Ortsbürgermeisterin Helga Steinig wird es freuen: Mit einem geliehenen Angelkahn, einer provisorischen Sperre gegen "Entengrütze" aus eigener Ausrüstung und anderem passenden Arbeitsgerät haben die Moseraner Blauröcke und Anwohner am Wochenende den Dorfteich entschlammt. Zur 1075. Wiederkehr der urkundlichen Ersterwähnung des Wolmirstedter Ortsteils im nächsten Jahr soll die am Teich übliche Idylle erhalten bleiben.

Mose. Auf der gegenüberliegenden Teichseite meldet sich aus dem Schilf ein Frosch. Fühlt er sich durch die Säuberungsarbeiten in seinem Revier gestört? "Das kann er eigentlich nicht. Wir haben extra das Ende der Laichzeit der Amphibien abgewartet", unterstreicht Marén Bode, eine der an die 15 freiwilligen Helferinnen und Helfer. Ortswehrleiter Thomas Nagel deutet auf die Wiese hinter dem Teich. "Dort haben Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts Ingenieur Rudolf Nebel und sein Team ihre Versuche mit der unbemannten Flüssigkeitsrakete absolviert." Die Wiese und der Teich gehörten zum Gut Mose. Der 60 mal 20 Meter große und in der Mitte vielleicht 1 Meter tiefe Dorfteich diente damals wie heute als Löschwasserentnahmestelle für die Feuerwehr. Das Angelruten-Auswerfen ist hier nicht gestattet, obwohl Mose in der Tradition eines Fischerdorfes steht und Mönche im Mittelalter hier Fische als Fleischersatz gezüchtet haben sollen. Thomas Nagel und seine Kameraden fahren am Teich ab und an eine Einsatzübung, nicht zuletzt, um das flache Gewässer mit ihrer Tragkraftspritze zu belüften. Der Einsatz am Sonnabend diente ausschließlich dem Entschlammen und dem Beräumen der Böschungen und der Zuläufe, die das Oberflächenwasser abführen. "Eigentlich eine mühsame Angelegenheit", betont Thomas Nagel, der sich gewünscht hätte, dass die Stadt die etwa 1500 Kubikmeter Wasser abpumpt und die Feuerwehrangehörigen dann zur Tat schreiten. Doch bei einer klammen Kasse bleibt das eine Kostenfrage. "Zu DDR-Zeiten wurde das Gewässer zweimal entschlammt", erinnert sich Alfred Schwennecke, mit 73 Jahren der älteste Teilnehmer des sonnabendlichen Arbeitseinsatzes. "Damals machte das die LPG mit ihrer Technik. Das Wasser wurde bis hinunter auf die undurchlässige Tonschicht abgepumpt, der Schlamm ringsum auf die Äcker abgefahren", weiß Alfred Schwennecke. Heute besorgt das Abfahren des entfernten, überzähligen Bewuchses, der Entengrütze und des eingesammelten Unrates der Bauhof der Stadt Wolmirstedt.

Auf die fleißigen Helfer warteten am Sonnabend am Ende ein Kasten Bier und Mineralwasser. Zur Mittagsstunde wurde der Grill angeworfen, um als Dorfgemeinschaft enger zusammenzurücken, was mit dem freiwilligen Einsatz am Feuerlöschteich eigentlich schon geschehen war.