Das Problem, das am Freitag im Elbeuer Sportlerheim heiß diskutiert wurde, konnte man schon vor der Tür erkennen. Aber nicht nur der Sportplatz des Ortsteils steht unter Wasser, sondern auch zahlreiche Gärten, Keller und Teile der Wohnhäuser. Um zu beraten, was man dagegen tun kann, hatten die Anwohner der Straße Am Küchenhorn weitere Betroffene zu einer Versammlung geladen.

Elbeu. "Mit uns nicht!" Dieser Satz stand den Besuchern des Elbeuer Sportlerheims am Freitag ins Gesicht geschrieben. "Wir wollen uns wehren!" So stand es über der Einladung, welche die vom Hochwasser Betroffenen ein paar Tage zuvor in ihren Briefkästen gefunden hatten.

Hausbesitzer der Straße Am Küchenhorn hatten die Zettel verteilt, wollten sich mit anderen Ohreanwohnern treffen, um sich über ihre Situation zu unterhalten. Dabei sollte es auch darum gehen, was man von der Stadt an Hilfe erwartet. Hat der Bürgermeister doch einige der Betroffenen für den 8. Februar zu einem Gespräch eingeladen. Um bei dieser Zusammenkunft die Wünsche und Forderungen der Ohreanwohner klar vortragen zu können, sollte die erste Ladung Unmut schon auf der Bürgerversammlung zur Sprache gebracht werden. Und der ließ nicht lange auf sich warten. Waren viele der Anwesenden doch schon am Abend zuvor bei der Veranstaltung des Naturschutzbundes (NABU) gewesen und enttäuscht, dass man bezüglich der Maßnahmen an und in der Ohre keinen gemeinsamen Nenner gefunden hatte.

Holger Stahlknecht, der von den Initiatoren als Berater eingeladen worden war, ging sogar noch weiter und gab dem NABU eine Mitschuld an der aktuellen Situation. "Als wir den Deich zwischen Heinrichsberg und Glindenberg im Rahmen des FFH-Verfahrens ertüchtigen wollten, wurde das vom NABU verhindert", so Stahlknecht. "Ich habe wenig Verständnis dafür, dass wir für Tiere manchmal mehr tun als für Menschen", setzte er nach und erntete dafür zustimmenden Applaus.

Der Landtagsabgeordnete regte deshalb ab, über eine Unterschriftensammlung für die Fortführung des damals gestoppten Vorhabens nachzudenken. Außerdem empfahl er den gut 50 Anwesenden, sich in einer Bürgerinitiative zusammenzuschließen und Sprecher zu benennen.

So wurde es dann auch getan. Einstimmig wurde Jürgen Bednorz zum Vorsitzenden der Initiative zum Schutz vor Hoch- und Grundwasser gewählt. Heiko Schwaneberg und Karola Campe stehen ihm als Stellvertreter zur Seite. "Wir wollen jetzt noch einen Beirat bilden und dann in kleinerer Runde das weitere Vorgehen beraten sowie mit verschiedenen Organisationen – auch dem NABU – das Gespräch suchen", erklärte der Vorsitzende nach der Wahl. Man wolle, dass für die Ohre und die zahlreichen Gräben Verantwortlichkeiten geklärt werden und es endlich einen ordentlichen Notfallplan gibt. "Der auf der Internetseite der Stadt ist ja teilweise ein Abklatsch von dem der Versicherung", so Bednorz weiter.

Im Sportlerheim wurde am Freitag lange und teilweise lautstark diskutiert. Ältere Bürger, die schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts Grundstücke an der Demokratenbreite besitzen, schildert anschaulich, wie es sich früher mit der Ohre und den angrenzenden Gebieten verhielt. "Während die Ohre früher jährlich gereinigt wurde, ist in den letzten 20 Jahren nichts mehr passiert", echauffierte sich beispielsweise Uli Augsberg, der sich noch an die Tiefbrunnen und Wasserwerke erinnerte, die mittlerweile stillgelegt seien.

Was die vom Hochwasser Betroffenen ärgert – so erzählten sie es am Freitag – seien Reaktionen wie "Ihr habt doch gewusst, wo Ihr hinzieht. Dann müsst Ihr halt umziehen".

"Das ist eine Frechheit und geht zu weit. Niemand kann ihnen sagen, dass sie woanders hinziehen sollen", stärkte Stahlknecht den Erbosten den Rücken. "Sie wohnen hier und haben ein Recht darauf, dass es ordentlich geregelt wird."

Allen, die durch steigendes Grund- oder Hochwasser Schäden zu verzeichnen haben, machte der Politiker ein Angebot, das er mit Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens und Landratskollege Ralf Geisthardt abgesprochen hätte. "Diejenigen können sich telefonisch in unseren Büros melden und den Schaden durchgeben. Den leiten wird dann ans Ministerium weiter, wo er geprüft wird."

Das Büro von Holger Stahlknecht ist dafür montags bis freitags jeweils von 9 bis 12 Uhr unter (039 201) 46 03, das von Ralf Geisthardt montags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 sowie dienstags und donnerstags von 11 bis 15 Uhr unter (039 04) 4 00 55 erreichbar.

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