Niemand stoppte in der Einwohnerfragestunde ihren Redefluss. Stefanie List, Wenke Kuhwe und Carmen Duda, drei Elternkuratoriumsmitglieder, hatten sich ein Herz gefasst. Sie trugen am Dienstag im Gemeinderat ihre Ängste vor. Alle drei befürchten, dass der OT Gutenswegen nach der Grundschule auch noch die Kita verliert. Die drei Frauen appellierten an die gewählten Vertreter, die beabsichtigte Veräußerung des Schulgebäudes und die Schließung der Schulküche noch einmal zu überdenken. Das letzte Wort hat nun wohl am 8. März der Gemeinderat.

Jersleben. Nach Ansicht der drei Frauen biete das Areal der Grundschule (ehemalige Villa Schneidewindt) für die Zukunft mehr Entfaltungsmöglichkeiten als das Bürgerhaus. Dort sei das seit 2004 für alle Kindertageseinrichtungen in Sachsen-Anhalt verbindliche Programm "Bildung elementar-Bildung von Anfang an" besser durchsetzbar, meinte Carmen Duda.

Bürgermeisterin Erika Tholotowsky pflichtete den Kuratoriumsmitgliedern bei. Das Bürgerhaus sei für eine Umgestaltung der Räumlichkeiten der Kita ungeeignet. Sie als Gemeindeoberhaupt hätte sich schon im Sommer für das Areal der Schule ausgesprochen. Dort sei bis hin zu einer Küche im Keller alles vorhanden. "Doch es sind andere Entscheidungen getroffen worden", sagte Tholotowsky. "Das Interesse wurde dem Bürgerhaus zugewendet und nicht der ehemaligen Schule."

Das Bürgerhaus Gutenswegen (ehemalige Villa des Gutsbesitzers Riecke) am Ackendorfer Weg ist Sitz des Ortsbürgermeisters und der Kita "Villa Kunterbunt". Voll ausgeschöpft, kann die Tageseinrichtung 51 Kinder aufnehmen. Im oberen Teil des Hauses sind größere Veranstaltungsräume, die vermietet werden können. Und so soll es bleiben. Das haben die Gemeinderäte der Niederen Börde im Sommer letzten Jahres mehrheitlich so beschlossen, wohlwissend, dass es demnächst strengere Richtlinien für die Erteilung der Betriebserlaubnis einer Kita geben wird. Die waren damals im Juli zwar noch nicht durch, "aber ohne bauliche Veränderungen werden wir kaum auskommen", hatte die Bürgermeisterin ins Feld geführt. Wie die drei Mütter heute, hatte Tholotowsky schon damals die Befürchtung, dass die bauliche Substanz des Bürgerhauses den strengeren Richtlinien für die Erteilung der Betriebserlaubnis Grenzen setzt, die Kommune sich also nach einem anderen Gebäude umtun müsse, ehe die Betriebserlaubnis weg ist. Für Tholotowsky kommt nur das ehemalige Schulgebäude in Frage, schon weil die Gemeinde nur ein Objekt halten kann, wie auch Ratsherr Gerhard Schmidt am Dienstagabend noch einmal unterstrich.

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