Groß Ammensleben. Argus in der griechischen Mythologie hatte hundert Augen, von denen jeweils ein Teil schlief, während der Rest wachte. Die Wärmebildkamera (auch Thermografie-Kamera tituliert) für die Freiwilligen Feuerwehren bekam wohl nicht von ungefähr diese Handelsbezeichnung. Sie ist ein Hilfsmittel für die Brandbekämpfung und für Rettungsarbeiten. Ihre Besonderheit: Sie sieht bei Rauch und Dunkelheit, das heißt die heißeste Stelle wird ab einer bestimmten Temperatur im Kamerasucher rot eingefärbt.

Die Freiwillige Feuerwehr der Einheitsgemeinde Barleben kann bereits seit 2004 auf eine Wärmebildkamera zurückgreifen. Für die Wehr der Gemeinde Niedere Börde wurde jetzt eine 1,3 Kilogramm schwere "Argus" angeschafft. Sie wird am Standort Groß Ammensleben stationiert. Ortswehrleiter Martin Kutscha präsentierte das Gerät gestern früh Daniela Baars, Leiterin der Ordnungs- und Sozialverwaltung der Gemeinde sowie Bürgermeisterin Erika Tholotowsky. Wie bei den Nachbarn in Barleben werden sich die neun Ortswehren die Kamera "teilen", da ein solches Gerät vom Preis her sehr teuer ist (mehrere tausend Euro) und für kleinere Wehren seine Anschaffung fast unmöglich ist.

Die "Argus" ähnelt einer herkömmlichen Kamera. Sie empfängt jedoch Infrarotstrahlung. Das Verfahren, mittels einer Wärmebildkamera Bilder zu erzeugen, wird Thermografie genannt. Die Thermografie macht die für das menschliche Auge unsichtbare Wärmestrahlung eines Objektes oder Körpers sichtbar. Mit dem Verfahren werden Temperaturverteilungen auf Flächen und Gegenständen erfasst und dargestellt. Die Thermografie ist ein berührungsloses Messverfahren, das heißt, es können auch weiter entfernte Objekte abgebildet werden.

Bei der Feuerwehr unterstützen die Wärmebildkameras das Aufspüren von Glutnestern bei Bränden sowie die Suche von Personen in einem verrauchten Gebäude oder in einem dunklen, weitläufigen Gelände. Auch zum Aufspüren von Kabelbränden kommen Wärmebildkameras zum Einsatz. Wie Bauamtsleiter Reinhard Schimka einflocht, ist ihre Verwendung auch in der Gebäudediagnostik beim Erstellen von Energieausweisen üblich. Mit der Kamera wird dann die Wärmedämmung von Häusern überprüft oder die Struktur des Mauerwerkes analysiert. Auch zum Orten feuchter Stellen in Wänden oder zur Lokalisierung von Rissen in Rohrleitungen werden derartige Kameras eingesetzt.