Ohne Gegenstimme, bei drei Enthaltungen hat der Gemeinderat Hohe Börde in der vergangenen Woche den Fahrplan für die künftige Schulentwicklungsplanung in der Gemeinde bestätigt. Bis zum August soll ein konkreter Entwurf vorliegen. Mögliche Änderungen greifen frühestens ab dem Schuljahr 2012/2013.

Irxleben/Hohe Börde. Mit dem Beschluss hat der Gemeinderat Bürgermeisterin Steffi Trittel beauftragt, bis zum August ein Konzept vorzulegen – mit konkreten Aussagen zu den Plänen für ein regional ausgeglichenes und leistungsfähiges Grundschulangebot in den kommenden Jahren. Der Beschluss soll in Zusammenarbeit mit dem von der Gemeinde beauftragten Projekt-Team vorbereitet werden, das gegenwärtig eine Studie zur demografischen Entwicklung der Hohen Börde erarbeitet.

Offizieller Anlass ist der Wunsch der Ortschaft Groß Santersleben, ihre Kinder an der Hermsdorfer Grundschule beschulen zu lassen. Die Groß Santersleber Kinder würden somit nicht mehr zum Schul- einzugsbereich der Grundschule Rottmersleben gehören.

Die Gründe für eine Neustrukturierung der Schul- standorte liegen aber tiefer. Darauf hatte bereits vor Wochen der Leiter des Demografie-Projekt-Teams, der Hallenser Wissenschaftler Wolfgang Bock, hingewiesen und an die sich abzeichnende Bevölkerungsentwicklung sowie die förderpolitische Entwicklung im Land erinnert.

Während die Standorte Niederndodeleben und Irxleben hinsichtlich der Schülerzahlen als relativ stabil gelten, erreichen die anderen vier Grundschulen in Bebertal, Eichenbarleben, Hermsdorf und Rottmersleben nicht dauerhaft die geforderten 120 Schüler pro Schule. In Zeiten sinkender Landeszuschüsse und Fördermittel müssten deshalb Prioritäten gesetzt werden. Bock erwähnte Faktoren wie die Berücksichtigung pädagogischer Konzepte, baulicher Möglichkeiten, kurze und sichere Schulwege und all das unter Berücksichtigung einer möglichst verlässlichen Prognose der sozialen Entwicklung. Auf dem Weg zu optimalen Strukturen werden sich nach Bocks Einschätzungen nicht alle Grundschulstandorte der Hohen Börde bis zum Ende des Jahrzehnts halten können.

Jene Argumente finden sich nun auch im Beschluss des Gemeinderates wieder. Darin heißt es, die angestrebte Planung der Schulentwicklung "soll ein wesentliches Instrument sein, um die sachlichen und finanziellen Mittel für den Erhalt und die Ausstattung von Schulen, für die ein öffentliches Interesse besteht, ressourcenschonend einzusetzen." Nur so könne der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Gemeinde für mindestens zehn Jahre gesichert werden.

Was mit "Schulen, für die ein öffentliches Interesse besteht", gemeint ist, wird wohl in den kommenden Wochen und Monaten Gegenstand der öffentlichen und sicherlich auch kontroversen Diskussionen sein.

Der Gemeinderat Hohe Börde verständigte sich auf folgende Kriterien bei der Bewertung der Schulstandorte: aktueller Investitionsbedarf, Entwicklung der Schülerzahlen, Zumutbarkeit der Schulwege, Turnhallen- und Hort- weganbindung.

Bis spätestens Anfang Oktober will sich die Gemeinde auf einen Beschluss zur Schulentwicklungsplanung verständigt haben und ihre Vorschläge dem Kreistag unterbreiten.

Der Kreistag muss darüber beraten und soll im Dezember dieses Jahres einen Beschluss zur Schulentwicklungsplanung fassen.

In diesem Fall würden mögliche Änderungen frühestens zum Schuljahr 2012/2013 eingeführt werden.