Zu Beginn gab es von den Akteuren Blumen für den Bürgermeister, der am Tag der Premiere Geburtstag hatte. Nach dem herzlichen Schlussapplaus bedachte der Bürgermeister die über 30 Akteure mit Blumen. Die hatten wie immer fast ein ganzes Jahr lang geübt, um das Stück zur Aufführungsreife zu bringen.

Barleben. "Faust oder die Welt ist nicht genug." Freuen sollte sich das Publikum auf einen "Goethe" der besonderen Art. Was die Zuschauer erleben, ist eine Eigenschöpfung der beiden Lehrerinnen a. D., Anneliese Langer und Hildegard Schudrowicz, bei der Goethe lediglich Pate stand. Mit dem "Faust" des Dichterfürsten hatte das Stück in der Aula der Sekundarschule fast nichts mehr gemeinsam. Bei Langer und Schudrowicz geht die Handlung so: Die Studenten des Dr. Faust (verkörpert von Clemens Gathge) haben viele Fragen. Der Magister muss ihnen die Antworten schuldig bleiben. Für den Weg der Erkenntnis und das Streben nach Vollkommenheit geht der Titelheld wie bei Goethe einen Pakt mit dem Teufel (dargestellt von Liz-Margo Weiner) ein. Der Teufel begleitet Faust durch die Zeit. Beide treffen auf berühmte Persönlichkeiten wie Magellan, Christoph Kolumbus, Thomas Alpha Edison und Robert Koch. Ihre Ent- deckungen und Erfindungen hatten positive Auswirkungen auf die Welt. Am Ende führt der Teufel Faust in die Welt unserer Tage. TrotzHandy-Manie haben die Menschen Kommunikationsprobleme. Das Streben nach Vollkommenheit ist in Schönheitswahn gemündet. Ein Nachrichtensprecher verkündet drohendes Ungemach: globale Erwärmung, Klima-Katastrophe, atomarer Super-Gau. Fukushima ist gedanklich nicht fern...

"Bei Goethe hat Faust gewonnen. Bei uns ist alles offen. Es bleibt abzuwarten, was der Mensch aus seiner Welt macht", so Langer und Schudrowicz zu ihrem Stück. Theater wird bei ihnen im besten Sinne zur moralischen Anstalt.

Anneliese Langer saß wie bei allen zehn Schülertheateraufführungen davor im Regiestuhl. Die diesjährige Inszenierung ist wohl personell auf, vor und hinter der Bühne und von Kostüm und Ausstattung her die aufwändigste. Den Spielfluss treiben mehrere Massenszenen (Schülerinnen und Schüler der Grundschule) voran. In ihnen ist dem Spiel satirischer Unterton zugeordnet. Das Publikum lacht an gewünschter Stelle. Die Musikauswahl von Judith Schemel verstärkt wie stets die jeweils auf der Bühne herrschende Atmosphäre.

 

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