Der Wolmirstedter Heimatverein blickt auf eine 20-jährige Geschichte zurück. Weil Otto Zeitke das Vereinsleben maßgeblich mitgestaltete, wurde er kurzerhand zum Ehrenmitglied ernannt.

Wolmirstedt. Es ist nicht die erste Würdigung, die der 86-jährige Ur-Wolmirstedter für sein Lebenswerk bekommt. Dennoch war er völlig überrascht, als Vorstandsmitglied Siegfried Schmidt erst von einer Ehrenmitgliedschaft sprach und dann den Namen Otto Zeitke nannte. Der Geehrte blies die Backen auf und fragte ein bisschen konsterniert: "Was soll das?"

Aber dann freute er sich doch. "Ich bin fast sprachlos", erklärte Otto Zeitke nach dem Überraschungsmoment, "aber nicht so sprachlos, dass ich mich nicht bedanken kann". In seinen Dank gehörte unbedingt der Satz: "Allein bin ich gar nichts, der Heimatverein und ich gehören zusammen."

Das sahen alle Beteiligten ebenso. "Ottchens Veröffentlichungen sorgen immer dafür, dass wir die Heimat im Visier haben", sagte Siegfried Schmidt, "dafür sind wir ihm sehr dankbar".

Die Laudatio hielt anschließend Bastienne Schröter. "Otto ist einer der Initiatoren der Vereinsgründung", erinnerte sie, "bis 2010 gehörte er dem Vorstand an". Er hat sich nicht nur um die Heimatgeschichte gekümmert, sondern auch darum, dass die Jubiläen der Mitglieder nicht vergessen werden.

Natürlich würdigte die Laudatorin sein literarisches Schaffen, aber auch die ausgeprägte Persönlichkeit des anerkannten Heimatschriftstellers. "Die seltene Kombination seines empfindsamen Wesens und seiner humorvollen Offenheit macht die Zusammenarbeit mit ihm stets zum Erlebnis."

Erhard Jahn ist seit 20 Jahren der Vorsitzende des Heimatvereins und hielt die Festrede. "Wir sind in den letzten zehn Jahren nur sechs Jahre gealtert", rechnete er vor. Weil das aber nicht in der Natur des Menschen liegt, war lediglich die Statistik an diesem erfreulichen Umstand Schuld. "Vor zehn Jahren lag der Altersdurchschnitt bei 64 Jahren", erinnerte er, "inzwischen ist er auf 71 Jahre gestiegen. Um sechs Jahre also". Der Vorsitzende weiß: "Der Heimatverein zieht keine jungen Leute an", was allerdings kein Grund für Kummer bietet. "Die Leute, die zu uns kommen, sind aus dem Schneider", formulierte Jahn auf seine unnachahmlich humorvolle Weise. "Sie sind höflich, sittsam, gesetzt. Man kann sich mit ihnen überall sehen lassen".

Der Heimatverein lässt sich oft sehen. Sie besuchen Betriebe der Region, Kulturdenkmäler, verreisen mit dem Bus oder mit den Privat-Pkw. Oft tauchen sie aber auch in das Leben von Schriftstellern oder Musikern ein. Auf diese Weise organisierte sich der Heimatverein etwa 200 Veranstaltungen in den vergangenen zwanzig Jahren.

Die Mitglieder stillten auch im Rahmen ihrer Jubiläumsveranstaltung ihren Bildungshunger. Nachdem der Sekt getrunken und die Schnittchen gegessen waren, trat Rainer Kuhn ans Rednerpult. Der Archäologe vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie fand seinerzeit die Gebeine der Editha im Magdeburger Dom, kennt das Gotteshaus von den Grundmauern auf und referierte über die Geschichte der alten Mauern aus dem 10. und 11. Jahrhundert.