Die Hegegemeinschaft Colbitzer Heide blickte am Sonnabend im "Braunen Hirsch" zu Dolle auf die vergangene Jagdsaison zurück. Die Bilanz ist Grundlage für den Abschussplan der kommenden Jagdsaison. Trotz stetig steigender Abschusszahlen wächst der Wildbestand im "Schlaraffenland" der Heide.

Dolle/Colbitzer Heide. Das Geschehen auf den von der Hegegemeinschaft Colbitzer Heide bejagten 47 600 Hektar – das sind 24 000 Fußballfelder – werteten die Jäger der insgesamt 27 Reviere am Sonnabend aus. Neben den 25 privaten Jagdrevieren im Nordosten und Osten der Colbitz-Letzlinger Heide gehören die staatlichen Reviere des Bundesforstamtes in Dolle und des Forstbetriebs Altmark in Tangerhütte zur Hegegemeinschaft.

Abschusszahlen sollen weiter steigen

Grundlage der Diskussion der Heger und Jäger am Sonnabend war der Bericht des Vorstandsvorsitzenden der Hegegemeinschaft, Andreas Kriebel. Gestaffelt nach den einzelnen Wildarten berichtete Kriebel über geplante und umgesetzte Abschusszahlen (Strecke) und entwickelte daraus die Abschussempfehlungen für das anstehende Jagdjahr.

Bei allen Schalenwildarten – dazu gehören in der Colbitzer Heide Rot-, Reh- Dam- und Schwarzwild – haben die Abschusszahlen im Vergleich der vergangenen Jahre einen Spitzenwert erreicht (siehe Kasten). Trotzdem stieg auch der Schalenwildbestand. Das belegen Wildzählungen und wissenschaftliche Bestandsberechnungen. Die wachsenden Bestände richten in Land- und Forstwirtschaft erhebliche Schäden an, für die Jagdpächter haften. Außerdem gefährdet Kriebel zufolge eine zu große Population die Gesundheit des Wildes. Beim Schwarzwild (Wildschweine) drohe die Ausbreitung von Seuchen. Andreas Kriebel konstatierte: "Die Zahlen zeigen: Wir als Jäger müssen weiter daran arbeiten, unsere Abschusspläne zu erfüllen." Die trotz der verschärften Bejagung steigenden Wildbestände hänge Kriebel zufolge mit den hervorragenden Lebensbedingungen auf dem weitläufigen Truppenübungsplatz zusammen. Auch reiche und häufigere Masten im Wald, klimabedingte längere Vegetationsphasen sorgen dafür, dass die Heide "ein Schlaraffenland" für Wild darstellt. So hat es 2010 ein Jagdwissenschaftler bei einem Besuch in der Heide formuliert.

Der steigende Wildbestand und die hervorragenden Bedingungen auf dem Truppenübungsplatz könnte Kriebel zufolge auch den Wolf wieder in die Heide locken. Bei Samswegen soll bereits ein Wolf gesichtet worden sein.

Beste Bedingungen für Ansiedlung des Wolfes

100-prozentige Belege dafür und für eine nachgewiesene Wiederansiedlung des Wolfes in der Region gibt es laut Kriebel noch nicht. Überraschen würde ihn ein Heimischwerden des Wolfes aber nicht.

Erleichtert wird die beschlossene stärkere Bejagung des Wildes in der kommenden Saison durch das neue Jagdgesetz von Sachsen-Anhalt. "Danach können wir Jäger bis zu 50 Prozent des weiblichen und des Jungwildes über den Abschussplan hinaus bejagen – ohne das eine Genehmigung der Jagdbehörde vorliegen muss." Und: Die Jäger müssen beim Abschuss nicht mehr auf Güteklassen innerhalb der nach Alter eingeteilten Wildkategorien achten. Auf die Güteklassen waren die Mitglieder der Trophäenkommission in Dolle bei der Auswertung ihrer Ergebnisse ausführlich eingegangen.

Neben der Festlegung der Abschusszahlen wählten die Mitglieder der Hegegemeinschaft ihren fünfköpfigen Vorstand neu. Bis auf Alexander Lessing änderte sich an der Besetzung aber nichts.