Frohe Kunde überbrachte Landesagrarminister Hermann Onko Aeikens zum Neujahrsempfang am vergangenen Freitag der Gemeinde Hohe Börde. Im Namen der Landesregierung überreichte Aeikens einen Förderbescheid über 28 600 Euro an Wellens Ortsbürgermeister Holger Stahlknecht. Damit steht die Finanzierung für den etwa 60 700 teuren Endausbau des Seitenflügels am Bürgerhaus "Dorfscheune".

Wellen. Mit dem nun gesicherten Endausbau geht eine mehr als zehn Jahre lange Ära dem Ende entgegen. Daran erinnerte Ortsbürgermeister Stahlknecht beim Neujahrsempfang: "1999 hatte eine Handvoll Gemeinderäte inmitten einer alten heruntergekommen Scheune den Traum von einem Dorf- und Kulturzentrum hinter diesen alten Mauern. Zwölf Jahre später wird jener Traum Wirklichkeit. Man sieht also: Wo ein Wille ist, ist am Ende immer auch ein Ziel erreichbar."

Der Sanierung der Dorfscheune in den ersten Jahren zum Wellener Bürgerhaus folgten in den letzten Jahren kleine Schritte beim Umbau des angrenzenden Seitenflügels. Dessen Erdgeschoss konnte mit Hilfe der Leader-Förder-Strategie saniert werden: Versammlungsraum, Bürgermeisterzimmer, neue Sanitäranlagen wurden hier von einem altdeutschen Backofen gekrönt.

2010 konnten dank des Konjunkturpaketes II erste Schritte der Renovierung im Obergeschoss des Seitenflügels getan werden. Trockenbauarbeiten an Wänden, Decken und Fußboden wurden abgeschlossen.

"Nach zwölf Jahren wird ein Traum wahr"

Für den nächsten und letzten Schritt zur Komplettierung des Obergeschosses hatte die Gemeinde Hohe Börde einen Förderantrag gestellt. Mit Fliesenlege- und Malerarbeiten, der Errichtung einer Herren- und Damentoilette sowie mit Restarbeiten bei der Innengestaltung soll der nun dank des Förderbescheids mögliche Abschluss gefunden werden.

Ein Nutzungskonzept für das Obergeschoss steht bereits auf festen Füßen. Ein Patenschafsvertrag zwischen den Wellener Heimatfreunden und der Ortschaft Wellen steht unmittelbar vor der Unterzeichnung.

Auf Grundlage dieser Vereinbarung übernehmen die Wellener Heimatfreunde die Ausgestaltung der bald fertigen oberen Etage des Seitenflügels. Hier können die Paten eigene Treffen und Veranstaltungen wie Ausstellungen, Lesungen, Mundartnachmittage und kleine Konzerte organisieren. Die Ortschaft Wellen beziehungsweise die Gemeinde Hohe Börde bleibt Eigentümer des Seitenflügels, die Paten können die obere Etage dafür kostenlos nutzen.

Im Gegenzug verpflichten sich die Heimatfreunde, den Seitenflügel sauber zu halten und in festgelegten Abständen für Instandhaltungsarbeiten, etwa Malerarbeiten, zu sorgen.

Idee: Lesungen am prasselnden Kamin

Die Vermietung des Veranstaltungsraums im Erdgeschoss bleibt Angelegenheit der Ortschaft. "Allerdings wollen wir solche Vermietungen an andere, bespielsweise für Privatfeiern, vorher mit den Heimatfreunden absprechen, denn der Verein sorgt sich schließlich um den altdeutschen Backofen im Erdgeschoss ", erklärte gestern Holger Stahlknecht.

In den hinteren Bereich der oberen Etage wird die Bibliothek vom bisherigen Standort an der Dorfstraße 3 (alte Gemeinde) umziehen.

Im großen Raum des Obergeschosses möchten die Heimatfreunde eine stilvolle Heimatstube mit ausgewählten Exponaten wie gut erhaltenen Möbeln aus der Gründerzeit (Jugendstil) einrichten. In der Heimatstube sollen auch die besagten Kulturveranstaltungen stattfinden. "Ich kann mir vorstellen, dass hier junge Künstler aus der Region auftreten, es soll etwas mit Niveau entstehen und ich denke, dass wir mit den Heimatfreunden einen kompetenten Paten gefunden haben", sagte Stahlknecht und ergänzte: "Als besonders Schmankerl möchte ich mich um einen Sponsor bemühen, der dort oben eine kleine Kaminecke einbaut."

Stahlknecht findet die gefundene Nutzungskonzeption für den Wellener Seitenflügel beispielgebend: "Diese Patenschaft könnte ein Prototyp für das ganze Land werden. Bürgerschaftliches Engagement übernimmt Verantwortung. Das halte ich für eine tolle Idee."