Barleben war vier Jahre lang "Testlabor" für die Bürgerarbeit. Die Gemeinde war einer von sechs Standorten für dieses jetzt bundesweit eingeführte Beschäftigungsmodell. Auf Bundesebene werden gegenwärtig 34 000 Bürgerarbeitsplätze geschaffen. Landesweit wird es etwa 4 800 Jobangebote im gemeinnützigen Bereich geben. Schwerpunkt im Landkreis Börde ist Oschersleben. In Barleben lief die Bürgerarbeit gestern für die letzten 34 von einstmals 65 Betroffenen aus.

Barleben. "Seit Anfang 2011 war endlich klar, dass es nicht weitergeht. Davor gab jedes Jahr bis auf den letzten Drücker die Ungewissheit, ob die Maßnahme verlängert wird", erzählt Thomas Kohlrausch. Der 43-Jährige war dreieinhalb Jahre lang Bürgerarbeiter. Jeden Morgen führte ihn der Weg in die Villa Spoer am Ende Bahnhofstraße. Dort erwartete den gelernten Elektroniker, der sein berufliches Dasein bis 2005 in einem Fachbetrieb für Schweißtechnik fristete und der sich dann mit Mini-Jobs über Wasser hielt, die volle Bandbreite der Jugendarbeit. Wer die "Insel für Alternativen" aufsucht, so heißt der betreffende Jugendclub, kann die freie Zeit nach Schule und Lehre zum Austausch mit Gleichaltrigen nutzen, sie mit Spielen wie Billard, Dart, Tischtennis oder Tischkicker ausfüllen. Er bekommt von den Betreuern Ratschlag bei Behördengängen, beim Ausfüllen von Formularen, sprich praktische Lebenshilfe. Zutritt zum Club haben Kinder und Jugendliche aus allen drei Ortsteilen der Einheitsgemeinde. 30 bis 40 machen davon täglich Gebrauch. Die Altersbreite streut zwischen 9 und 19 Jahren. Aber auch ältere Jugendliche bis 27 oder 28 Jahre nehmen die Villa noch gern als Anlaufstelle an.

Thomas Kohlrausch wird dort heute fehlen. Er ist zur Agentur für Arbeit eingeladen. Das Gespräch soll sich um die Zeit nach der Bürgerarbeit drehen. Etwas Genaueres oder Konkretes weiß er noch nicht. Unter Umständen wird die Bürgerarbeiterstelle als Ein-Euro-Job weitergeführt. Auch wenn es nicht dazukommt, will er zumindest ehrenamtlich im Jugendclub helfen. "Die Tätigkeit dort hat zum Schluss richtig Freude gemacht", meint er.

Auch Stefan Scharf wäre bereit, einen Ein-Euro-Job anzunehmen. Der Mittvierziger war von Anbeginn Bürgerarbeiter im Kleintierzuchtverein und betreute des Projekt "Heimische Haustierrassen" auf der Streuobstwiese an der Apsisseite der evangelischen Kirche. Er fütterte die Tiere, hielt das Gelände sauber, empfing zunehmend Besuchergruppen von den Schulen und Kindereinrichtungen im Gemeindegebiet. Mit der Errichtung des Streichelzoos im Naherholungszentrum Jersleber See würde sich sein Aufgabenfeld künftig sogar noch erweitern. "Auch Stefan Scharf hat jedes Jahr um die Verlängerung der geförderten Beschäftigung gebangt", weiß Sigmar Thorun vom Kleintierzuchtverein.

Die 34-jährige Jeanine Roussiere fällt unter die mindestens fünf Teilnehmer am Modellprojekt, die in eine dauerhafte versicherungspflichtige Beschäftigung integriert werden können. Sie unterschrieb zum 15. Februar nach vier Jahren Bürgerarbeit beim Regionalverband Ohre-Börde der Volkssolidarität einen Arbeitsvertrag als Seniorenbetreuerin. Margitta Pape, die zweite von insgesamt drei Festangestellten (Essenausgeberin mitgerechnet) in der Begegnungsstätte in der Thälmannstraße freut sich mit der ausgebildeten Feinbäckerin.

Das jetzt bundesweit eingeführte Modellprojekt "Bürgerarbeit" wurde einst in Sachsen-Anhalt aus der Taufe gehoben. Gestartet wurde es im August 2006 bei der Lebenshilfe in Magdeburg. In Bad Schmiedeberg im Süden des Landes wurde es erfolgreich weitergeführt. Neben Barleben kamen später noch Gerbstedt, Kelbra und Hecklingen als Modellstandorte hinzu. An allen Standorten wurden in einem mehrstufigen Verfahren alle Arbeitslosen aktiviert. Nur wenn dies nicht zu einer regulären Beschäftigungsaufnahme führte, wurde den Arbeitslosen eine gemeinnützige, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten. Im Ergebnis sank die Arbeitslosigkeit an allen sechs Standorten um etwa die Hälfte. In Barleben lag sie letztens bei 6,3 Prozent.