Gleich auf der ersten Sitzung des neuen Jahres haben Vertreter vom DRK dem Bauausschuss ein neues Großprojekt vorgestellt, das in Wolmirstedt realisiert werden soll. Im Stadtzentrum – auf der Grünfläche zwischen Julius-Bremer- und Triftstraße – will der Kreisverband ein Pflegeheim bauen und mehrere Millionen Euro investieren.

Wolmirstedt. Ein bisschen nervös schienen Ralf Kürbis und Sylvia Franke schon zu sein, bevor die Sitzung des Bauausschusses begann. Hatten der Vorstandsvorsitzende und seine Stellvertreterin vom DRK Kreisverband Börde doch vor, den Mitgliedern die Planungen für ein neues Pflegeheim im Zentrum der Stadt vorzustellen – und waren auf deren Reaktionen gespannt.

Bei der Stadtverwaltung sind beide im vergangenen Jahr mit einer ersten Anfrage auf offene Ohren gestoßen. "Wir haben mit der Planung schon im Sommer 2009 angefangen", blickt Sylvia Franke zurück. "Es begann damit, dass wir zusammen mit der Bank für Sozialwirtschaft eine landkreisweite Analyse für den zukünftigen Pflegebedarf in Auftrag gaben." Diese Untersuchung sei auch entscheidend für die spätere Finanzierung des Projektes, so die Mitarbeiterin des DRK.

Wolmirstedt laut Studie geeignetster Standort

Dabei wurde nicht nur die Entwicklung der Einwohnerzahl in Augenschein genommen, sondern auch Schätzungen abgegeben, wo es künftig durch die Altersstruktur einen möglicher- weise erhöhten Pflegebedarf geben könnte. Wie Sylvia Franke verrät, hätte sich dabei die Stadt Wolmirstedt mit einem Einzugsgebiet, das 15 Kilometer im Umland umfasst, als geeigneter Standort für ein Pflegeheim ergeben.

Das Deutsche Rote Kreuz ist seit 20 Jahren mit dem ambulanten Dienst in der Ohrestadt tätig. Der Kreisverband verfügt in den Pflegeeinrichtungen Haldensleben, Oschersleben, Hornhausen und der Behinderteneinrichtung Gröningen über 250 voll- und 26 teilstationäre Plätze. "Insgesamt betreuen gut 400 Pflegedienst-Mitarbeiter im gesamten Landkreis um gut 500 Patienten", gibt Sylvia Franke einen Einblick in die aktuelle Situation.

Schon jetzt reichen die Pflegeplätze nicht aus

Schon jetzt würden diese Plätze kaum ausreichen, müsste man Patienten an die Pflegeeinrichtungen in Ebendorf und Rogätz vermitteln. "Deswegen gab es im Dezember des vergangenen Jahres vom der gesamten Kreisversammlung auch grünes Licht für den Neubau in Wolmirstedt", erklärt Ralf Kürbis im Ausschuss. Der Vorstandsvorsitzende hatte zur Sitzung auch einen Vertreter des Leipziger Planungsbüros mitgebracht, das man aufgrund seiner Kompetenz im Bereich der Sozialbauten beauftragt hätte.

Architekt Knut Kruse zeigte dann nicht nur Entwürfe, sondern auch eine Computeranimation, wie er sich die Bebauung auf der bisherigen Grünfläche an der Ecke Triftstraße / Julius-Bremer-Straße vorstellt. In drei jeweils zweigeschossigen Baukörpern sollen insgesamt 60 vollstationäre Plätze entstehen. Von oben erinnert die Form des Komplexes an eine dreiblättrige Blume oder an die Flügel eines Windrades.

Bei den Planungen hätten Architekten und die Fachkräfte des DRK eng zusammengearbeitet, erklärt Sylvia Franke. Ziel sei, die organisatorischen Abläufe im Pflegeprozess zu optimieren und den zukünftigen Nutzern das bestmögliche Betreuungsumfeld zu schaffen. Der Eingangsbereich des Heimes soll von der Julius-Bremer-Straße aus zu erreichen sein, wo auch ein Parkplatz geplant ist. Im Erdgeschoss würden sich nach jetzigem Stand die Bereiche Tagespflege, Sozialstation und Begegnungsstätte befinden. "Gerade für das Angebot der offenen Seniorenbetreuung wollen wir auch mit anderen Sozialverbänden das Gespräch suchen", kündigte Franke an. Ein Teil vom Parterre sowie das komplette Obergeschoss bieten Raum für die Wohnbereiche. Man wolle das Hausgemeinschaftsprinzip umsetzen. Geplant seien pro Bereich zwölf Einzelzimmer, jeweils mit Nasszelle, deren Bewohner sich Küche und Wohnlandschaft teilen.

"Ein Bereich wird für Wachkomapatienten vorgehalten. Daneben soll es einen offenen und einen geschlossenen Bereich für Demenzpatienten sowie zwei Bereiche für Patienten ohne besonderen Pflegeschwerpunkt geben", so die stellvertretende Vorstandsvorsitzende.

Was die Bebauung der jetzigen Grünfläche angeht, wolle man auch die vorhandenen Trampelpfade integrieren. Wie Bürgermeister Dr. Zander erklärte, würde man, sollte das Konzept Zustimmung finden, die für das Heim nötigen Zuwegungen schon beim bald beginnenden grundhaften Ausbau der Julius-Bremer-Straße mit berücksichtigen.

Neueinstellungen und Mitarbeiter-Umsetzung

Eine konkrete Investitionssumme ließ sich Sylvia Franke auf Nachfrage der Volksstimme nicht entlocken, bestätigte aber, dass es sich um mehrere Millionen Euro handle. "Wir haben die Planung ohne Fördermittel aufgestellt, wollen aber natürlich versuchen, welche zu bekommen und entsprechende Anträge stellen", blickte sie voraus.

Einen Termin, wann es losgehen soll, gibt es noch nicht. "Wir rechnen mit einer Bauzeit von etwa anderthalb Jahren", so Kürbis auf die entsprechende Frage eines Ausschussmitgliedes.

Für das neue Pflegeheim braucht es natürlich auch Personal. "Es wird Neueinstellungen geben", sagt Sylvia Franke. "Aber wir wollen dort auch freiwerdende Mitarbeiter einstellen, die noch im Rettungsdienst tätig sind und derzeit berufsbegleitend oder Vollzeit eine entsprechende Ausbildung absolvieren." Bei der Neuvergabe der Rettungsdienstleistungen im Landkreis, hatte das DRK im Vorjahr nur noch den Zuschlag für die Betreibung von drei der bisher sechs Wachen erhalten.

Nach der Vorstellung der Pläne im Bauausschuss, wo sie für Begeisterung sorgten, sei nun die Stadt am Zug. Unter dem Einverständnis der Ausschussmitglieder erklärt Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander, dass die Verwaltung entsprechende Beschlüsse zum Verkauf des Grundstückes vorbereiten würde, die dann dem Stadtrat vorgelegt werden. Auch der Sanierungsbeirat müsse – wie immer bei Bauvorhaben im Zentrum – über die Pläne beraten.

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