Auf der 12. ordentlichen Sitzung des Stadtrates wurden am Donnerstag langfristige Entscheidungen getroffen. Und das betraf nicht nur die Energieversorgung, die für die nächsten 20 Jahre festgeschrieben wurde. Auch auf dem Gebiet Marketing und Sportentwicklung will man in der Ohrestadt endlich verstärkt in die Spur kommen.

Wolmirstedt. Die Mehrzahl der Beschlussvorlagen, über die die Stadträte am Donnerstagabend auf ihrer 12. ordentlichen Sitzung im Ratssaal des Rathauses zu entscheiden hatten, werden ein gutes Stück in die Zukunft reichen. So haben die Stadträte einstimmig den Beschluss gefasst, die Konzession für die Strom- und Gasversorgung in den Ortsteilen Farsleben, Glindenberg und Mose an die Stadtwerke Wolmirstedt GmbH zu vergeben.

Wie in der sehr sachlich geführten Diskussion zum Ausdruck kam, werden nach den Verhandlungen mit dem bisherigen Konzessionsnehmer, der E.ON Avacon AG Helmstedt, die Stadtwerke die Netze zum 1. Januar 2012 übernehmen. Der Konzessionsvertrag zwischen beiden Partnern wurde auf 20 Jahre festgeschrieben.

Es war an diesem Abend nicht die einzige Entscheidung, die von allen Fraktionen gemeinsam getragen wurde. So arbeitet die Feuerwehr Wolmirstedt mit den Ortswehren in Mose, Glindenberg und Farsleben seit der Ratssitzung nun nach drei einheitlichen Satzungen, die die Arbeit wesentlich erleichtern.

Nachdem bereits 2009 die Feuerwehrsatzung und 2010 die Entschädigungssatzung den Stadtrat passierten, gab es vorgestern im Rathaus grünes Licht für die Neufassung der Kostenersatz-Satzung.

Was die Wolmirstedter freuen wird, die Stadtväter wollen die Ohrestadt stärker als bisher touristisch vermarkten. Dazu sollen Fördermittel beantragt und ein externes Unternehmen gewonnen werden, das ein Konzept erarbeitet und damit einen erfolgreichen Weg vorgibt.

Gisela Gerling-Köhler (FDP) verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass aber vor allem die Innenstadt verstärkt in den Fokus gerückt werden muss. "Es kann nämlich nicht sein, dass wir Wolmirstedt einseitig für die Touristen aufwerten, aber die Innenstadt stirbt aus!"

Vereinsvorsitzende müssen Flagge zeigen

Ähnlich gelagert sind die Probleme, die die Sportentwicklung in der Ohrestadt betreffen. Deshalb haben die Stadträte entschieden, weil sie ein gutes Stück befangen sind, dass das geforderte Konzept, das nach dem demografischen Wandel in der Stadt zwingend notwendig ist, von einem auswärtigen Unternehmen, das objektiv an die Aufgabe gehen kann, erstellt wird. Heinz Oelze, der Sportveteran der Stadt, verfolgte als Zuhörer die Ratssitzung, war nach der Entscheidung dennoch nicht glücklich: "Ich war wirklich der Meinung, der Stadtrat wäre bei der Entscheidungsfindung schon einen erheblichen Schritt weiter!" Richtig verärgert aber war der verdienstvolle Sportfunktionär darüber, dass er als einziger seiner Zunft der Ratssitzung folgte: "Ich hatte zumindestens die Vorsitzenden der Sportvereine auf der Besucherbank erwartet, wenn in der Stadt langfristig über den Sport entschieden wird."

Erheblicher Redebedarf bestand bei den Stadträten, als die Stellungnahme der Stadt zum Planfeststellungsverfahren der Deponie zur Disposition stand. Marlis Cassuhn, die den Bürgermeister vertrat, informierte die Stadträte zuvor darüber, dass die Bürgerinititiative "Contra Deponie" Listen mit 733 Unterschriften an die Stadtverwaltung übergeben hat, zudem 38 Stellungnahmen von Bürgern zur Deponie eingegangen sind.

Der Fraktions-Vorsitzende der CDU, Uwe Claus, verwies zu Beginn der Diskussion auch deshalb darauf, dass allein der Landkreis über die Genehmigung des Planfeststellungsantrages zu entscheiden hat, "wir lediglich unsere Meinung dazu äußern können".

Während mehrheitlich die Stadträte sich gegen die Kiesgrube aussprachen und der Beschlussvorlage zustimmten, verwies Klaus Mewes (UWG) darauf, dass Unternehmen und Investoren eine große Bedeutung für jede Kommune und seine Menschen haben. "Das heißt, es sollte stets ein offener und ehrlicher Umgang gepflegt werden. Die Firma Papenburg ist seit fast 20 Jahren in Farsleben tätig und hat eine beispielhafte Zusammenarbeit mit der Gemeinde gepflegt. Wir legen Wert darauf, dass dies künftig auch in Wolmirstedt so bleibt."