Im großen Saal im Haus des Waldes wurden noch Stühle nachgeholt, als die Waldbesitzer des Landes zu ihrer Jahreshauptversammlung zusammenkamen. Diskutiert wurden die Probleme der Waldbesitzer, der Landwirtschaftsminister sprach zur Landespolitik und der Geschäftsführer eines Zellstoffwerkes vertrat die holzverarbeitende Industrie.

Hundisburg. "Der ländliche Raum lebt von den Menschen, die in ihm leben", begrüßte Franz Prinz zu Salm-Salm, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt, die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung des Verbandes im Haus des Waldes. Und dieser ländliche Raum, speziell der Wald, liegt all jenen, die sich zu dieser Versammlung eingestellt hatten, ganz besonders am Herzen. Ihnen geht es darum, die Tradition nachhaltiger Forstwirtschaft in Deutschland und Sachsen-Anhalt zu sichern.

Deutschland habe in Europa, wenn nicht weltweit die längste Tradition einer nachhaltigen multifunktionalen Forstwirtschaft, führte der Vorsitzende an. Deutschland wurde seit 1700 von einem der waldärmsten zu dem waldreichsten und zeitgleich einem der bevölkerungsreichsten und industriealisiertesten Länder der EU, ergänzte Prinz zu Salm-Salm. In Sachsen Anhalt sind 24,1 Prozent der Landesfläche Wald. Damit ist Sachsen-Anhalt allerdings ein relativ waldarmes Bundesland.

Die Weltbevölkerung wächst, und damit auch der Rohstoffbedarf weltweit, erläuterte Prinz zu Salm-Salm. Auch Sachsen-Anhalt werde eines Tages nicht mehr in der Lage sein, die Nachfrage zu befriedigen, wenn sich die gegenwärtige Entwicklung fortsetze. Damit werden rund 18 000 Arbeitsplätze in Frage gestellt, erklärte er. Flächenstilllegungen im Wald könne sich die Gesellschaft einfach nicht mehr leisten. Ganz wichtig ist ihm die Feststellung, dass Klimawandel und Klimapolitik nicht ohne Wald und Forstwirtschaft gehen.

Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens, der dem Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt zum 20. Geburtstag gratulierte, machte darauf aufmerksam, dass in den 20 Jahren die Waldfläche in Sachsen-Anhalt um 70 000 Hektar auf 494 000 Hektar gewachsen ist. Das sei wohl vor allem der Erfassung der Truppenübungsplätze geschuldet, die zuvor nicht erfasst waren, aber auch der Rekultivierung von Kippen und anderen Geländeflächen. Etwa 255 000 Hektar der Fläche sind Privatwald, wobei der überwiegende Teil Kleinwald ist. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 4,5 Hektar. Und es gibt im Bundesland rund 53 000 Waldbesitzer.

"Wir sind betroffen vom Klimawandel", versicherte Aeikens. Ein Institut habe bereits die Folgen des Klimawandels im Land untersucht. Heute gäbe es schon in weiten Regionen Trockenregionen, das könnte sich fortsetzen. Aeikens kündigte den 1. Waldklimagipfel des Landes Sachsen-Anhalt für den 21. Mai an. Im Haus des Waldes in Hundisburg sollen die Strategie des Landes zur Anpassung an den Klimawandel, der dazu gehörende Aktionsplan, die Sicht der forstlichen Praxis und ein Einblick in ein Projekt, das sich mit den Konsequenzen des Klimawandels beschäftigt, vorgestellt werden.

Darüber hinaus sprach er von einem "Waldgipfel" mit allen Verbänden im Herbst. Erholungsfunktion, Nutz- und Schutzfunktion des Waldes sollen dabei ebenso eine Rolle spielen wie das Thema Wald und Klima.

Von einer Agrarministertagung vor wenigen Tagen in Plön brachte Aeikens die Botschaft mit, dass es zusätzliche Mittel für betroffene Wald- und Landbesitzer geben wird, dass ein Waldklimafonds eingerichtet werden soll.

Aeikens ging auch auf Probleme mit Forstschädlingen in bestimmten Teilen des Landes ein, auf die Novellierung des Bundes-Waldgesetzes und des Jagdgesetzes in Sachsen-Anhalt ein. Er wünschte den Waldbesitzern keine Stürme, keinen Schneebruch und auskömmliche Holzpreise.