Wolmirstedt. Die Konkurrenz schläft nicht. Kein Wunder, dass die Gutenberg-Schüler auf der schuleigenen Internetpräsenz in den vergangenen Tagen vor allem die Seiten ihrer Schulpreis-Mitbewerber anschauten. "Wir sind alle richtig stolz, dass wir es unter die 20 besten Schulen Deutschlands geschafft haben", betont Helmut Thiel.

"Und damit ist die Schule schon ein Gewinner, ob sie Ende März noch unter die besten 15 gewählt wird oder nicht", erklärt Thomas Oertel. Der gelernte Sonderschulleiter, der mittlerweile am Institut für Qualitätssicherung am Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern arbeitet, gehörte zu dem Besucherteam, das sich seit Mittwochabend an der Gutenberg-Schule umschaute.

Schulleiter Thiel wusste, von wem er und seine Bildungseinrichtung da kritisch beäugt wurden: "Wir hatten es hier mit Pädagogen zu tun, die alle einen hohen Sachverstand haben und ohne Probleme hinter die Fassade blicken können." Dennoch hätten weder er noch das Lehrer-Kollegium oder die Schüler das Gefühl gehabt, das man kontrolliert würde.

119 Bewerbungen waren in diesem Jahr für den mit insgesamt 230 000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis eingegangen. "Eine Vorjury wählt daraus die 50 besten aus und schlägt diese dann der Hauptjury vor", erklärt Oertel, der zum ersten Gremium gehört. Doch was entscheidet darüber, welche Bewerbung Erfolg hat? "Die Schulen sollen nicht einfach nur sagen, dass sie gut sind. Sie müssen das auch belegen. Ein einzelnes Talent, dass bei der Matheolympiade gewinnt, reicht nicht", so Oertel. "Wenn man aber, wie an der Gutenberg-Schule, keine Abbrecher oder Sitzenbleiber hat, dann sagt das schon etwas aus."

Die Top-20-Schulen erhalten anschließend Besuch von einer Kommission, die sich aus zwei Mitgliedern der Vorjury, einem Vertreter der Hauptjury und jeweils einem Abgesandten der zwei Stiftungen, die den Preis initiierten, zusammensetzt.

Am Mittwochabend kamen die externen Bewerter mit dem Sekundarschulleiter und Elternvertretern ins Gespräch. Gestern schauten sie sich dann im Unterricht um. "Alle Türen sind offen", nennt Oertel das Prinzip. Die erfahrenen Pädagogen brauchen dabei nicht lange, um sich einen Eindruck zu verschaffen. "Es geht nicht darum, die Lehrer einzeln zu bewerten, sondern sich einen Eindruck der Unterrichtskultur zu machen. Und dafür reicht eine Viertelstunde aus."

Sechs Kriterien werden abgeprüft, um eine durchschnittliche von einer guten Schule zu unterscheiden. Welche Leistungen werden erzielt? Wie geht man mit Vielfalt, beispielsweise unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen oder kulturelle Herkunft, um? Welche Qualität hat der Unterricht? Wie werden Konflikte gelöst und mit Verantwortung umgegangen? Welches Klima herrscht an der Schule und im Umgang mit außerschulischen Partnern? Und, zu guter Letzt: Wie begreift sich die Schule als lernende Institution?

"Wir bewerten mit ¿A‘ wie exzellent bis ¿C‘, was in etwa ausreichend bedeutet", gibt Ministeriumsmitarbeiter Oertel einen Einblick. Das Bewertungsprotokoll wird an die Hauptjury gesandt. Diese bestimmt Ende März, welche 15 Schulen Anfang Juni zur feierlichen Preisverleihung eingeladen werden. Dort gibt man dann den Hauptsieger (100 000 Euro), vier Schulpreisträger (je 25 000 Euro) und zwei Sonderpreisträger (je 15 000) bekannt.

"Der Schulleiter ist ein Brandstifter, er zündet und gibt Impulse für Kollegen und Schüler"

Ein Vorbewertung der Gutenberg-Schule wollte und konnte Thomas Oertel gestern nicht abgeben. Dennoch fand er lobende Worte, war "beeindruckt von der Selbstständigkeit und dem Selbstbewusstsein der Schüler und dem Weg, den man hier in den vergangenen 20 Jahren beschritten hat".

Ganz persönlich beeindruckt zeigte er sich von Helmut Thiel. "Der Schulleiter ist hier im positiven Sinne ein Brandstifter, er zündet, gibt Impulse an das Kollegium und die Schüler weiter." Die Konzentration auf die Stärken der Schüler und nicht die dauernde Kritik daran, was nicht gelingt, seien "genau der Weg", den man sich von Schulen erwartet, die pädagogisch richtungsweisend arbeiten.