Zum Jahresende verließ Kantor Gerhard Noetzel die evangelische Gemeinde gen Herzberg. Dann wurde es ruhig um die Kirchenmusik. Nun ist mit Tanja Schmid eine neue Kantorin im Amt. Doch die wird von der Sehnsucht nach den Bergen ihrer Heimat geplagt.

Wolmirstedt. Sechs Wochen lang gab es niemanden, der den Kirchenchor leitete oder die Orgel spielte. Jedenfalls niemanden, der explizit dafür angestellt war. Die Bewerbungen für die Elternzeitvertretung von Kantorin Konstanze Schlegel liefen und schließlich stellte sich unter anderen Tanja Schmid in der (musikalischen) Kirchengemeinde vor.

Die junge Frau leitete eine Chorprobe, führte Bewerbungsgespräche und alle wollten sie haben. Am 15. Februar wurde die 31-Jährige zur neuen Kantorin ernannt. Alles könnte so schön sein, die Orgelmusik wieder aus der Kirche erklingen, die Chöre eine dirigierende Hand sehen, aber Tanja Schmid ist nicht glücklich. "Mir fehlen die Berge", sagt sie, "ich hätte nie gedacht, dass mir das Leben im Flachland so schwer fällt".

Tanja Schmid kommt aus Parsberg in der Oberpfalz. "Das liegt in der Nähe von Regensburg", gibt sie ortsunkundigen Flachländern eine Orientierung. "Ich bin unheimlich gerne in der Natur", gesteht sie, "das ist hier in der Gegend eher schwierig". Ihre zweite Leidenschaft aber ist die Musik. "Ich habe relativ spät angefangen, die Orgel zu spielen", erzählt sie mit sehr bayerischem Akzent, "erst mit zwölf Jahren." Dann wechselte sie zu einer "tollen Klavierlehrerin", verliebte sich in den Klang des Instrumentes und studierte dieses Fach.

"Mir fehlen die Berge, das Leben im Flachland fällt mir schwer"

Die Kirchenmusik holte sie jedoch wieder ein, und Tanja Schmid entschloss sich mit 24 Jahren für eine neue Studienrichtung, widmete sich in Bayreuth der Kirchenmusik.

Sie schwärmt bis heute für französische Orgelmusik und die Mattäus-Passion. "Diesen Umweg über das Klavierspiel habe ich gebraucht", erzählt sie, weiß inzwischen, dass Kirchenmusik ihre wahre Berufung ist. "Ich mag dieses Spektrum zwischen Orgelspiel und Chorleitung." Im Kirchenkreis gestaltet sie an der Orgel die Gottesdienste, leitet die Kirchenchöre von Wolmirstedt und Colbitz, die Kinder der "Sankt Catherine Musi-Stars".

"Ich wurde von den Menschen hier unheimlich freundlich aufgenommen", berichtet Tanja Schmid, "ich könnte hier wunderbar arbeiten". Aber die Wehmut in ihren Augen verlöscht nicht. Tanja Schmid wird nicht lange bleiben. "Meine Wurzeln sind in der Oberpfalz." Angebote von dort gibt es bereits.

Dennoch möchte sie nicht wieder gehen, ohne eine Spur hinterlassen zu haben. Für den 8. März um 19 Uhr lädt die Kantorin deshalb alle Musikliebhaber zum Konzert in die Katharinenkirche. Das ist nicht nur der Frauentag, sondern auch Faschingsdienstag, und passend dazu heißt das Programm "Ein Maskenball in Tönen". Tanja Schmid führt durchs Programm, ihre Freundin Marie-Luise Göbel spielt die Tasten, entlockt ihnen zum Beispiel Schumanns "Papillons".

Obwohl die Worte "Faschingsdienstag" und "Maskenball" fallen, es wird kein Karnevalsprogramm. "Wir spielen ernste Musik", sagt Tanja Schmid, und etwas anderes könnten ihre traurigen Augen ohnehin nicht vermitteln. Superintendent Uwe Jauch sieht nur einen Hoffnungsschimmer, die Kantorin doch noch zu halten. "Sie müsste sich Hals über Kopf hier verlieben."