Die im September 2010 gegründete Bürgerinitiative Vahldorf "B71neu – So nicht!" hat heute rund 50 Mitglieder. Die Proteste gegen die Pläne allerdings haben bislang keine Wirkung gezeigt. Da die Unterlagen noch bis 1. April öffentlich ausliegen, wurde am Montagabend zur Informationsveranstaltung im Gemeinderaum noch mal an alle betroffenen Grundstückseigentümer appelliert, ihre Einsprüche geltend zu machen. Bis 15. April werden sie dann an das Landesplanungsamt weitergeleitet. Vor Ende des Monats ist frühessten mit einer Entscheidung zu rechnen.

Vahldorf. Jörg Klinder und Herbert Tänzer schauen wie viele der anderen Vahldorfer mit finsterer Miene auf die Baupläne. Immer wieder ziehen sie mit dem Finger die Trasse nach und schütteln die Köpfe. Es ist nicht ihre Vorzugsvariante, nach der die B71neu durch ihren Ort gebaut werden soll und die nun im Planfeststellungsverfahren ausliegt. Zuviel guter Bördeboden muss geopfert werden, die Lärmbelastung für den Ort steigt, drei Häuser sollen weichen. Aus diesem Grund wurde im September 2010 eine Bürgerinitiative "B71neu – so nicht!" gegründet. "Bislang wurden alle unsere Bemühungen im Keim erstickt", sagt Ortsbürgermeister und BI-Vorsitzender Gerhard Jürges. Deshalb ging es bei der Versammlung hauptsächlich um Überlegungen, was jetzt noch zu machen ist.

Das rund 470 Einwohner zählende Dorf kreuzen mehrere Verkehrsadern, und es hat den Mittellandkanal mit Hafen und die Bahnstrecke vor der Nase. Als wäre das nicht genug an Infrastruktur, soll nun noch die B 71 neu durch den Ort gebaut werden. Die Pläne dafür stellten Jürges und Rüdiger Pfeiffer, Gemeinderat der Niederen Börde, gemeinsam vor. Die vom Land favorisierte Nordumfahrung, 5,6 km lang und 14,4 Millionen Euro teuer, würde den kleinen Ort vollständig von Verkehrsströmen umschließen und die stärksten Eingriffe in die Natur bedeuten, notwendig wäre der Bau von drei Brücken, mehreren Durchlässen, Wegebau für die Landwirtschaft, bis 30 Meter breite Tunnelungen. Unruhe kam auf, als Jürges sagte, dass die Kosten für die Flurerneuerung, also neue Straßen und Wege, zu 25 Prozent auf die Anwohner umgelegt werden. Das wären etwa 375 Euro pro Hektar, wie der Ortsbürgermeister vorrechnet. "Das kann doch nicht wahr sein! Ich habe nichts bestellt. In der Kneipe bezahl ich doch auch nur, was ich bestelle", rief ein Vahldorfer erbost. Weiteren Konfliktstoff sieht Jürges mit der Neuziehung von Grundstücksgrenzen.

Erika Tholotowsky, Bürgermeisterin der Niederen Börde, betonte, dass die zuständigen Behörden "nicht vor Mitte April zu alternativen Trassen eine Aussage machen werden". Notwendig sei das Vorhaben für die geforderte Anbindung Haldenslebens an die A 14-Nordverlängerung und auch für die Ortsumgehung Wedringen. Und der Leiter des Bauamtes Niedere Börde, Rainer Schimka, ergänzte, dass man sich derzeit in der Vorplanung befinde, lediglich der Trassenkorridor festgelegt und die Umweltverträglichkeit geprüft würden. Deshalb seien auch noch keine Aussagen zum Schallschutz möglich.

Für Bündnis 90/Die Grünen stellte Bodo Zeymer infrage, ob Haldensleben tatsächlich die Anbindung braucht. "Ein dreispuriger Ausbau der jetzigen B 71 wäre eine gute Alternative und würde Vahldorf vor vier Brücken und hochgelegten, besonders lärmintensivem Verkehr bewahren." Als Grundübel aber bezeichnete er, dass man statt der A 14 nicht die B 189 vierspurig ausbaut. An dieser Stelle erinnerte Pfeiffer daran, dass der Kreistag und die betroffenen Gemeinden seinerzeit für die Nordverlängerung die Untertunnelung des Mittellandkanals gefordert hätten. Gebaut werden soll aber die Brückenvariante, die eine besondere Verschandelung der Natur darstellt, da die Straße in Richtung Samswegen in weiten Teilen auf Pfeilern fortgeführt werden müsste. "Auch wenn der Tunnel vielleicht zehn Millionen Euro teurer wird - das sollte das Wohl der Bürger doch wohl wert sein."

Für den Bau der A 14 sind die Wedringer, die vom Lärm besonders geplagt sind und bereits vor Jahren eine Bürgerinitiative (BI) gegründet haben, um dem Bau einer Umgehungsstraße Nachdruck zu verleihen. 2009 ergaben Verkehrszählungen eine tägliche Durchfahrt von 19 800 Fahrzeugen, davon 3800 Lkw. Viele Einwohner sind durch den permanenten Verkehrslärm genervt, andere krank geworden. Obwohl der Bau der Umgehung mittlerweile von den A 14-Plänen abgekoppelt wurde, fürchten die Wedringer, dass Einsprüche aus den Nachbargemeinden das Vorhaben gefährden. Für die Wedringer sprach Sigrid Arnstedt. "Wir werden seit über 20 Jahren vertröstet. In der letzten Zeit sind wir müde geworden. Aber jetzt stehen die Jugendlichen hinter uns und wir überlegen neu, was wir machen könnten." Zeymer regte an, dem Beispiel der Bebertaler zu folgen, die die Straße dicht gemacht haben und so zu ihrer Umgehung gekommen sind. Diesen Rat nahmen die anwesenden Wedringer mit Beifall auf. Zustimmung auch für Pfeiffer, der darauf verwies, weiter mit dem BUND zusammenzuarbeiten, weil nur der neben Grundstückseigentümern klageberechtigt ist. Außerdem hoffen die Vahldorfer weiter auf die Unterstützung vom CDU-Landtagsabgeordneten Holger Stahlknecht. Der betonte gegenüber der Volksstimme, dass er für den Bau der A 14 ist. "Was wir aber überhaupt nicht brauchen, das ist ein riesiges Brückenbauwerk über den Kanal. Ich habe mich bereits 2006 für den Tunnel ausgesprochen und dabei bleibe ich." Er sei sich mit Landrat Thomas Webel einig, dafür alle kreisrechtlichen Mittel auszuschöpfen. Anders als die Grünen hält er die Anbindung der Kreisstadt an die A 14 für "unumgänglich". Wie die B71neu durch Vahldorf geführt wird, darüber sollten die Bürger entscheiden. "Und dieses Votum würde ich dann auch unterstützen."

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