Das Pestel-Institut Hannover sieht in seiner jetzt veröffentlichten Studie zur regionalen Krisenfestigkeit den Landkreis Börde im Mittelfeld. Von den 412 getesteten Regionen belegt der Landkreis Rang 206. In die Bewertung flossen 18 Indikatoren aus den Bereichen Soziales, Wohnen, Verkehr, Flächennutzung, Energie und Wirtschaft ein.

Landkreis Börde. "Mittlere Krisenfestigkeit" wird dem Landkreis vom Pestel-Institut aus Hannover bescheinigt. Das geht aus der bundesweiten Studie des Instituts hervor. Das Institut versteht sich als ein interdisziplinäres Forschungsinstitut, das sich auf die Analyse bestehender Systeme und deren Weiterentwicklung spezialisiert hat.

Mit ihrer ersten bundesweiten Untersuchung will das Institut eine Diskussion anregen, einmal zu schauen, wie krisenfest einzelne Regionen oder Städte sind. Und dies jenseits der ökonomischen Betrachtungen. "Wir wollten mit unserer Studie einmal den Fokus auf andere Dinge richten, stärker auf die Regionen blicken", sagt Matthias Günther vom Vorstand des Instituts. Zu denken, dass alles nur technisch geregelt werden könne, sei nicht der richtige Weg. Es müssten zum Schutz vor einer Krise viele andere Indikatoren eine Rolle spielen.

Für die Studie waren 18 Indikatoren untersucht worden. Diese sollen die Verletzbarkeit einer Region beschreiben. Sie sollen weiterhin zeigen, "wie gut auch im Krisenfall die Handlungsfähigkeit einer Region oder Stadt durch Flexibilität, Ressourcenausstattung und Sozialkapital erhalten bleibt", heißt es.

Bei sechs Indikatoren liegt der Landkreis im Spitzenbereich, viermal wurde ein Mittelplatz erreicht und achtmal reichte es nur für einen Rang am Ende der Tabelle.

Indikatoren waren im Bereich "Soziales" die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss, die Quote der Bezieher von Grundsicherung (SGB II) sowie die Versorgung mit Hausärzten. In diesem Bereich stufte das Institut den Landkreis im unteren Drittel ein.

Im Bereich "Verkehr" wurden Daten zur Infrastruktur, zum Öffentlichen Personennahverkehr und zum Pkw-Bestand untersucht. Hier erhielt der Landkreis nur beim ÖPNV einen Spitzenplatz.

Landwirtschafts- und Waldflächen wurden in der Kategorie "Flächennutzung" begutachtet. In der Studie heißt es dazu: "Auch wenn ein solches Szenario derzeit unwahrscheinlich erscheint, aber eine Versorgungskrise mit Nahrungsmitteln ist ein möglicher Krisenzustand (...) ". In diesem Bereich erhielt der Landkreis sehr gute beziehungsweise gute Noten.

In der Kategorie "Energie" sieht das Institut den Landkreis bei Windkraft und Biogas sehr gut aufgestellt, hier gab es Bestnoten. Im Bereich "Wirtschaft" wurde der Anteil der Beschäftigten am Wohnort, die nicht über die Regionsgrenze auspendeln, bemängelt. Es gäbe also zu viele Pendler im Landkreis.Allerdings sehr positiv eingeschätzt wurden die kommunalen Schulden je Einwohner.

Mehr mit möglichen Krisenszenarien befassen

Das Pestel-Institut kommt zu dem Schluss, dass nicht unbedingt internationale Wettbewerbsfähigkeit Sicherheit für die Zukunft signalisiert. Dezentrale Energieerzeugung, soziale Stabilität, Verfügbarkeit von land- und forstwirtschaftlichen Flächen und Arbeitsplätze vor Ort helfen bei der regionalen Abfederung mehr. Den Kreisen und Städten könne nur empfohlen werden, sich mit möglichen Krisenszenarien intensiver zu befassen als bisher. Starke Regionen seien wichtig als Rückfallpositionen und als präventiver Handlungsraum. "Unsere Studie soll eine Anregung sein, sich damit mehr zu beschäftigen. Bislang ist die Resonanz darauf positiv. Es ist Bewegung in der Sache. Das ist, was wir erreichen wollten", so Matthias Günther.

Mehr zur Studie im Internet:

www.pestel-institut.de