Der Meinungsaustausch zur Sache war ausführlich, die Diskussion vorgestern im Gemeinderat heftig. Ergebnis: Dem LIBa e. V. werden die derzeit genutzten Räume im Komplex der Mittellandhalle (Haus 4) bis Jahresende weiterhin miet- und betriebskostenfrei überlassen. Ursprünglich sollte diese Anschubfinanzierung für den Verein zum 31. März auslaufen. Das hätte laut LIBa-Chefin Evelyn Brämer das Aus für das Familienzentrum und alle übrigen Angebote bedeutet.

Barleben. Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff wurde überstimmt. Er hatte sich für die Aussetzung der Mietfreiheit lediglich bis 30. Juni ausgesprochen. Dr. Edgar Appenrodt reichten die drei Monate zur Selbstfindung des LIBa e. V. nicht aus. Er beantragte die Aussetzung der Mietfreiheit bis Ende laufenden Jahres. Die Mehrheit der 18 anwesenden Gemeinderäte folgte schließlich Appenrodts Antrag. Der Fraktionschef der Freien Wähler räumte der LIBa (Kürzel steht für Lokale Initiative "Besser essen. Mehr bewegen" Barleben) nach dreijähriger Förderung durch die Bundesregierung und Überleitung in einen eingetragenen Verein eine Sonderrolle im Vereinsgefüge der Kommune ein. Sie sei nicht mit organisierten Kleintierzüchtern, Skat- oder Schachspielern zu vergleichen, so Appenrodt. Immerhin sei das Familienzentrum des LIBa e. V. auf der Gesundheitskonferenz des Landes im Februar von Minister Norbert Bischoff und dem Vorsitzenden der Landesvereinigung für Gesundheit, Prof. Dr. Andreas Geiger, zum Modellprojekt berufen worden. Als regionales Kompetenzzentrum für Ernährung und Bewegung soll es den Gesundheitszielen des Landes folgend, ein gesundes Ernährungs- und Bewegungsverhalten bei Kindern und jungen Familien fördern. Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff pochte auf Gleichbehandlung aller im Gemeindegebiet ansässigen, eingetragenen Vereine. Er empfahl dem Freundeskreis um Evelyn Brämer sich ausgiebig mit der exzellenten Vereinsförderung der Gemeinde Barleben und den bestehenden Richtlinien zur Investitions-, Pauschal- und Projektförderung auseinanderzusetzen. Die könne und sollte der LIBa-Verein von jetzt an nutzen, so Keindorff.

Ratsherr Klaus Fischer vertrat die Ansicht, dass die Lokale Initiative in den Jahren ihres Bestehens "etwas ordentliches auf die Beine gestellt hat". Die Vereinsgründung sei nach Auslaufen der Bundesförderung ein folgerichtiger Schritt gewesen. Auch Fischer erschienen die drei Monate zur Selbstfindung zu kurz. Die Mietfreiheit bis zum 31. Dezember auszudehnen, sei ein Gebot der Fairness. Nicht verzeihen kann Fischer der LIBa, dass sie mit der Etablierung der Vollwertgemeinschaftsküche gescheitert ist. Die Kommune habe zur Unterstützung dieses Modellprojektes extra den Bahnhof in Barleben gekauft, was sie eigentlich nicht wollte. Das marode Gebäude hänge ihr nun an und sie müsse in die Liegenschaft, um ihr bis zur 950-Jahrfeier im nächsten Jahr zu ordentlichem Aussehen zu verhelfen, viel Geld hineinpumpen.

Ein weiterer Reibungspunkt vor allem für Vize-Bürgermeister Jörg Meseberg bleiben die 394 Veranstaltungen, die der LIBa-Verein in diesem Jahr plant. Ein Weniger ist für ihn hier mehr. Die Verwaltung sah sich bisher außerstande, alle 394 Einzelpläne zu prüfen. Die Kommune bemängelt, dass die LIBa ihre Veranstaltungen überwiegend durch Honorarkräfte absichert. Das bedeutet, dass sie vor allem als Vermittler auftritt und hierfür die finanzielle Unterstützung der Gemeinde beansprucht.