Nicht der Adler wie vorgestern im Fernsehen sondern die Gans steppte gestern auf den Straßen zwischen Groß Ammensleben und Gutenswegen. Das 56. Mal in Folge wurde in Gutenswegen und Umgebung Karneval im Zeichen des weißen Federviehs gefeiert. Und das Aufgebot war wieder stattlich: 750 Mitwirkende, 43 Schaubilder, 20 große und zwölf kleine Festwagen.

Groß Ammensleben/Gutenswegen. "Petrus verwöhnt uns", wird Karnevalspräsident Marco Baumgarten gedacht haben, als er gestern Morgen zum Himmel blickte: Azurbläue, kein Wölkchen am Firnament, strahlender Sonnenschein. Erst morgen sollen wir in den Einflussbereich eines atlantischen Tiefausläufers geraten. Es ziehen Wolken auf. Regenschauer sind möglich und für die Jahreszeit soll es sogar ein wenig zu mild werden.

Mit fünf Grad blieb es gestern recht frisch. Man musste sich unterm Karnevalskostüm warm anziehen. Trotz alledem: Prima äußere Bedingungen für ein seit 1955 ohne Unterbrechung stattfindendes Ritual am Rosenmontag – den Umzug vom Bahnhof Groß Ammensleben zum Dorfplatz im drei Kilometer entfernten Gutenswegen.

Die närrischen Hoheiten trafen drei, vier später Minuten später, als es der Fahrplan ausweist (erst heute soll wohl gestreikt werden), auf dem Bahnhof in Groß Ammensleben ein. Direkt am Gleis wurden sie von Präsident Marco Baumgarten, dem Elferrat und einem stimmungsvollen Spalier empfangen. Unter der lauthals mitgesungenen und mitgeschunkelten Vereinshymne "Wir feiern Karneval am Gauseberg" nahmen Andreas II. und Karine I. in dem ihnen zugedachten Prunkwagen Platz. Gegen 14.30 Uhr dann setzte sich der bunte Treck auf Geheiß von Burkhard von Malotki, langjähriger Zugverantwortlicher, vom Aufmarschplatz am Bahnhof aus in Bewegung. Schaubild um Schaubild bog eine knappe halbe Stunde lang in die dicht gesäumte Ortsdurchfahrt ein, um die närrischen Hoheiten durch Groß Ammensleben hindurch, den Berg hinauf nach Gutenswegen zu geleiten. Der Schlachtruf "Hile, Hile" wurde ausgebracht, die Konfettikanone betätigt und reichlich Bonbons in allen Farben und Geschmacksrichtungen ans Volk verteilt. Danach war das Spektakel zumindest in Groß Ammensleben vorbei.

Die Leute suchten eilends ihre Häuser wieder auf. Vermutlich standen bei den meisten wie beim Groß Ammensleber Ortsbürgermeister Ulrich Simon Pfannkuchen auf dem Tisch, um wenigstens diesen überlieferten Rosenmontagsbrauch zu pflegen.

<6>Der kunterbunte Lindwurm nach Gutenswegen hatte es abermals in sich. Wer zählt die Einfälle und in phantasiereiche Kostüme umgesetzten Ideen? Wer rechnet die Stunden Handwerkerfleiß an den Festwagen zusammen? Die Politik lieferten den Narren diesmal erstaunlich wenig "Futter" für ihre Zurschaustellungen, mal abgesehen vom "Selbstverteidigungsminister" zu Guttenberg oder dem lokalen Thema Schulküche. Dafür spiegelte der Treck schaufensterartig wieder, was die ferne und nahe Welt an Schönem und Eigenwilligem zu bieten hat: eine Holländermühle mit Käsefrau Antje im Dutzend, einen Polarexpress samt Pinguinen und Eskimos, Bananen aus der Dritten Welt (auf zwei Beinen) inklusive furchteinflößendem Plantagenaffen, eine orientalische Teestube auf Rädern, eine japanische Pagode samt Geishas. Ganz hiesig und irdisch und mit viel Met im Gepäck kamen die Elbgermanen daher. Der Pulk um Dirk Jenrich behauptete Stein auf Bein, dass Gersdorf ein uralter Siedlungsstandort ist, den schon die Kreuzritter streiften.

<7>Ein ganz und gar männliches Thema bedienten diesmal Landrat Thomas Webel und seine Freunde. Sie versuchten der Frage auf den Grund zu gehen, warum Bier der (Phantasie-)Marke "Gänse-Pils" besser ist als Frauen. Die ehemaligen Spielerfrauen aus Samswegen traten allesamt als Krake Paul in Erscheinung und orakelten, ob es jeweils wieder aufwärts geht mit dem Fußball im Ort.

   

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