Magdeburg. Ein richtig dicker Fisch in Sachen Jugendkriminalität ist der Magdeburger Polizei ins Netz gegangen. Einem Ganoven-Trio werden insgesamt 120 Straftaten, verteilt auf das gesamte Stadtgebiet, zur Last gelegt, begangen zwischen Januar 2009 und Januar 2010.

Als die Polizei am 8. November vergangenen Jahres gegen 23 Uhr die drei Jugendlichen in dem gestohlenen Auto erwischt hat, wusste sie noch nicht, dass es dieses Trio faustdick hinter den Ohren hat. " So etwas haben wir wirklich sehr selten ", beschreibt Oberkommissar Thomas Strauchmann das ganze Ausmaß an Straftaten, das den 17-, 19- und 20-Jährigen zu Last gelegt werden kann. Rund drei Monate haben Strauchmann und seine Kollegen vom Revierkriminaldienst, Sachgebiet 3, ermittelt. Am Ende sind 120 Straftaten herausgekommen, die dem Ganoven-Trio zugeordnet werden können. " Die haben ihren Lebensunterhalt damit bestritten ", sagt Strauchmann. Bei ihren Raubzügen waren sie in erster Linie an Bargeld interessiert und an allem, was sich schnell zu Geld machen lässt.

Dabei hatten sie im Grunde drei Schwerpunkte.

Nummer eins : Buntmetall. Das stahlen sie unter anderem von Baustellen auf dem Uni-Campus, an den Gruson-Gewächshäusern, von der MVBTrasse in der Leipziger Straße und weiteren Baustellen in Salbke. Große Kabeltrommeln mit kupfernen Erdkabeln wurden von ihnen gestohlen, in mehreren Fällen " knackten " sie gleich noch ein Firmenfahrzeug dazu, um ihre Beute abtransportieren zu können. Aus Häusern, die entweder leer standen oder gerade saniert wurden, brach das Trio Heizkörper und Rohrleitungen aus den Wänden und verscherbelte das begehrte Buntmetall an den Schrotthandel.

Schwerpunkt zwei : Bargeld und elektronische Geräte. Beides erbeuteten sie bei Einbrüchen, zum Beispiel in den Magdeburger Golfklub, einen Box-Club, eine Lotto-Annahmestelle, ein Fahrradgeschäft, mehrere Warenhäuser und bei Autoaufbrüchen. In der Gartensparte " Amselgrund " brachen die drei 23 Lauben auf, in der Gartensparte " Albatros " noch einmal fast genauso viele. In einem Garagenkomplex in der Havelstraße wurden 23 Garagen von ihnen heimgesucht.

Besonders öffentlichkeitswirksam waren ihre Einbrüche bei mehreren freiwilligen Feuerwehren. In Magdeburg stiegen sie im April 2009 bei der Freiwilligen Feuerwehr Ottersleben ein und stahlen neben einer Geldkassette vor allem sämtliche Funkgeräte aus den Einsatzfahrzeugen. Die elektronischen Geräte und Werkzeuge wurden, so die Ermittlungen der Polizei, möglichst schnell weiter verkauft. Dabei lasse sich aber keine Struktur feststellen, die auf organisierte Kriminalität schließen ließe, so Thomas Strauchmann. " Die haben die Sachen überall verkauft, wo es nur ging. Sicherlich auch bei Freunden und Bekannten. "

Schwerpunkt drei : Briefkästen. Mehrere Post-Briefkästen in Magdeburg und Gommern wurden von dem Trio geplündert. Bei manchen durch Hineinfassen, manche brachen sie aus den Halterungen und nahmen sie mit. In den Briefkästen vermuteten die Diebe Briefe mit Bargeld-Inhalt. Bei den Vernehmungen der drei Jugendlichen wurde die Liste der Straftaten immer länger. " Es gibt noch einige Sachen, zu denen die Ermittlungen noch gar nicht abgeschlossen sind ", sagt Thomas Strauchmann. Wie hoch der finanzielle Schaden, den die drei angerichtet haben, ist, könne noch nicht gesagt werden. " Wir gehen aber von einem sechsstelligen Euro-Betrag aus ", so der Kriminaloberkommissar.

Bei dem Ganoven-Trio handelt es sich um drei Jugendliche, die als " beratungsresistent " gelten. " Es gab mehrere Versuche vom Jugendamt und dem Jobcenter, auf die drei positiv einzuwirken, sie von ihrem Treiben abzuhalten. Völlig vergebens ", so Thomas Strauchmann. Denn schon bevor sie am 8. November 2009 geschnappt wurden, hatten sie bereits einiges auf dem Kerbholz. Darum sitzt der 19-Jährige seit vergangenem Freitag auch hinter Gittern. Wegen anderer Straftaten, die nichts mit den jetzt ermittelten zu tun haben, muss er zwei Jahre Gefängnis " absitzen ". Seine beiden Kumpanen sind auf freiem Fuß. Bei der Masse der ihnen zur Last gelegten Straftaten dürfte das aber nicht mehr lange der Fall sein.