Kurz nach der Bestätigung des städtischen Konsolidierungsplanes war die Bibliothek als eine der ersten Einrichtungen vom Sparzwang betroffen. Als mit Jahresbeginn Öffnungszeiten und die Mitarbeiter-Stunden verkürzt wurden, hatte der Lesetempel schon ein Spar-Jahr hinter sich. Und das hängt ihnen bis heute noch nach, erzählte Bastienne Schröter gestern ihrer Besuchergruppe rund um Bundestagsabgeordnete Undine Kurth.

Wolmirstedt. "Wenn mir jemand ein Buch in die Hand drückt, verdrücke ich fast selbst eine Träne", bedankte sich gestern Bastienne Schröter bei Undine Kurth. Dass die Bibliotheksleiterin engagiert für ihre Einrichtung kämpft, hat sich herumgesprochen. Und so schauten gestern Thomas Schlenker und Verena Wicke-Scheil von Bündnis 90/Die Grünen mit der Parlamentarischen Geschäftsführerin ihrer Bundestagsfraktion auf der Schlossdomäne vorbei. Ist Undine Kurth doch als Vorsitzende des Bibliothekenbeirates des DBV Sachsen-Anhalt interessiert daran, wie es in den Einrichtungen im Land aussieht.

Und da konnte Bastienne Schröter nicht nur Positives berichten. Zwar habe man in Wolmirstedt eine Vielzahl von Unterstützern, doch die Zahl der Leser und Entleihungen ginge kontinuierlich zurück. Im Vorjahr hatte die Bibliothek nur rund 100 Euro pro Monat für die Erneuerung des Medienbestandes zur Verfügung. "Bei den heutigen Buchpreisen sind das – wenn ich gut einkaufe – gerade mal fünf Exemplare pro Monat", rechnete Bastienne Schröter vor. Damit sei es nicht zu gewährleisten, ständig aktuelle Literatur, beispielsweise aus den Bestsellerlisten, vorzuhalten. "Wenn wir nicht aufpassen, dann verkommen wir in den sechs Jahren, für die eine Konsolidierung geplant ist, zum Bibliotheksmuseum."

Ein freudiges Lächeln huschte über das Gesicht der zierlichen Bücherfreundin, als sie von Thomas Schlenker und dem ebenfalls anwesenden Bürgermeister erfuhr, dass im Haushaltsplan 2011 immerhin 5000 Euro für den Medienbestand eingeplant sind.

"Es geht hier gar nicht um Schuldzuweisung", bilanzierte Undine Kurth. "Die Kommunen verbocken es nicht, sondern baden es aus. Wir müssen eine Debatte im Land führen über die Wertigkeit von Bildungspolitik." Obwohl Politiker immer die Bedeutung der Bibliotheken hervorheben würden, müssten diese – sobald es ums Sparen geht – meist als eine der ersten Einrichtungen Federn lassen.

"Es heißt doch, dass wir in einer Wissens- und Bildungsgesellschaft leben. Wie kann es da sein, dass wir den Zugang zur Bildung schwerer machen?", fragte Undine Kurth. "Statt Öffnungszeiten zu verkürzen, müssten wir diese verlängern, sogar sonntags öffnen", zeigte sie sich kämpferisch. Verena Wicke-Scheil, Beisitzerin des Landesvorstandes der Grünen, hatte Informationsmaterial aus anderen Städten Sachsen-Anhalts mitgebracht, wo es bereits Fördervereine die Bibliotheken gibt. Sie regte an, so etwas auch in Wolmirstedt zu installieren.

Mit diesem Anliegen stieß sie bei Bastienne Schröter auf offene Ohren. Doch die Bibliotheksleiterin konnte schon von gescheiterten Versuchen berichten. So habe sie vergeblich versucht, eine Art Förderverein innerhalb des Heimat- und Kulturvereins zu integrieren.

Bastienne Schröter will dennoch nicht aufgeben. Im Vorjahr hatte sie – mit der finanziellen Hilfe von Sponsoren – für ihre Einrichtung einer eigene Internetseite errichten können. Auch 2011 werde sie wieder auf Sponsorensuche gehen, um die Attraktivität der Bibliothek weiter zu erhöhen. Die Anregung eines Fördervereines werde sie im Hinterkopf behalten – und auch über Bücherpatenschaften oder Ähnliches nachdenken.