Des einen Freud, des anderen Leid : Während sich Spaziergänger, Skilangläufer und Rodelfreunde über den rekordverdächtigen Schneefall freuen, ist der Winterdienst im Dauereinsatz, sogar das Salz wird knapp. Doch trotz Glätte und Frost – die Feuerwehren haben seit den Feiertagen keine Einsätze zu vermelden und auch der Rettungsdienst spricht von für die Jahreszeit normalen Einsatzzahlen.

Wolmirstedt. " Wir sind mit den Schneemassen über den Jahreswechsel und danach ganz gut fertig geworden ", bilanziert Frank Schröder vom Ordnungsamt der Stadt. Einige Bäume hielten der weißen Last allerdings nicht stand, etwa eine Baumkrone am Farsleber Kindergarten sowie ein Baum in der Neuen Straße, der dort gestern noch auf dem Gehweg lag. " Soweit uns bekannt ist, gab es durch die abgeknickten Bäume glücklicherweise aber weder Personen-, noch Sachschaden ", so Schröder weiter. Er erklärte, dass sich der Wirtschaftshof derzeit schon um die Beräumung kümmern würde.

Neues Streusalz ordern

Im Dauereinsatz befinden sich derzeit auch die acht Mitarbeiter, die beim Eigenbetrieb Wirtschaftshof für den Winterdienst zuständig sind. " Davon sind vier Kollegen ständig unterwegs ", erklärt Wilfried Frenkel. Zwischen drei und halb vier Uhr früh würde der Bereitschaftsdienst – der rund um die Uhr auf Abruf bereit steht – ausrücken, um die Straßen zu beräumen. " Die beiden Männer müssen dann selbst entscheiden, ob sie Kollegen nachordern oder selbst bis zum Morgen die Beräumung absichern können ", so der Betriebsleiter. " Aus meiner Sicht haben wir den Winterdienst ganz gut im Griff. Über die Feiertage haben wir uns hauptsächlich auf die Beräumung der Hauptstraßen konzentriert, jetzt kümmern wir uns auch um die Nebenstraßen, beispielsweise in Wohngebieten. "

Wenn es, wie in den letzten Tagen, immer neu schneit, sind die Männer vom Winterdienst auch schon mal bis 22 Uhr im Einsatz. Die drei Räumfahrzeuge und zwei Traktoren absolvieren zwei Touren.

Zuerst sind die Hauptstraßen an der Reihe, auf denen zum Beispiel auch die Busse verkehren müssen, um ab Donnerstag wieder Kinder in die Schulen zu bringen. Erst danach, in der zweiten Runde, sind die Nebenstraßen dran. Um Kreisstraßen wie die Samsweger, Geschwister-Scholl-, Rogätzer und Farsleber Straße würde sich die Kreisstraßenmeisterei kümmern. " Im Stadtgebiet selbst ist die Beräumung kompliziert, weil man gerade in den kleinen Straßen manchmal nicht weiß, wo man die Schneemassen hinschieben soll ", erklärt Frenkel eine Schwierigkeit.

Für den heutigen Tag hat sich der Leiter des Eigenbetriebes vorgenommen, neues Streusalz zu ordern. " Zwar haben wir momentan noch genug Salz vorrätig, aber da die Vorhersagen neuen Schnee ankündigen, werde ich wohl besser welches ordern. "

Havarien bleiben aus

Keinerlei Probleme durch den heftigen Wintereinbruch gab es beim Wolmirstedter Wasserund Abwasserzweckverband sowie bei den Stadtwerken. Wie die Geschäftsführer Frank Wichmann und Harald Luther betonen, sei man störungsfrei ins neue Jahr gestartet.

Feuerwehr hat Pause

Auch Stadtwehrleiter Dirk Bischoff konnte mit seiner Truppe, genau wie die Kameraden aus den Ortschaften, den Jahreswechsel und die Winterlandschaft genießen. " Für Silvester und die Zeit danach haben wir null Einsätze zu vermelden ", so Bischoff. " Ich weiß gar nicht, was los ist ", erklärt er verwundert, schiebt aber sofort nach, " dass es ja gut ist, wenn nichts passiert, es nicht brennt und niemand bei einem Unfall Schaden nimmt ". Schließlich wären eventuelle Einsätze auch für die Feuerwehrkameraden selbst nicht ungefährlich, müssten diese bei Schnee und Eisglätte schließlich auch langsamer und vorsichtiger fahren.

Wenige Glätteunfälle

" Die Verkehrsteilnehmer sind sehr diszipliniert ", hat auch Rüdiger Schneider, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes, beobachtet. So seien wenig Unfälle auf den Straßen zu verzeichnen. Allerdings hätten seine Mitarbeiter nach dem Wintereinbruch schon deutlich mehr zu tun. " Das Beispiel, das ein älterer Bürger hinausgeht, um Schnee zu schippen, dabei ausrutscht und sich das Bein bricht – damit haben wir natürlich jetzt schon zu tun ", erklärt Schneider. Allerdings will er trotz der großen Schneemassen nicht von einer unnormalen Häufung sprechen. Die Einsätze würden sich im normalen, zur Winterzeit passenden Rahmen bewegen.

Neuschnee am Sonntag

Wer bisher noch keinen Schlitten hat, der kann sich ruhig einen kaufen. Denn Mario Brych, Mitarbeiter der Wetterwarte Magdeburg, weiß schon jetzt, dass die Winterlandschaft mindestens zehn bis vierzehn Tage noch so bleibt. " Wir haben derzeit eine Schneedecke von 24 Zentimetern. Das bleibt die nächsten Tage so, ein minimaler Anwuchs durch erneuten, leichten Schneefall ist wahrscheinlich ", so der Wettertechniker. Temperaturmäßig bewegen wir uns nach Aussagen des Experten weiter im Dauerfrostbereich, die Höchstwerte liegen dabei bei minus sechs Grad.

" Wenn die Bewölkung aufreißt und man abends die Sterne sieht, dann kann man davon ausgehen, dass es sich nachts ganz rapide auf minus 15 Grad abkühlt. Normal sind in den Nächten Temperaturen von minus acht bis minus zehn Grad ", weiß Brych.

Und noch etwas kann der Experte schon voraussagen : " Am kommenden Wochenende müssen wir mit intensivem Schneefall rechnen, in Richtung Sonntag sind durchaus über zehn Zentimeter Neuschnee zu erwarten ", erklärte der Fachmann auf Nachfrage der Volksstimme. " Dazu kommt es zu auffrischendem Wind aus östlicher Richtung, der Schneeverwehungen verursacht, die den Verkehr stark behindern können. " Auch die frostigen Temperaturen bleiben erhalten und werden sich, nach dem frischen Schneefall, in der kommenden Woche noch verschärfen.

" Trotz der Klimaänderung haben wir also endlich mal wieder eine stabile Winterwetterlage ", freut sich Mario Brych. Anhand der Unterlagen weiß der Experte auch, wann das letzte Mal solche Schneemassen im Flachland lagen : " Seit 2000 hatten wir immer nur eine Schneedecke von 12 bis 13 Zentimetern. Im Januar 1987 haben wir eine maximale Höhe von 24 Zentimetern verzeichnet. Die höchste Schneedecke bis jetzt haben wir am 18. Februar 1963 gemessen – damals lagen 37 Zentimeter ", blickt der Wettertechniker zurück.

Zusteller haben ‘ s schwer

Problematisch sind die Schneemassen der vergangenen Tage allerdings für die Zeitungszusteller. " Die meisten fangen schon gegen 3 Uhr nachts mit dem Austragen der Zeitung an, da ist oft noch kein Winterdienst unterwegs. Außerdem sind meist nur die Hauptstraßen und nicht Nebenstraßen oder Zufahrten beräumt ", weiß Regina Wagner vom Zustellservice Ohrekreis. Sie bittet die Zeitungsleser deshalb nicht nur um Verständnis, wenn es derzeit etwas später wird : " Es wäre wirklich sehr hilfreich, wenn die Bürger tagsüber den Weg zu ihrem Briefkasten beräumen oder wenigstens streuen. Denn es ist wirklich glatt, und das ist besonders in der Dunkelheit gefährlich. "