Eichenbarleben (msc). Wussten Sie, dass die Pute (auch Truthahn genannt) fast das Wappentier der USA geworden wäre? Das zumindest wollte Benjamin Franklin, der Gründungsvater der Vereinigten Staaten. Er fand, ein Truthahn sei viel stattlicher als das heutige Wappentier, der Weißkopfseeadler. Solche und andere Anekdoten aus der Geflügelwelt erfährt der Besucher, wenn der Vereinsvorsitzende Andreas Stöhr, ihn durch die Ausstellung führt.

Die Cröllwitzer Puten von Ernst Daenecke sind seit Jahren ein Hingucker der Schau. In Halle-Cröllwitz stand zu DDR-Zeiten eine Versuchsanstalt für Tierzucht. Die dort gezüchteten Puten sollten früher schlachtreif und leichter sein. "Normale" Puten wiegen zwischen neun und zehn Kilo. Die Cröllwitzer Pute wurde auf die schlachtreife Größe einer "Familienpackung", etwa sieben bis acht Kilo Lebendgewicht, gezüchtet.

Außerdem gelten Puten als "brutfest". Das heißt: Sie verlassen ungern das Brutnest, auch wenn ihnen Hühner- oder Enteneier "untergeschoben" werden. "Nimmt man die Pute beim Brüten zum Trinken oder Füttern nicht vom Nest, könnte sie sogar verhungern. Das Sprichwort von der ,dummen Pute‘ kommt nicht von ungefähr", erzählt Stöhr. Und: "Die Pute ist die einzige Geflügelart, bei der auch das Männchen brütet", so Andreas Stöhr.

Vorbei an Teufelshühnern (mit rotem Teufelskamm), an den an Geier erinnernden Nackthalshühnern weist Stöhr auf die seltsamen "Pudelköpfe" namens "Zwerg Paduaner" hin. Früher war deren Federhaube noch größer gewesen, doch der Tierschutz machte Druck. "Heute werden nur noch Hauben bis zu einer vorgeschriebenen Maximalgröße bewertet. Die Hauben werden durch Zucht kleingehalten, damit die Tiere auch etwas sehen können."

Noch gewöhnungsbedürftiger als die Hauben der Paduaner sind die Kropftauben. Beim Balzen bläst jede Taube ihren Kropf auf. "Der große, aufgeblasene Kropf, das Balzverhalten ist bei den Kropftauben überzüchtet worden. Großer Kropf, schlanker Körper, lange Beinen: das sind heute die Bewertungsideale bei den Brünner Kröpfern", erzählt Andreas Stöhr. Uwe-Jens Rätzel und sein Sohn Tim sind Spezialisten für diese Rasse, deren Sonderverein im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen feierte. Und die Rätzels holten bei der Sonderschau zum 100. Jubiläum den Titel "Europa-Champion".

Seit zehn Jahren züchten Rätzels die Rasse, haben mehrmals das höchste Bewertungsprädikat "vorzüglich" abgeräumt. Auf der Schau in Eichenbarleben waren sie mit 40 Ausstellungstieren vertreten und heimsten erneut zwei Mal die Höchstwertung "vorzüglich" ein.

   

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