Pünktlich zum üppigen Frühlingserwachen der Natur lud Oberpharmazierat Konrad Riedel zum ersten Vortrag des Jahres in seinen Kräutergarten ein und bot ein passendes Thema an: "Liebespillen und Liebesgetränke".

Wolmirstedt. Wie immer drängten sich auch am Mittwochabend die Besucher in den Kräutergarten. Schließlich wachsen dort Pflanzen, die überall in der Region zu Hause sind und deren heilende Wirkung auch heute noch in der modernen Medizin einen Platz findet. Diesmal stand die Liebe im Vordergrund. "Pflanzen und Tiere im Dienst von Eros und Amor", lautete der Vortragstitel. Und dass die Liebe zum Wesen des Lebens gehört, formuliert schon der göttliche Auftrag: "Füllt die Erde."

Tiere haben oft einen langen Fortpflanzungszyklus, manche sind nur einmal im Jahr fruchtbar. Bei den Menschen ist das anders. Ob deshalb die Natur dafür sorgte, dass ein paar Pflanzen in den Dienst der Liebe gestellt wurden, den Kreislauf aus Trieb, Begierde, Sexualität und Erotik in Gang halten?

Auf dem Speiseplan stehen Stinkmorchel, Fliegenpilz oder Stechapfel jedenfalls nicht. Aber sie gehören zu den Aphrodisiaka. Sie sollen eine erotisierende und berauschende Wirkung entfalten. "Sehen Sie nur den Stinkmorchel", erklärte Riedel. "Erst liegt ein Ei in der Erde, das sogenannte Hexenei. Später schiebt sich der Morchel daraus, der eine phallusähnliche Form trägt." Ob Stinkmorchel oder Rosmarin organisch wirken, sei dahingestellt.

"Aphrodisiaka kommen aus dem Mystischen", relativierte der Apotheker, "ihre Wirkung soll eine Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Überirdischen herstellen." Im Mittelalter und bei den Naturvölkern gehörte das Ausleben der Liebe zum Alltagsleben dazu. Mit dem Christentum wurde die Lust eingeklemmt. Irgendwann wurden sie sogar Teil des Strafgesetzbuches. "Aphrodisiaka sind immer mit den Göttern der Liebe und der Schönheit verbunden", erläuterte Riedel und zeigte Bilder von Aphrodite, Amor und Eros, den Göttern und Göttinnen, die sich um Schönheit und Lust kümmern. Auch die Besucher ließen sich am Ende des Vortrages im Apothekenmuseum von innen wärmen – mit einem selbstangesetzten Likör.

Am 18. Mai lädt Konrad Riedel wieder in seinen Kräutergarten ein. Der ist dann aber nur Startpunkt für eine Wanderung, die ins Küchenhorn führen soll.