als Fläche für Abgrabungen beziehungsweise für die Gewinnung von Bodenschätzen, in diesem Fall von Kies und Sand", ausgewiesen hat. Nach Aussagen der Sachgebietsleiterin aber werden diese Festlegungen in den Unterlagen, die durch ein Stendaler Planungsbüro erstellt wurden, anders dargestellt.

Demnach weist die Anlage 27 (eine Karte des Plangebietes - die Red.) dieses Gebiet bereits als Deponiebereich Ost beziehungsweise West aus. "Und das ist definitiv falsch", so die Sachgebietsleiterin, "außerdem erweckt diese Karte bei dem Betrachter den Eindruck, als wenn ein verbindlicher Flächennutzungsplan bereits die Deponie ausweist. Das ist aber nicht der Fall." Also sah die Stadt Wolmirstedt dringenden Handlungsbedarf, informierte umgehend das Amt für Umweltschutz im Landratsamt und das Landesverwaltungsamt. Dabei machte Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander eine ganz eindeutige Forderung auf: "Um weitere Irritationen im Rahmen der Durchführung des Planfeststellungserfahrens zu vermeiden, halte ich es für geboten, die öffentliche Auslage sofort auszusetzen."

Bis gestern lag der Stadtverwaltung noch keine Stellungnahme aus Haldensleben vor und auch das Stendaler Planungsbüro war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auf Nachfrage der Volksstimme aber erklärte Isolde Prost, Amtsleiterin des Bauordnungsamtes, dass es sich für das Landratsamt bei der besagten Anlage 27 "um kein amtliches Dokument handele, die Karte lediglich eine Unterlage des Planungsbüro darstellt".

Wie die Amtsleiterin aber ausdrücklich betonte, sei das Planfeststellungsverfahren noch nicht abgeschlossen und noch längst keine Entscheidung getroffen.