Wolmirstedt. Martin Westphal feierte am Sonnabend seinen 60. Geburtstag. Ganz privat, mit der Familie, Freunden, Sportfreunden und Kollegen. In der Zeitung wollte er auf gar keinen Fall davon lesen. Warum er nun doch an dieser Stelle erscheint? Nun, es gab ein paar Menschen, die diesen Geburtstag zum Anlass nahmen, den Jubilar zu ehren, ausgiebig und von Herzen.

Der Grund für diese Ehrungen ist dann auch eine höchst öffentliche Angelegenheit, schließlich ist Martin Westphal seit 22 Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Sportvereins Kali Wolmirstedt, des größten Sportvereins der Region. Zu diesem Verein gehören über 500 Mitglieder in zehn Abteilungen. Für dieses Engagement bekam er vom Bürgermeister den Silbernen Stadttaler überreicht. "Aus dem SV Kali Wolmirstedt kommen so viele erfolgreiche Sportler, wie aus keinem anderen Sportverein", lobte Dr. Zander und zählte auf. "Deutsche Meister, Landesmeister, vor allem aus dem Bereich der Leichtathletik, haben ihre Heimat im SV Kali. Außerdem gehört eine Menge dazu, den Trainings- und Wettkampfbetrieb zu organisieren, Fahrdienste für die Kinder zu aquirieren."

Ähnlich äußerte sich Dieter Stichnoth, der im Namen des Vorstandes vom SV Kali die Ehrengabe des Vereins an den Vorsitzenden überreichte. Doch damit nicht genug. Günter Wielinski, stellvertretender Vorsitzender vom Kreissportbund des Landkreises Börde, würdigte das jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement Westphals mit der Ehrengabe des Landkreises und anerkennenden Worten.

Martin Westphal zeigte sich nach soviel Anerkennungen völlig perplex. "Ich habe noch nie eine Auszeichnung bekommen", stapelte das Geburtstagskind tief und freute sich unbändig über soviel Ehre, wollte sie aber nicht für sich alleine behalten. "Wenn ein Vorsitzender mal eine Weile nicht da ist, läuft der Vereinsbetrieb trotzdem weiter. Schwierig wird es, wenn Übungsleiter nicht kommen und die Kinder vor verschlossener Sporthallentür stehen. Bei allen möchte ich mich heute bedanken." Wahrscheinlich war das der Moment, indem der Jubilar tolerierte, dass er nun doch in der Zeitung erscheint.

Martin Westphal wurde am 29. Januar 1951 in Elbeu geboren. Mit zehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für Leichtathletik. "Er hätte es bis an die DDR-Spitze schaffen können", ist Dieter Stichnoth überzeugt, "aber so weit wollte er wohl nicht." Inzwischen ist Martin Westphal leidenschaftlicher Volleyballspieler geworden, spielt an einem Abend der Woche in der Seniorenmannschaft des SV Kali, an einem anderen Abend in der Mannschaft des Sportvereins "Enorm in Form".

Das Berufsleben absolviert Martin Westphal im Zielitzer Kaliwerk, ist dort Bereichsleiter und Werkleitungsmitglied. "Wege entstehen, indem man sie geht, war bisher mein Motto", wandte sich Westphal an seine Geburtstagsgäste, "aber inzwischen habe ich gelernt, dass der Weg nicht immer mühsam durchs Gestrüpp führen muss, sondern dass man auf der Betonstraße genauso schnell ans Ziel kommt. Ich möchte in den kommenden Jahren auf der Betonstraße bleiben."

Das klingt nach ruhigeren Fahrwassern, die sich im privaten Leben des Martin Westphal sicherlich nicht immer einpegeln werden. "Meine Frau Melitta und ich", verkündete er stolz, "werden im Mai zum ersten Mal Großeltern."