Wolmirstedt. Riesige Freude herrschte gestern in der Meseberger Straße. Gutenberg-Schulleiter Helmut Thiel wollte zu einer Fortbildung nach Jena fahren, wusste aber, dass die Jury für den Deutschen Schulpreis an diesem Tag die 15 Teilnehmer für das Finale in Berlin verkünden würde.

Deswegen nahm er den Verantwortlichen die Aufgabe der Benachrichtigung ab und griff selbst zum Hörer. "Die haben dann gesagt, dass sie sich auch noch gemeldet hätten. Dann hat man mich aber nicht lange auf die Folter gespannt und uns beglückwünscht", erinnert sich Thiel an dieses denkwürdige Telefonat.

Schon die ganze Woche hatte er zur Einstimmung auf dem Schulinformations-Monitor am Sekretariat Hintergründe zum Deutschen Schulpreis flimmern lassen. "Um die Stimmung noch etwas anzuheizen", erklärt der Schulleiter gegenüber der Volksstimme. "Wären wir nicht weiter gekommen, hätten wir uns natürlich die Frage stellen müssen, warum nicht."

Ende Januar hatte sich ein Teil der Jury vom Deutschen Schulpreis vor Ort in Wolmirstedt ein Bild gemacht, Schüler, Lehrer und Eltern befragt und im Unterricht umgeschaut. Deswegen stellt Thiel auch eindeutig klar: "Das ist ein Erfolg der Gemeinschaft!"

Als klar war, dass die Gutenberg-Schule unter den besten 20 Schulen Deutschlands ist, hätte man sich schon sehr gefreut. Dass sie es nun unter die Top 15 geschafft haben, "das war so ein bisschen unser Traum", erklärt der erfolgreiche Pädagoge. Er gibt aber auch zu, dass es kleine Momente des Zweifels gab, ob man es eine Runde weiter schaffen würde. "Aber ich hab mich mit anderen Teilnehmern unterhalten – diese Momente hatten die auch."

Über die Lehrer ließ Helmut Thiel gestern die freudige Nachricht in den Unterricht tragen. Schon am Morgen hätte es Anrufe von Eltern gegeben, die zu diesem Erfolg beglückwünschen wollten. "Da fragt man sich manchmal, woher die das schon wissen", so Thiel verwundert. Eine mögliche Erklärung liefert er selbst gleich hinterher: "Da hat sicher ein Schüler eine SMS geschickt während des Unterrichts." Böse sein kann er über diesen Mitteilungsdrang aber ausnahmsweise mal nicht. Denn das Erreichen der Endrunde hat eben nicht nur den Schulleiter erfreut und in der Richtigkeit seiner Arbeitsweise bestärkt. Auch die Schüler hätten dadurch weiteres Selbstbewusstsein bekommen.

Am kommenden Montag erhält die Schule Informationen, was sie bis zum Finale am 10. Juni noch erwartet. Unter anderem soll noch ein Kamerateam vorbeischauen und einen Film über die Bildungseinrichtung drehen. Zur Preisverleihung mit dem Bundespräsidenten Christian Wulff kann Helmut Thiel dann auch einige Schüler und Lehrer mitnehmen. Wer das sein wird, hat er aber noch nicht entschieden.

Sieben der 15 Schulen werden ausgezeichnet. Der Hauptpreis ist mit 100 000 Euro dotiert, vier weitere mit je 25 000 Euro. Außerdem winken zwei Sonderpreise in Höhe von je 15 000 Euro. Damit ist der Deutsche Schulpreis – ausgelobt von der Robert Bosch und der Heidehof-Stiftung – der höchstdotierte Schulwettbewerb Deutschlands. Neben der Gutenberg-Schule, übrigens die einzige ostdeutsche Bildungseinrichtung unter den letzten 15, haben es sechs Schulen aus Nordrhein-Westfalen, drei aus Bayern, zwei aus Bremen sowie je eine aus Berlin, Hamburg und Niedersachsen in die Endrunde geschafft.

Der bisherige Wettbewerbserfolg wurde in der Meseberger Straße noch nicht groß gefeiert. Sollte es aber mit einem der Preise klappen, "dann werden wir schon eine Party machen", kündigt der Schulleiter an.