Die Klasse 9a der Ganztagsschule "Johannes Gutenberg" wird Anfang Mai den Soldatenfriedhof Lommel in Belgien besuchen, um sich mit den Folgen von Krieg und Faschismus auseinanderzusetzen. Über die Volksstimme möchten die Schüler Angehörige von Gefallenen aus Wolmirstedt und Umgebung ausfindig machen, damit sie vor Ort die jeweiligen Gräber mit frischen Blumen bepflanzen und von Unkraut befreien können.

Wolmirstedt. Die Kriegsgräberstätte im belgischen Lommel ist der größte deutsche Soldatenfriedhof in Westeuropa. Fast 40000 Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg liegen dort begraben. Betreut werden die Gräber vom Volksbund der Deutschen Kriegsgräberfürsorge.

An dem Friedhof grenzen auch eine Jugendbegegnungsstätte sowie ein Forschungszentrum. Vom 2. bis 5. Mai werden die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a der Gutenberg-Schule im Rahmen einer Projektfahrt diese Kriegsgräberstätte besuchen, um sich mit den grausamen Ausmaßen des Krieges auseinanderzusetzen.

"Wir wollen erfahren, wer die gefallenen Soldaten waren, woher sie kamen und wo sie gekämpft haben. Mithilfe von Zeitzeugeninterviews und Recherchen begeben wir uns auf Spurensuche", sagt Ute Moritz, Initiatorin der Fahrt und Lehrerin für Deutsch und Französisch. "Das Projekt soll die Geschichte lebendig halten und gegen das Vergessen ankämpfen. Zusätzlich möchten wir über die Volksstimme einen Aufruf starten, ob es hier in der Region Menschen gibt, die wissen, dass Angehörige von ihnen dort begraben liegen." Die Lehrerin wird die Schüler bei der Reise begleiten.

Das Interesse der Jugendlichen an den unterschiedlichen Schicksalen der Soldaten ist groß, und so haben sie auch das Bedürfnis, ihre Anteilnahme und ihren Respekt den Gefallenen und den Angehörigen gegenüber auszudrücken. "Wir hoffen sehr, dass sich jemand meldet. Vielleicht kann derjenige im Vorfeld auch etwas über den Gefallenen als Mensch erzählen. Wir wollen dann das Grab ausfindig machen und uns um die Pflege kümmern. Dem Angehörigen bringen wir anschließend ein Foto mit", erklärt der Schüler Nils Stage.

Die Gräber auf dem Soldatenfriedhof in Lommel zu pflegen, hat bereits in der Salzwedeler Lessing-Ganztagsschule Tradition. "Ich möchte diese Art von Erinnerungsarbeit auch an unserer Schule etablieren", erklärt Ute Moritz und fügt hinzu, "die Jugendlichen erfahren so, dass die Gesellschaft immer noch von den Folgen des Krieges betroffen ist. Wir wollen mit dieser Aktion unser Interesse für alle ausdrücken, die noch immer um Menschen trauern, die im Krieg ums Leben gekommen sind."

Geschichtliches Faktenwissen bekommt durch diese Art von Erinnerungsarbeit eine menschliche Seite, die nachhaltiger prägt als der herkömmliche Geschichtsunterricht. Angesichts der Gräber werden sich die Jugendlichen einmal mehr über die Sinnlosigkeit sowie den unfassbaren Auswirkungen von Krieg und Gewaltherschaft bewusst. Wer Angehörige hat, die auf dem Soldatenfriedhof begraben sind, und das Grab gepflegt wissen möchte, wendet sich an Ute Moritz unter der Telefonnummer (039201) 29481.