Wolmirstedt ( mb ). Alte Zeitungen bergen viele geschichtliche Informationen, die längst vergessen sind. Einige davon sind hier zusammengetragen. " Die Bahnstrecke Wolmirstedt - Colbitz wird nunmehr in eine Personenbahn umgewandelt werden, nachdem eine staatliche Beihilfe von 1 / 3 der Gesamtkosten zugesichert worden ist ", kündigte das Wochenblatt von Neuhaldensleben am 25. Oktober 1909 an. " Seither diente die genannte Bahnstrecke zur Beförderung von Grubenholz, seitens der beteiligten Gemeinden war man seit langem unter großer Opferbereitschaft bestrebt, die Bahn zu einer Personenbahn zu gestalten, da man von einer solchen für unsere gegend sich einen großen Fremdenverkehr verspricht. " Am 1. November hieß es : " Die Colbitz-Wolmirstedter Eisenbahn, die von der Provinz übernommen wurde, hat den Güterverkehr bereits aufgenommen, dem im nächsten Frühjahr der Personenverkehr folgen wird. Den Segen dieser Neueinrichtung verspüren jetzt in erster Linie die Rübenlieferer. "

Das Wochenblatt berichtete aber damals noch über weitere Vorhaben, die die Weichen für die Zukunft stellten.

" Zwecks Errichtung eines Jugend-Spielplatzes fand hierselbst eine Versammlung statt, die erfreulicherweise sehr gut besucht war ", erfuhren die Wochenblatt-Leser am 26. November 1909. " Ausgegangen war diese Idee von den hiesigen Turnvereinen, und sie fiel auf günstigen Boden. Nach reiflicher Besprechung wurde die forstfiskalische Wiese vor dem Küchenhorn in Vorschlag gebracht und ein Komitee gewählt, das die geeigneten Schritte zur Verwirklichung tun und mit der in Frage kommenden Behörde verhandeln soll. " Am 29. Dezember kommt das Wochenblatt darauf zurück, dass " die hiesigen Turnvereine beabsichtigen, in der Nähe des Küchenhorns einen Spiel- und Turnplatz anzulegen. In das zur Förderung der Angelegenheit gewählte Komitee wurden auch Bürgermeister Golz und Landrat Graf v. d. Schulenburg gewählt. "

Berichtet wurde damals aber auch über viele Geschehnisse aus dem alltäglichen Leben.

So manches ist zum Schmunzeln wie diese Meldung vom 23. Juli 1909 : " Ein tragikomischer Vorgang spielte sich hier ab. Ein Ehemann aus Magdeburg hatte seiner Frau eine notwendige Geschäftsreise vorgeschützt und war mit dem Rade hierher gefahren. Seine Frau wurde aber der Einsamkeit ihrer Häuslichkeit müde und fuhr mit dem Sonntagszug auch hierher. In der Nähe des Bahnhofes sah sie zu ihrer Verwunderung ihren Ehegatten mit einer anderen Schönen im Arm. Der ergriff vor Schreck die Flucht, während sich zwischen den beiden Frauen eine sehr handgreifliche Auseinandersetzung entspann, bei der sogar die Schirme in Anspruch genommen wurden. Die streitbaren Damen konnten nur mit Mühe auseinandergebracht werden, setzten jedoch ihren Kampf auf dem Bahnhof fort, wo die Ankunft des Zuges der Sache ein Ende bereitete. "

Seriöseren Inhalt haben Meldungen zu einigen Wolmirstedtern. Am 1. Oktober wurde vermeldet : " Nach 48-jähriger Dienstzeit ( davon 37 Jahre als Gendarm der Station Wolmirstedt ) ist der berittene Gendarmerie-Wachtmeister Fritz Bartels hier in den Ruhestand getreten. Er nahm an den Feldzügen 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870 / 71 gegen Frankreich teil. Am 6. November 1872 erfolgte seine Einberufung zur 4. Gendarmerie-Brigade nach Wolmirstedt. "

Eine Meldung wie diese vom 18. Februar 1910 wäre heute wohl nicht mehr möglich. " Bei dem Ausgebot der Ratskeller-Wirtschaft boten : Gastwirt Kühle, Magdeburg, 1650 Mark, Sattlermeister Richard Möhring, hier, 1670 Mark, und der derzeitige Pächter 1660 Mark Pacht. Der Zuschlag wird in der nächsten Woche erteilt. Die bisherige Pacht betrug letzthin 1800 Mark, früher 2000 Mark. "