Wolmirstedt. Sie war den Tränen nahe. Völlig überrascht und gerührt nahm Sabine Böttcher am Sonnabend die höchste Würdigung entgegen – den Ehrenpreis der Stadt Wolmirstedt, die Statue der Heiligen Katharina.

Bereits zum dritten Mal wurde der Preis vergeben. " Er soll Menschen zuteil werden, die für die Stadt und ihre Bürger Herausragendes geleistet haben ", gab Bürgermeister Dr. Zander die Festlegung des Rates wieder, der über die Vergabe entscheidet und bisher Otto Zeitke sowie Dr. Ernst Riemann mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet hat.

Wie schon Tradition, machte der Bürgermeister aus der Laudation ein kleines Rätsel. " Der diesjährige Preisträger ist – wie die vorigen – älter als 70 Jahre. Damit setzen wir die Tradition fort, eine Lebensleistung zu würdigen ", erklärte Zander. Im Unterschied zu den Vorgängern würde man diesmal aber jemanden ehren, der nicht aus Wolmirstedt stammt, sondern zugezogen ist. Als das Stadtoberhaupt dann das Geheimnis lüftete, dass es sich um eine Preisträgerin handle, die seit Jahrzehnten mit ihrem großen Herzen für andere da ist und sich vor allem in der Volkssolidarität und im Chor engagiert, da war es einigen im Saal schon klar, wer die Statue erhalten wird.

Auch Sabine Böttcher stellte fest, dass viele der genannten Fakten auf sie zutreffen. " Es hörte sich an, als ob ich das bin. Aber ich wollte das nicht glauben, dachte, ich hätte die Einladung zum Empfang nur bekommen, um das hier mal miterleben zu dürfen ", so die gerührte Wolmirstedterin, als sie, begleitet von Applaus, nach vorn gerufen wurde.

Geboren in Gartz an der Oder, lebt Sabine Böttcher seit 1940 in Wolmirstedt. Von ihrem 14. Lebensjahr an, hat sie bis 1990 gearbeitet, war unter anderem als Gärtnerin im Traditionsbetrieb Weinreich tätig. Weitere berufliche Stationen der 77-Jährigen waren der Jersleber See, das Kinderheim und die Diesterweg-Schule. " Die Volkssolidarität als Organ für Senioren, die aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchten, für Menschen, die anderen älteren Menschen helfen, die soziale Kontakte organisieren, um den Lebensabend lebenswert zu gestalten, wäre ohne Sabine Böttcher in Wolmirstedt fast undenkbar ", so Zander in seiner Laudatio. Die Mitarbeit im Chor und das Organisieren von Veranstaltungen, Reisen und Feiern seien für die Ausgezeichnete ein Anliegen, das sie ausfüllt.

Dabei sieht die Wolmirstedterin ihr ehrenamtliches Arbeiten als selbstverständlich an. " Ich könnte mich nicht einfach hinsetzen und nichts mehr tun ", erklärte sie nach der Preisübergabe. Verständlich, gehören doch auch neun Kinder, 22 Enkel und 7 Urenkel zu ihrem Leben.

Ihr zehntes " Kind ", die Katharina aus Ton, hielt Sabine Böttcher am Sonnabend schützend in den Händen. " Etwas Schöneres konnte mir gar nicht passieren ", versuchte sie, ihre Freude über die Auszeichnung in Worte zu fassen, bevor eine große Schar an Gratulanten auf sie einstürmte.