Die Wolmirstedter und ihre Gäste scheinen ein ordentliches und " aufgeräumtes " Völkchen zu sein. Das könnte man zumindest nach einem Blick in das Fundbüro der Stadt schlussfolgern. Gerade einmal 64 Fundsachen sind da im vergangenen Jahr eingegangen. Hauptsächlich Schlüsselbunde, Fahrräder und leere Brieftaschen finden sich im Fundbüro.

Wolmirstedt. Gabriele Barnewsky ist die Herrin über die Fundsachen im Wolmirstedter Rathaus. Alles, was ehrliche Finder oder die Polizei an herrenlosen Dingen im Stadtgebiet finden, landet bei ihr auf dem Tisch. Fein säuberlich wird jedes Fundstück nummeriert, katalogisiert und mit Typenbezeichnungen im Keller des Rathauses eingelagert. " 64 Fundsachen waren es im vergangenen Jahr ", weiß Gabriele Barnewsky nach einem kurzen Blick in den Computer. Nicht gerade viel, wenn man bedenkt, wie groß Wolmirstedt ist und dass im vergangenen Jahr immerhin die 1000-Jahr-Feier mit tausenden Gästen stattfand. Die Wolmirstedter und ihre Gäste scheinen also offenbar sehr ordentlich zu sein.

Doch verschusselt wird immer mal wieder etwas. " Wir haben hier sehr viele Schlüsselbunde, auch Brieftaschen. Die Brieftaschen sind meist leer. Keine Papiere, kein Bargeld mehr drin ", weiß die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Sollte sich dennoch einmal ein möglicher Hinweis auf den Besitzer in der Brieftasche finden, dann nimmt Gabriele Barnewsky Kontakt mit dem Besitzer auf. " Letzte Woche konnte ich zwei Leuten helfen, die ihre Geldbörse beziehungsweise ihr Schlüsselbund verloren hatten ", sagt Gabriele Barnewsky. Doch wie kommen all die Fundsachen ins Fundbüro ? " Entweder die Polizei bringt uns etwas Gefundenes, das sie nicht zuordnen können, oder ehrliche Finder geben es bei uns ab beziehungsweise werfen es in den Postkasten des Rathauses ", so Gabriele Barnewsky.

Neben Brieftaschen und Schlüsseln finden sich im Fundbüro auch etliche Fahrräder. Herrenräder, Damenräder, alle möglichen Modelle. Unter den Fundsachen ist auch das eine oder andere ungewöhnliche Exemplar, das auf seinen Besitzer wartet : Ringe, Hanteln, eine Werkzeugkiste, sogar eine Luftdruckpistole und ein Schlauchboot sind darunter. Selbst Silvesterböller sind im Fundbüro abgegeben worden. " 41 Knallkörper hat uns die Polizei am 13. Januar gebracht. Die sind wohl bei irgendwem von der Silvesterparty übrig geblieben ", sagt Gabriele Barnewsky.

Mindestens ein halbes Jahr lang bleiben die Fundsachen im Fundbüro. Wenn sich in dieser Zeit niemand gemeldet hat, werden sie entweder dem Finder übergeben, wenn dieser einen Anspruch darauf angemeldet hat. Oder die Fundsachen landen bei der Versteigerung der Stadt. Im vergangenen Jahr gab es keine solche Versteigerung. In diesem Jahr stehen die Chancen gut, dass es eine geben könnte, angesichts der vielen verschiedenen Fundstücke.