"Alles was in der Vergangenheit geschehen ist, spiegelt sich in der Gegenwart wieder." Mit diesen Worten eröffnete der Barleber Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorf am Donnerstag voriger Woche im Wintergarten der Villa Brandt die erste Zusammenkunft der AG Historie im Festkomitee zur 950-Jahrfeier.

Barleben. Während die Arbeitsgruppen Festumzug, Sport, materiell-technische und finanzielle Sicherstellung oder Ortsbildverschönerung klar definierte Aufgaben haben, tragen die "Historiker" für das 950. Ortsjubiläum im nächsten Jahr Gesamtverantwortung. Den Auftakt zu den Feierlichkeiten wird am 13. März 2012 ein Festakt geben. An diesem Tag vor genau 950 Jahren trat Barleben mit der Erwähnung in der Urkunde Kaiser Heinrich IV. in die Geschichte ein. Gefeiert werden soll dann an sechs Wochenenden. Am letzten Aprilwochenende ist ein Mittelalterliches Spektakel geplant, eingebunden das Maibaumsetzen. Weiter geht es am dritten und vierten Maiwochenende mit 140 Jahre Colbitzer Heidebrauerei, Würdigung der Partnerschaft mit Wittmund und Feierlichkeiten am Jersleber See. Die Hauptveranstaltungen zum Jubiläum finden dann an den drei folgenden Juniwochenenden statt. Da soll zunächst das 120-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr begangen werden. Es folgt das Sportwochenende mit der Oldtimer-Show. Den Abschluss bilden vom 15. bis 17. Juni ein großer Rummel, der Festumzug und eine Laser- und Lichtshow. "Bei fast allen diesen Festen spielt die Historie eine Rolle. Besonders beim Festumzug und beim Auftakt haben wir eine Mitwirkungspflicht. Unsere Aufgabe wird es sein, alles auf geschichtliche Korrektheit abzuklopfen, Hinweise und Anregungen zu geben und die Abstimmung aller Gremien zu pflegen", zieht Keindorff einen weiten Bogen. Er selbst werde bei allen Anlaufberatungen der Arbeitsgruppen dabei sein, mitarbeiten wolle er aber nur in der AG Historie, "weil mich die Geschichte besonders interessiert." Und so verwundert es nicht, dass die Mitglieder den Bürgermeister zum AG-Verantwortlichen wählten.

In der fast zweistündigen Beratung am Donnerstag zu möglichen Projekten entwickelten die AG-Mitglieder dann so viele Ideen, dass Keindorff den Enthusiasmus mehrmals bremsen musste. "Schreibt mir das mal alles schön auf", bat er Erich Wehner, Erika Pieper und Kerstin Dünnhaupt, die den Heimatverein vertreten. Die schlugen vor, die Sage vom Magdeburger Warner als Theaterstück auf die Bühne zu bringen. Dazu hat Wehner bereits mit Gudrun Billowie aus Wolmirstedt, die seit Jahren zum Stadtfest die historische Ratssitzung inszeniert, Verbindung aufgenommen. Außerdem ist ein Kalender mit historischen Fotos, eine Ausstellung und möglicherweise eine Jubiläumswanderung mit Persönlichkeiten der Geschichte geplant.

Aufgabe der "Historiker" wird zudem sein, festzulegen, wie die Gedenkmünzen, Briefmarken oder Souvenirs aussehen sollen. Ausgespart werden sollen auch nicht die dunklen Flecken in der Ortsgeschichte. So könnte die Theatergruppe der Sekundarschule im nächsten Jahr den letzten Hexenprozess in Barleben nachspielen. Kein Ruhmesblatt ist außerdem, dass Barleben während der Nazizeit als Musterdorf galt. Die Frage steht im Raum, wie man darauf eingeht. Dazu will sich Keindorff in Magdeburg Rat einholen. Wie bereits in der AG Festumzug wurde über ein Maskottchen ähnlich wie das Trinchen in Wolmirstedt oder der Rolli in Haldensleben laut nachgedacht. In Anlehnung an die Geschichte (bis ins 16. Jahrhundert war "Bardeleben" der Ortsname) und das Wappen mit dem Beil (Barde), kann man sich einen kräftigen Jungen in Wams und Stiefeln, Hütchen und einem Beil im Gürtel vorstellen. Mit "Bardo" war sogar schon ein passender Name zu hören. Weitere Vorschläge bezogen sich auf die Herstellung von Käse, für den Barleben mal bekannt war, oder die Einbeziehung von ortsansässigen Künstlern bzw. Hilfe bei der weiteren Geschichtsforschung durch Historiker.