Die Tischdeko im Innovations- und Gründerzentrum war zum gestrigen Dreikönigstreffen der Börde-FDP in den Parteifarben Blau und Gelb gehalten. Bei der Kleidung und den Getränken vertrauten die gut 30 geladenen Gäste aber auf den Regierungspartner. Man trug überwiegend schwarze Anzüge und plauderte bei dunklem Bier über die Zukunft der Partei und ihre Aussichten bei der kommenden Landtagswahl.

Barleben. Nein, das gestern ein entscheidender Tag für die Zukunft seiner Partei sei, das wollte Veit Wolpert nicht so stehen lassen. Es gebe keinen Königsmord am Dreikönigstag, an dem die FDP traditionell zu ihren regionalen Zusammenkünften lädt. Dennoch setzte Wolpert in seiner mehr als halbstündigen Rede darauf, die Parteimitglieder aus der Börde zu motivieren. "Es ist nämlich die Basis, die über das Schicksal der FDP entscheidet", so der Spitzenkandidat für die Landtagswahl im März. An der Basis müsse man für die Partei kämpfen. "Wenn Sie das nicht tun, tut es keiner", richtete er einen direkten Appell an die Anwesenden.

Die wollten ihrem Kandidaten nur zu gern glauben, als der immer wieder bekräftigte, der Partei ginge es nicht schlecht und man solle sich nicht von den Erwartungshaltungen ins Boxhorn jagen lassen.

"Sollten uns nicht von Erwartungen ins Boxhorn jagen lassen"

So verglich der Hauptredner die aktuellen Umfrageergebnisse mit Horoskopen. Wer daraus eine Wissenschaft macht, betreibe Kaffeesatzleserei. "Wir sollten uns nicht von einer Umfrage vorschreiben lassen, wie wir uns fühlen oder handeln müssen", erklärte der 50-Jährige. Man müsse stattdessen auf die Fakten schauen. Und die würden ein Jahr zeigen, in dem die FDP in der Regierung an den Schalthebeln gesessen und Entscheidendes bewirkt hätte. So sei die Aussetzung der Wehrpflicht "nicht zu Guttenbergs Erfindung, sondern eine bereits zehnjährige Forderung der Liberalen", die man lange gegen den Widerstand der Christ- demokraten aufrecht erhalten hätte.

Auch die Senkung der Arbeitslosigkeit, der gute Stand der Bundesrepublik nach der Wirtschaftskrise und der Sitz im UN-Sicherheitsrat gingen auf das Konto ihrer gemeinsamen Partei, bilanzierte Wolpert.

"Ein Defizit gibt es nur noch bei der Steuerreform", übte der Vorsitzende der Landtagsfraktion nach Aufzählung der Erfolge ein wenig Parteikritik. Zwar sei eine Steuersenkung, wie man sie versprochen hätte, durch die Wirtschaftskrise nicht – beziehungsweise nicht sofort – drin. Aber man könne das System einfacher und gerechter machen. "Das schulden wir noch, aber daran sitzen wir!"

"Das letzte Jahr war nicht gut für uns, wir müssen die Stimmung drehen", schlug auch Jens Ackermann, der die Einladung zum Treffen in Barleben ausgesprochen hatte, in Wolperts Kerbe. Es wäre "ein enormer Verlust, wenn die Liberalen dieses Land nicht mit steuern könnten", spielte der Kreisvorsitzende auf lauter werdende Befürchtungen der politischen Mitstreiter an, die FDP könne bei der Wahl im März den Einzug in den Landtag verpassen.

Der Einstimmung auf dieses gemeinsame Ziel folgte ein Fachvortrag von Dr. Stefan Schünemann. Er ist Geschäftsführer des Institutes für Kompetenz in AutoMobilität (IKAM) und stellte in einer kurzen Präsentation vor, worauf die deutsche Wirtschaft künftig mehr setzen müsse. Nämlich auf Innovation und Forschung, wie sie im Barleber IGZ immer wieder erfolge. So setze man im IKAM auf die Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft, arbeite eng mit der Magdeburger Universität zusammen. Ziel sei, den Fortschritt der Technik in der Automobilbranche entscheidend mitzugestalten. Geben doch allein die Zulieferbetriebe in Sachsen-Anhalt rund 18 500 Menschen Arbeit.

Dass die Fahrzeuge, die künftig vielleicht mit Bauteilen aus diesem Bundesland unterwegs sind, schneller in Richtung Norden kommen, dafür will auch die FDP sorgen. "Wir sind klar für den Bau der Nordverlängerung der Autobahn 14", stellte Ackermann fest. Schließlich diene das Vorhaben vor allem dem Wirtschaftsstandort. Und der soll nicht nur auf jetzigem Stand erhalten, sondern ausgebaut werden. Das wünschte sich auch Landrat Thomas Webel, der als Gast beim Dreikönigstreffen war und den Liberalen nicht nur für die gute Zusammenarbeit im Kreistag dankte, sondern diese gern auch auf Landesebene fortführen würde.

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