Wolmirstedt. "Der Burgenaktivitätstag ist für Funker ein besonderer", erzählt Professor Michael Höding. Auch für ihn und seine Frau Andrea Diekmann, denn beide Wolmirstedter sind begeisterte Funker. Und so bauten sie jüngst am Burgberg, am Fuße der Schlosskapelle, ihren Funkwagen auf, setzten eine Antenne, nahmen am Funkgerät Platz und begannen zu suchen. "Burgfunkertag heißt, dass alle Funker aufgerufen sind, sich an Burgen oder Schlössern aufzustellen und von dort aus zu funken", erklärt Andrea Diekmann, "wer am meisten Funker gefunden hat, ist Sieger". Es ist also ein bisschen wie Sport und ein bisschen wie Ostern. Die Funker müssen alle Burgen und Schlösser in Deutschland anfunken und darauf hoffen, dass geantwortet wird. Eine Landkarte hilft bei der Orientierung, denn bei tausenden Burgen und Schlössern im Land verliert man schnell den Überblick. Alle können Michael Höding und Andrea Diekmann ohnehin nicht anfunken, doch so viele wie möglich.

Wasaber macht das für einen Sinn, mag man fragen, wissen die Funker nicht, dass wir im Zeitalter des Handys leben und uns sowieso jederzeit und überall schnurlos erreichen können? Michael Höding schmunzelt ob so einer Frage. Ja, er lebt im Handy-Zeitalter. Er ist schließlich Informatiker, genauer gesagt, Professor für netzbasierte Anwendungen. Das erzählt nicht er, das muss man bei Vater Holger Höding erfragen. Der ist gerne dabei, wenn "die Kinder" funken und versteht die Sprache, in der die Worte "UKW" und "Langwelle" noch die verständlichsten sind. "Wir haben vor ein paar Tagen Kontakt zur ISS aufgenommen", schwärmt Andrea Diekmann, "das heißt, von Wolmirstedt direkt in den Weltraum".

MichaelHöding sitzt indes wieder am schwarzen Kasten, aus dem es für ungeübte Ohren unermüdlich knackt und rauscht. Doch der Professor scheint das Knacken und Rauschen zu decodieren. Er dreht an den Knöpfen, hört, spricht, und es ist klar, was die beiden Wolmirstedter Funker so sehr an ihrem Hobby begeistert. Es ist die Technik im Allgemeinen und die Technik des Funkens im Besonderen, dabei der Austausch mit Gleichgesinnten. "Es ist wie beim Angeln. Es macht einen Unterschied, ob ich mir eine Dose Fisch kaufe oder selbst einen Fisch angle", versucht Michael Höding, seine Leidenschaft verständlich zu machen.

Und so wie Angler die Größe ihrer Fische vergleichen, vergleichen die Funker am Burgenaktivitätstag die Zahl ihrer Kontakte. Am Ende des Tages schreiben sie alles auf eine Karte und schicken diese zur Auswertung an die Zentrale des Deutschen Amateur-Radio-Club e. V. (DARC). Der Ortsverband Wolmirstedt W37, dem beide Funker angehören, ist in dem Dachverband.