• 20. Mai 2013


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Auf Besucher wartet neben allerhand Lehrreichem über den Textilstoff eine Kostprobe von Maulbeermarmelade und Tee


Wie aus Raupen Seide wird: Spannender Rundgang im Museum

31.07.2012 04:19 Uhr |


Von Ariane Amann


Für die Kamera nicht mehr sichtbar, aber wirklich da: Gisela Krohn spinnt auf ihrem Hof aus den Kokons der Raupen feine Seide.

Für die Kamera nicht mehr sichtbar, aber wirklich da: Gisela Krohn spinnt auf ihrem Hof aus den Kokons der Raupen feine Seide. | Foto: Ariane Amann Für die Kamera nicht mehr sichtbar, aber wirklich da: Gisela Krohn spinnt auf ihrem Hof aus den Kokons der Raupen feine Seide. | Foto: Ariane Amann

Wolmirstedt l Bei Seidenraupen denken die meisten Menschen zuerst an China. Logisch, von dort kommt die Produktion der Seide mit den kleinen Raupen ja auch. Dass die Seidenraupenzucht aber auch in Wolmirstedt und Umgebung durchaus Tradition hat, erfuhren die Besucher einer Museums-Sonderführung.

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Um 1936 herum hatte Karl Köster eine Brut-, Mast- und Kokonabtötungsanlage in der ehemaligen Reitbahnstraße in Wolmirstedt gehabt. Rund 200000 Raupen soll er dort pro Saison für sich Seide produzieren haben lassen. Auch in der Umgebung, beispielsweise in Rogätz und in Farsleben, soll es Seidenplantagen gegeben haben. Daran konnte sich sogar eine Besucherin erinnern. "Mein Vater ist mit mir immer zu den kleinen Insekten gefahren. Ich weiß noch, dass sie wirklich wie die siebenköpfigen Raupen gefressen haben", erzählt sie.

Im Gestrüpp der kleinen Brutanlage im Museum können sich die Seidenspinner verpuppen. Annette Pilz (r.) schaut mit den Besuchern, wo sich die Raupen versteckt haben.

Im Gestrüpp der kleinen Brutanlage im Museum können sich die Seidenspinner verpuppen. Annette Pilz (r.) schaut mit den Besuchern, wo sich die Raupen versteckt haben. | Foto: Ariane Amann Im Gestrüpp der kleinen Brutanlage im Museum können sich die Seidenspinner verpuppen. Annette Pilz (r.) schaut mit den Besuchern, wo sich die Raupen versteckt haben. | Foto: Ariane Amann

Bei solchen Geschichten huscht auch Annette Pilz vom Museum auf der Schlossdomäne ein Lächeln übers Gesicht. Von der einstigen Seidenraupenzucht in der Stadt sind zwar derzeit nur ein paar Maulbeerbäume übrig, diese zeugen jedoch recht eindeutig von der "seidigen" Vergangenheit der Ohrestadt.

Raupen haben eine Vorliebe für Maulbeerblätter

Als im Museum die Idee zu der aktuellen Seidenraupen-Ausstellung entstand, nahm Annette Pilz Kontakt zu jemanden auf, in dessen Garten ein großer Maulbeerbaum steht. Die kleinen Seidenraupen (auch Maulbeerspinner genannt) ernähren sich nämlich am liebsten von den Maulbeerblättern. Annette Pilz weiß: "Dann wird auch die Seide am schönsten. Wenn sie etwas anderes fressen, nimmt die Qualität der Seide ab." Also bekommen die kleinen Feinschmecker regelmäßig mit Zustimmung des Besitzers von dem Maulbeerbaum genau das, wonach ihnen der Sinn steht.

Und ans Herz gewachsen sind die Raupen den Museumsmitarbeitern auch schon. "Sie sind irgendwie schon ein bisschen unsere Kinder", gibt Annette Pilz unumwunden zu. Ein bisschen komisch sei das für sie schon, denn: "Ich mag eigentlich nichts, was krabbelt."

Nach einem ausgiebigen Rundgang und dem begeisterten Bestaunen der Seidenraupen machte sich der Trupp aus rund 25 Gästen noch auf den Weg zu Gisela Krohn, ihres Zeichens Seidenspezialistin in der Burgstraße. Sie zeigte den Interessierten, wie aus den Kokons feine Seidenfäden gesponnen werden, und was man aus den Maulbeeren des Seidenraupen-Futterbaums alles machen kann. So hatte sie unter anderem Maulbeertee und -marmelade zubereitet: "Die schmeckt am besten mit Mascarpone. Die Kalorien hab ich aber vorher rausgescheucht", sagt sie schmunzelnd.

Informativer Ausflug in die Welt der Seidengewinnung

Ein bisschen mitleidig guckten die Besucher in den großen Topf auf dem Gaskocher, in dem die Seidenkokons schwammen. Die Raupen müssen für die Gewinnung und Verarbeitung der Seide abgetötet werden - das hatte Gisela Krohn aber schon kurz und schmerzlos erledigt, bevor die Besucher eintrafen.

Insgesamt war der Seidenraupen-Ausflug für alle Beteiligten sehr informativ. "Ich finde es hochinteressant, dass in Wolmirstedt Seide gewonnen wurde, das wusste ich bisher gar nicht", fasste Christel Klette ihre Erkenntnisse des Abends zusammen. Gemeinsam mit Freundin Inge Dobranz hatte sie sich aufgemacht, um mehr über die Raupen zu erfahren. Und Dobranz fügt noch hinzu: "Und lecker war es mit Tee und Marmelade!"

Die Sonderausstellung "Von Maulbeeren und Seidenraupen" im Museum auf der Schlossdomäne ist noch bis 23. September zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 12 sowie von 14 bis 17 Uhr und Sonntag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr.



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Copyright © Volksstimme 2013
Dokument erstellt am 2012-07-31 04:19:51
Letzte Änderung am 2012-07-31 04:19:51

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