Farsleben. Die Geschwister Tabea und Tobias Wollner waren am Sonnabend nicht das erste Mal zu Gast auf Webers Hof, aber das erste Mal spielten sie im Kaminzimmer. Das haben sie sich so gewünscht, wegen der Atmosphäre. Der Auftritt im Kaminzimmer brachte besondere Nähe zum zahlreich erschienen Publikum, und diese Nähe war eigentlich ein Kontrast zum Programm, das ja immerhin einer Diva gewidmet war, Marlene Dietrich.

Die Wollners hatten die Biografie der Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin in 25 Marlene-Dietrich-Lieder gepackt, tragisch, humorvoll, ironisch vorgetragen von Tabea Wollner, die wie immer mit ihrer warmen, dunklen Stimme einen ganz besonderen Zauber verströmte. Marlenes Lieder wurden schon vom ersten Ton an zu den Liedern Tabea Wollners, zumal sie sich auch mit ihrem Äußeren alle Mühe gab, auf jeden Fall ganz und gar sie selbst zu sein und keinesfalls ein Marlene-Imitat. Ohnehin dunkelhaarig hatte Tabea Wollner ihre Mähne auch noch unter einem Tuch versteckt, setzte ganz auf die Wirkung ihrer Augen, ihrer Mimik und natürlich der Stimme. Daneben saß ihr Bruder Tobias am Klavier, beide scheinen sich über unsichtbare Schwingungen zu verstehen, Blicke und Gesten brauchen sie nicht, um ein symbiotisches Programm zu gestalten.

Den Bezug der Lieder zur Marlene-Biografie mag Kennern bekannt sein, den anderen Gästen erschloss sich die Verbindung zwischen Lebensstationen und Musik vor allem über das Programmheft. Ganz zu Beginn stand die Geburt der Diva am 27. Dezember 1901 in Berlin. Der Titel "Ich hab noch einen Koffer in Berlin" erinnerte daran. Die Irrungen und Wirrungen der Liebe, die Marlene Dietrich in zahllosen Affären mit Männern und Frauen lebte, fanden sich wieder in Chancons wie "Sexappeal" oder "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre". Später begleitete die Dietrich als Gegnerin des Hitler-Regimes die Alliierten Truppen an die Front, für diese Zeit steht mehr als alles andere der Titel "Lilli Marleen". Sie starb 1992 allein in Paris.