Wolmirstedt. So gemischt wie die Welt der Farben ist auch der Malzirkel des Bürgerhauses. Ein Mann und neun Frauen im Alter von 39 bis 75 Jahren schwingen immer montags den Pinsel. "Für alle von uns ist es eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen um für einige Stunden die teilweise stressige Umwelt zu vergessen", erklärte Marita Lentge bei der Vernissage am Mittwoch, was den Künstlern ihr Hobby bedeutet.

Beruflich ist keiner von ihnen kreativ vorbelastet. "Ein Stellwerksmeister, Versorgungskräfte, eine Dozentin, eine Bestatterin und aktive Seniorinnen schwingen bei uns mit großem Ehrgeiz große, kleine, dicke und dünne Pinsel", beschreibt Marita Lentge die Gruppe, in deren Namen sie vor zahlreichen Besuchern die Eröffnungsrede hielt.

Der Malzirkel sei der älteste Zirkel des Bürgerhauses. "Nicht an Jahren der Teilnehmer, sondern von der Zugehörigkeit her", stellte Sebastian Filipp, 2. Vorsitzender des Schranke-Vereines, klar und sprach der Gruppe Dank für diese Treue aus. 1999 ging der Zirkel aus der Kreativgruppe hervor, die von Anneliese Pietsch geleitet worden war. Man begann mit zaghaften ersten Malversuchen, bis Waltraud Krebs die Gruppe übernahm und den Mitgliedern die verschiedenen Techniken der Malerei erklärte, sodass man schon kurz danach einiges auf den Leinwänden erkennen konnte. Nachdem die Maßnahmen der beiden Leiterinnen ausgelaufen waren, blieb die Gruppe sich selbst überlassen. Bis vor drei Jahren ihr neuer künstlerischer Leiter dazu stieß, den die Frauen liebevoll "Claude" nennen.

Klaus Blümel erklärte den Hobbykünstlern zum Beispiel die Spachteltechnik. "Davon hatte vorher keiner etwas gehört", erinnert er sich. Mittlerweile wird im Bürgerhaus gut und gerne auf Leinwände gespachtelt, aber auch die klassische Ölmalerei erfreut sich großer Beliebtheit. Die Vielfalt der Techniken spiegelt sich in der Ausstellung wieder, die zu den Öffnungszeiten des Bürgerhauses besichtigt werden kann.

Übrigens: Nachdem die Zirkelmitglieder nicht nur fast alle eigenen Wände mit ihren Werken verschönert und diese auch gern an Freunde und Verwandte verschenkt haben, wird der freie Platz knapp. Nicht nur deshalb besteht für Wolmirstedter Kunstliebhaber die Möglichkeit, die gezeigten Bilder käuflich zu erwerben. Mitnehmen kann man sie aber natürlich erst, wenn die Ausstellung in ein paar Monaten abgehängt wird.