Seit dem 1. Januar 2010 besteht die Verbandsgemeinde Elbe-Heide. Ihr gehören sieben Mitgliedsgemeinden mit 21 Ortsteilen an. Burkhard Steffen stellte den Bürgermeistern zum Jahresbeginn drei Fragen, bat sie um einen Rückblick und eine Vorausschau. Heute: Wolfgang Großmann, Bürgermeister von Rogätz.

Volksstimme: Was betrachten Sie als die wichtigsten Ereignisse in Ihrer Gemeinde im Jahr 2010?

Wolfgang Großmann: Für viele Bürger der Gemeinde Rogätz war die Fertigstellung der Straßenüberquerung in der Cröchernschen Straße (Cröchernsche Brücke) zweifellos eines der wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres. Verbindet diese Brücke doch nun nach langer Zeit wieder die Ortslage Rogätz mit Friedrichshöhe und Heinrichshorst. Auch für die Landwirte stellt sie einen nicht unbedeutenden wirtschaftlichen Faktor dar. Anfahrtswege verkürzen sich teilweise wieder um bis zu 80 Prozent. Dementsprechend verringern sich natürlich auch alle damit verbundenen Betriebsausgaben.

Aber auch die ortsansässigen Vereine sowie alle Erholungssuchenden freuten sich über die Freigabe des Brückenbauwerks. Zur feierlichen Übergabe am 7. Mai waren die am Bau beteiligten Personen, der Schützenverein Rogätz sowie alle interessierten Bürger eingeladen.

Ende 2010 den lang ersehnten Fördermittelbescheid erhalten

Am gleichen Tag begann auch der zweite große Höhepunkt des vergangenen Jahres. Die Gemeinde Rogätz feierte mit tausenden ortsansässigen Bürgerinnen und Bürgern sowie zahlreichen Gästen das 50. Blütenfest. Das Höhenfeuerwerk an der Elbe, der kilometerlange Festumzug, die Tanzveranstaltungen und Familiennachmittage im größten Festzelt, das Rogätz bislang gesehen hat, sowie viele andere Aktivitäten rund um das Blütenfest, fanden bei allen Besuchern großen Anklang. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen Sponsoren und Helfern ganz herzlich bedanken. Es war ein wunderschönes Fest.

Nach einer langen und überaus arbeitsintensiven Phase der Vorbereitung und Antragstellung hat die Gemeinde Rogätz Ende 2010 den lang ersehnten Bewilligungsbescheid von Fördermitteln für das ehemalige MTS-Gebäude erhalten. Die zur Verfügung gestellten 250 000 Euro sind eine große Hilfe bei der Sanierung und dem teilweisen Umbau des Gebäudes, das ja gleichzeitig Teil der geplanten Sporthalle ist. Neben einer Bowlingbahn mit integrierter Gastronomie, einem Raum für Veranstaltungen und Versammlungen sowie Toiletten, die auch für Veranstaltungen auf dem Marktplatz genutzt werden können, beherbergt das Gebäude außerdem die kompletten Sanitär-, Technik- und Umkleideräume für die neue Sporthalle. Die Ausschreibungsunterlagen für die einzelnen Gewerke werden zur Zeit erstellt. Nach Auftragsvergabe werden wir mit den Umbauarbeiten wahrscheinlich im frühen Sommer dieses Jahres beginnen können.

Volksstimme: Was erwarten Sie für Ihre Gemeinde im Jahr 2011?

Wolfgang Großmann: Ein für die Gemeinde entscheidendes Ereignis ist die am 20. März stattfindende Bürgermeisterwahl. Obwohl meine Amtszeit erst im Juli 2011 endet, haben wir uns entschieden, die Landtagswahl und die Bürgermeisterwahl an einem Tag durchzuführen. Dadurch brauchen die Bürger in diesem Jahr nur einmal an die Wahlurne zu treten. Übrigens endet die Abgabefrist zur Bewerbung für das Bürgermeisteramt am 22. Februar.

Rogätz benötigt unbedingt eine Zweifeld-Sporthalle

Ebenfalls im März dieses Jahres beginnt das Landesverwaltungsamt mit der Vergabe der Bewilligungsbescheide für die im Jahr 2010 landesweit beantragten Projekte. Auch wir warten gespannt auf die Entscheidung, ob wir für den Sporthallenneubau Fördermittel bekommen.

Bei einer beantragten 30-prozentigen Förderung könnten wir im günstigsten Fall mit über 600 000 Euro Unterstützung unseres ehrgeizigen Projektes rechnen. Ich würde mir ehrlich wünschen, dass sich die Entscheidungsträger in Magdeburg unseren Vorstellungen anschließen. Denn Rogätz benötigt unbedingt eine Zweifeldhalle. Mit dem derzeitigen Interesse an sportlicher Betätigung im Ort, platzt unsere jetzige Mehrzweckhalle aus allen Nähten. Im Übrigen betrifft das ja nicht nur unsere Vereine, sondern auch und gerade den Schulsport sowie die körperliche Ertüchtigung unserer Kita-Kinder.

Viele Bürger haben mich in letzter Zeit auf den Neubau angesprochen, und alle freuen sich über die Entscheidung der Gemeinde. Ob die Fördermittel fließen, entscheidet sich jedoch wie gesagt erst im März.

Parallel zu diesen zwei genannten Ereignissen gibt es natürlich auch noch kleinere Investitionen sowie viele kulturelle Höhepunkte. Neben dem Blütenfest, dem Bierathlon, dem Elbebadetag, dem Klutturmfest und dem Weihnachtsmarkt, werden außerdem eine Vielzahl weiterer Aktivitäten durch die ortsansässigen Vereine organisiert. Das erfordert wieder viel persönliches Engagement Einzelner, für das ich mich bereits im Voraus bedanken möchte.

Ich persönlich freue mich auf die neuen Herausforderungen. Sind sie doch ein wesentlicher Beitrag für die weitere positive Entwicklung unserer Elbgemeinde.

Volksstimme: Welche Vor- und welche Nachteile hat die Gemeindegebietsreform für Ihre Gemeinde gebracht?

Wolfgang Großmann: Im Wesentlichen haben sich die im Vorfeld der Gemeindegebietsreform geäußerten Bedenken bewahrheitet. Eine angekündigte finanzielle Einsparung scheint mir aus meiner Sicht nicht gegeben. Auch die Bürgernähe hat sich durch die "Reform" wohl kaum verbessert. Allein das Fehlen der noch bis vor kurzem eingesetzten ehrenamtlichen Bürgermeister in kleineren Gemeinden ist für mich ein Schritt in die falsche Richtung.

Die Gemeinde Rogätz betrifft dies aufgrund der relativ hohen Einwohnerzahl nicht. Wir haben uns mit keiner anderen Gemeinde zusammenschließen müssen. Dadurch blieb uns natürlich auch viel Arbeit erspart.

Einen Vorteil durch die Gemeindegebietsreform kann ich nicht erkennen. Aber vielleicht kann man die Vorteile auch nur aus einer anderen Perspektive wahrnehmen. Eine Perspektive, die das Gesamtbild eines Zahlenwerkes betrachtet und Einzelschicksale, aufgrund der Ferne, nicht berücksichtigen kann.