Auch die Ohrestadt hat aufgrund des Hochwassers verstärkt mit erheblich mehr Grundwasser zu kämpfen. Mit am stärksten betroffen ist dabei der Wolmirstedter Friedhof. Bereits im November des vergangenen Jahres standen große Teile unter Wasser, nach der Tauwetter- periode hat sich jetzt die Situation weiter verschärft.

Wolmirstedt. Brigitte Klewin, Jahrgang 1935, ist nicht nur traurig, sie ist auch wütend auf die Stadt: "Fast täglich führt mich mein Weg auf den Friedhof, wo mein Mann seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Und heute genau vor einem Jahr habe ich meinen Sohn zu Grabe getragen, doch seit geraumer Zeit finde ich keine Möglichkeit des stillen Gedenkens." Der Grund ist offensichtlich. Seit November staut sich auf dem Friedhof das Grundwasser. Wiesen, Anlagen und Wege sind zum größten Teil "Land unter".

Nachdem die große Schneeschmelze und das Tauwetter einsetzte, hat sich die Situation dramatisch verstärkt, gleicht der Friedhof teilweise einer Seenlandschaft. Für Brigitte Klewin ist die Schuldfrage klar: "Alle Abwassgräben, die es hier einmal zu Dutzenden gegeben hat, sind nach und nach zugeschüttet worden. Dies nicht erst seit der Wende. Bereits lange vorher ging hier die Drainage verloren. Ein Zustand, den man keinem Menschen, schon gar nicht trauernden zumuten kann."

Nicht nur die Wolmirstedterin erwartet schnelle, aber auch endgültige Lösungen. Erst recht, nachdem bereits in den Sommermonaten des vergangenen Jahres das Grundwasser verstärkt auftrat.

Das heißt, der Stadtverwaltung ist das Problem bekannt. Und wie Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander gestern auf Nachfrage der Volksstimme betonte, "wird jetzt mit Nachdruck an diesem Problem gearbeitet". Mit fertigen Lösungen aber kann der Bürgermeister noch nicht aufwarten, betonte aber: "Wir haben eine Spezialfirma in Magdeburg beauftragt, das Grundwasserproblem anzugehen. Ich kann versprechen, dass wir gemeinsam eine dauerhafte Lösung anstreben."

Wie sich Brigitte Klewin selbst gestern überzeugen konnte, ist dies kein Lippenbekenntnis. Sie war Augenzeugin der ersten fachkompetenten Gespräche. Wilfried Frenkel, Leiter des Eigenbetriebes, der sich im Auftrag der Stadt der Problematik angenommen hat, traf sich gestern Vormittag mit Mitarbeitern der Magdeburger Spezialfirma auf dem Friedhof. "Ich muss aber noch einmal betonen", so Frenkel, "dass es die Probleme zumindest in dieser extremen Form bisher noch nicht gab. Das aber werden wir ändern."

Langfristig sollen neue Drainagen gelegt werden, die künftig ein unterirdisches Ablaufen des Grundwassers garantieren. Dafür sind im Vorfeld tiefgründige Studien des Lagerplanes nötig, um letztlich eine dauerhafte Lösung zu erreichen. Das wird seine Zeit dauern. Deshalb reagiert die Stadt kurzfristig: So wird die Magdeburger Firma noch heute damit beginnen, das Wasser auf dem Friedhof weiträumig abzupumpen.