Die letzte Sitzung des Gemeinderates im alten Jahr dauerte dreieinhalb Stunden. Reinhard Lüder als Versammlungsleiter gelang es mit Verhandlungs-geschick, im Zeitlimit die wichtigsten Beschlüsse unter Dach und Fach zu bringen. Darunter die Haushaltssatzung für das neue Jahr. Teil des etwa 400-seitigen Zahlenwerkes ist neben Übersichten zu Verbindlichkeiten und Rücklagen der Stellenplan. Und der erregte die Gemüter der Freien Wähler.

Barleben. Fraktionsvorsitzender Dr. Edgar Appenrodt warf der Verwaltung eine völlig verfehlte Personalpolitik vor. Im Jahr 2011 seien zwar Veränderungen im Stellenplan vorgesehen. Die gingen jedoch in die falsche Richtung. Im Bereich der Kinderbetreuung würden vier Erzieherinnenstellen gestrichen. Gleichzeitig werde in der bereits großzügig ausgestatteten Kernverwaltung die Stellenzahl um vier erhöht (unter anderem Sachbearbeiter Finanzbuchhaltung, Sachbearbeiter Anlagenbuchhaltung, Sachbearbeiter Veranstaltungsmanagement). Appenrodt: "Eine solche Personalpolitik ist den Bürgern nicht vermittelbar." Wenn tatsächlich weniger Kinder zu betreuen sind, so der Fraktionsvorsitzende, sollte man die Chance nutzen, die Betreuung zu intensivieren oder durch Stellenabbau die Personalausgaben zu senken, anstatt unter dem Deckmantel konstanter Personalausgaben neue Stellen für die Kernverwaltung einzurichten. "Noch kürzlich hat man uns die Einführung der doppischen Haushaltsführung als neue, effektive Methode angepriesen. Jetzt scheint dafür sogar noch mehr Personal nötig zu sein", wetterte Appenrodt. "Wir als Gemeinderäte sind mit dafür verantwortlich, einer möglicherweise aus-ufernden Verwaltungsbürokratie entgegenzuwirken", erklärte er. Das hieße auch, die Kosten für den Personalbedarf entsprechend niedrig zu halten. Appenrodt zufolge liegen die Personalkosten der Gemeinde derzeit bei 6,5 Millionen Euro pro Jahr. Auf jeden der 9 200 Einwohner bezogen sind das pro Kopf 690 Euro. Vergleichszahlen zeigten, so Dr. Edgar Appendrodt, dass effektiv wirtschaftende Gemeinden mit weniger als einem Drittel auskämen. Er nannte als Beispiel das nordrhein-westfälische Reken. Die 14 500-Seelen-Kommune am Rande des Ruhrgebietes ist seit 2004 schuldenfrei. Auf ihren Konten hat sich sogar ein dickes Plus angesammelt. Statt Zinsen für Kredite zu tilgen, erhält die Gemeinde Zinsen auf ihr Vermögen. Worin das Geheimnis von Reken liegt? Der dortige Bürgermeister nennt als eine der drei Maximen seines Handelns: "Die Personalkosten so gering wie möglich halten." Er will, dass seine Mitarbeiter unternehmerisch handeln. Von den Einwohnern verlangt er bürgerschaftliches Engagement. Das heißt in vielen Fällen: Selbst anpacken.