Bei schönstem Sonnenschein feierten die Menschen in der Stadt und den Ortsteilen seit Freitag das Osterfest. Und das lebte vor allem von Traditionen: Die Osterfeuer und das beliebte Eiertrudeln gestalteten sich auch in diesem Jahr wieder als große Familientreffen.

Wolmirstedt. Dem Zeitplan hinkte man beim Glindenberger Osterfeuer am Sonnabend etwas hinterher. Und zwar aus Sicherheitsgründen. Das Super-Sonnen-Wetter begeisterte zwar die Gäste, die zum Deich gekommen waren, bei den zuständigen Ordnungs- und Umweltämtern hatte die Trockenheit allerdings etwas Besorgnis erregt. Herrschte am Wochenende immerhin Waldbrandwarnstufe drei.

Benjamin Bender musste sich um die Durchführung des von ihm organisierten Feuers am alten Schafstall in der Elbgemeinde allerdings keine Sorgen machen. Die Kameraden der örtlichen Feuerwehr benässten im Vorfeld ausgiebig die Wiesen rund um den enorm großen Holzhaufen. So wurde das Feuer zwar später entzündet als geplant, aber brannte anschließend kontrolliert und bis in die Nacht hinein ab.

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Auch auf dem Elbeuer Bootshausgelände hatte man am Sonnabend Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Wissen die Kanuten doch, dass schon seit Jahren mehrere Verwaltungsmitarbeiter zum Feiern am traditionellen Osterfeuer kommen und man deshalb quasi unter besonderer behördlicher Aufsicht steht. Das Osterfeuer des Kanuvereins, das seit Jahren eine beständig hohe Zahl an Besuchern verzeichnet, hatte vor Jahrzehnten mal ganz klein angefangen. Daran erinnerten sich vor allem Sven, Kathrin und Rieke Eckstädt. Die Familie wohnt zwar seit fast zehn Jahren in München - zum Osterfeuer sind sie aber fast jedes Jahr am Elbeu anzutreffen.

"Das erste Osterfeuer war quasi nur ein fröhliches Zusammensein der Vereinsmitglieder, mit Kassettenrekorder und einer Kiste Bier", schwelgte Kathrin Eckstädt zusammen mit Frank Wiesner vom Verein in Erinnerungen. Beide hatten 1991 die Premiere organisiert und sind treu dabei geblieben.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten diesmal die vier Jungs von "In my days" und die Band "Sunny Connection". Erstere stellten ausschließlich eigene Titel vor, mit denen die Farsleber im vergangenen Jahr zahlreiche Auftritte in ganz Deutschland absolviert und diese sogar schon auf eine CD gepresst haben. "Sunny Connection" gehören schon fast zur Osterfeuer Stammbesetzung und begeistern eigentlich als Cover-Band mit den größten Hits der vergangenen Jahrzehnte. Diesmal hatte das Quintett allerdings zwischendurch immer wieder mit ihrer eigenen Technik zu kämpfen, was für ein paar Tanzpausen bei den Fans sorgte.

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Ostersonntag konnten dann selbst die Feierfreudigsten etwas länger schlafen. In Farsleben hatten der Kulturverein "Webers Hof" und die Kirchengemeinde zum traditionellen Konzert geladen. In diesem Jahr gab es eine Premiere, wie Reiner Mewes verkündete. "Wir hatten schon verschiedene Duos da, aber noch nie eines mit Akkordeons", kündigte er das Ehepaar Kratschkowski an. Was die beiden anschließend dem behäbig wirkenden Instrument an Tönen entlockten, begeisterte die Zuhörer in der fast vollbesetzten Kirche. Das Duo Kratschkowski nahm die Gäste mit auf eine musikalische Reise von Westeuropa nach Argentinien und Russland, spielte Stücke von Bach und - passend zur Jahreszeit - den Frühling aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten".

Auf dem Saal von "Webers Hof" wartete währenddessen schon Angela Oehme mit ihren Helfern auf die Konzertgäste, um diese mit Kaffee und von den Vereinsmitgliedern gebackenem Kuchen zu verwöhnen.

Traditionell trudelten gegen 15 Uhr aber die Bewohner der Ortschaft mit ihrem Osterbesuch auf dem Weinberg ein, wo das beliebte Eiertrudeln anstand. Ganze Familiengenerationen lassen ihre bunten Ostereier den Berg hinab kullern. Die Regeln werden dabei unterschiedlich ausgelegt. Nur bei einer Sache waren sich am Sonntag alle einig: Wenn ein Ei kaputtgeht, muss es gegessen werden.

Um die Cholesterinwerte durch den Eierkonsum vor Ort nicht unnötig in die Höhe zu treiben, verriet beispielsweise Nancy Kegel, wie das bei ihrer Familie gelöst wird: "Wir nehmen die kaputten Eier mit und meine Schwiegermutter macht Eiersalat daraus", nannte sie eine Verarbeitungsmöglichkeit, die sicher bei vielen Farslebern am Ostermontag den Speiseplan dominierte.